Der Kreml stellt weiterhin territoriale Forderungen an die Ukraine, beruft sich dabei auf eine angebliche gemeinsame Geschichte und beschränkt seine Ansprüche keineswegs nur auf den Donbass. Dies geht aus einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) hervor, der von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde.

Historische Rechtfertigungen und das Konzept von Noworossija

Analysten winken ab, dass der russische Diktator Wladimir Putin weiterhin territoriale Ansprüche gegen die Ukraine erhebt, die über den Donbass hinausgehen. Zur Untermauerung seiner Forderungen beruft er sich auf eine eigene Geschichtsinterpretation und behauptet, Ukrainer und Russen seien angeblich "ein Volk".

Am 22. Oktober erklärte Putin, dass besetzte ukrainische Gebiete angeblich zum "Gebiet des historischen Russlands" gehören. Laut ISW meint Putin damit wahrscheinlich das sogenannte "Noworossija", ein vages Konzept einer Region im Süden und Osten der Ukraine, das von den russischen Behörden als integraler Bestandteil der Russischen Föderation dargestellt wird.

Zu den Gebieten, die der Kreml in dieses Konzept einbezieht, gehören neben der Krim sowie den Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson auch die Oblaste Charkiw, Dnipropetrowsk, Mykolajiw und Odessa. Moskaus Ansprüche betreffen somit weitaus größere Gebiete, als die russische Armee im Donbass zu erobern versucht.

Moskaus Haltung zu Verhandlungen und Waffenruhe

Putins Äußerungen verdeutlichen, dass die territorialen Ansprüche Russlands über diese Anforderungen hinausgehen und potenziell das gesamte Land umfassen könnten. Der russische Präsident besteht weiterhin auf der Erreichung aller erklärten militärischen Ziele, die faktisch auf eine vollständige Kapitulation der Ukraine hinauslaufen.

Nach Einschätzung des ISW zeigt diese Position, dass der Kreml nicht zu einer kompromisshaften friedlichen Lösung bereit ist. Verhandlungen mit Kiew betrachtet Moskau in erster Linie als Mittel, um die Annahme russischer Bedingungen zu erzwingen.

Putins Weigerung, einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie zu unterstützen, zeigt zudem, dass Russland nicht bereit ist, die Situation einfach einzufrieren. Die Rhetorik über "historisches Russland" lässt vermuten, dass die Ziele des Kremls weitaus weitreichender sind.

Internationale Reaktionen und die Position Kiews

Zuvor hatte der US-Außenminister Marco Rubio erklärt, dass nur eine Lösung der Donbass-Frage das Ende des Krieges näher bringen könne, wobei beide Seiten Zugeständnisse machen müssten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte hingegen, dass die Ukraine bereit sei, den Krieg so schnell wie möglich durch einen Stopp der Kampfhandlungen an der aktuellen Frontlinie zu beenden.

Gleichzeitig wird Kiew der juristischen Anerkennung der besetzten Gebiete als russisch niemals zustimmen. Diese unüberbrückbare Differenz steht einer diplomatischen Lösung im Weg, solange der Kreml an maximalen Forderungen festhält.

Bedeutung und mögliche Folgen der Kreml-Ambitionen

Die vom ISW aufgedeckten Pläne zeigen, dass der Konflikt noch lange nicht gelöst ist und eine diplomatische Sackgasse fortbesteht. Das Bestreben Moskaus, die Kontrolle über den Süden und Osten der Ukraine auszuweiten, schließt eine rasche Friedenslösung aus.

Der weitere Verlauf hängt von der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit, der internationalen Unterstützung und der Bereitschaft zu echten Kompromissen ab. Der Kreml verfolgt jedoch weiterhin das Ziel, durch militärische Konfrontation globale geopolitische Ziele zu erreichen.