Der Sommer in der Ukraine ist traditionell nicht nur mit Urlaub, sondern auch mit Sorgen um den Wechselkurs verbunden. Doch zu Beginn Juni prognostizieren Experten eine Ruhephase. Der Markt scheint beschlossen zu haben, in der ersten Woche des Monats keine Überraschungen zu veranstalten und die Logik der zweiten Maihälfte fortzusetzen. Aber lohnt es sich, sich zu entspannen und anzunehmen, dass die Risiken verschwunden sind?
Taras Lesowoi, Direktor der Abteilung für Finanzmärkte der «Globus Bank», ist überzeugt: Fundamentale Gründe für eine drastische Überarbeitung der Prognosen gibt es derzeit nicht. Der Devisenmarkt wird im gewohnten Modus arbeiten, und die Hrywnia sollte keine anomalen Sprünge zeigen.
Saisonale Faktoren wachen über die Stabilität
Einer der wichtigsten Verbündeten der Stabilität im Juni ist die Ernte. Die saisonale Verteuerung von Lebensmitteln, die die Inflation oft nach oben treibt, wird zu Beginn des Sommers durch Überfluss ersetzt. Gemüse und Beeren, die in den Regalen erscheinen, helfen, die Preissteigerungen zu bremsen. Für den Devisenmarkt ist dies ein Signal: Wenn die Inflation moderat ist, hat die Bevölkerung weniger Gründe, Währung «für den Vorrat» zu kaufen, was die spekulative Nachfrage senkt.
Kraftstoff, Energie und der «Kriegsfaktor»
Doch Ruhe bedeutet nicht das Fehlen von Bedrohungen. Zu den Faktoren, die das Gleichgewicht stören könnten, zählen Experten die Kraftstoffpreise. Die geopolitische Spannung im Nahen Osten hält die Weltmärkte in Spannung, daher ist in der Ukraine kein verbilligter Benzin oder Diesel zu erwarten. Teurer Kraftstoff ist immer ein Risiko für steigende Logistikkosten und damit auch für steigende Warenpreise.
Separat ist der psychologische Aspekt zu erwähnen. Nachrichten über eine mögliche Verschärfung an der Front können eine emotionale Nachfrage nach Dollar auslösen. Dies verändert zwar nicht die fundamentalen Wirtschaftsindikatoren, kann aber kurzfristig den Kurs nach oben treiben und vorübergehende Ungleichgewichte schaffen.
Ein weiterer «Trumpf im Ärmel» ist die Energiesicherheit. Wenn im Land wieder großflächige Stromausfälle auftreten, müssen Unternehmen mehr für Generatoren und autarke Stromversorgung ausgeben. Diese Kosten werden zwangsläufig in die Endkosten der Dienstleistungen eingerechnet, was wiederum die Inflation trifft und indirekt die Währung beeinflusst.
Prognose: Wo wird der Kurs liegen?
Die Nationalbank der Ukraine handelt weiterhin im Modus der «gesteuerten Flexibilität». Dies ermöglicht dem Regulator, Ungleichgewichte durch Deviseninterventionen schnell auszugleichen, ohne dass der Markt in einen freien Fall oder einen Aufschwung gerät. Dank dessen bleiben der Bargeld- und der Interbankenmarkt synchronisiert.
In der ersten Juniwoche wird der Dollar voraussichtlich in einem Korridor von 44–44,5 UAH schwanken. Dies bestätigt den trägen Szenario ohne starke Sprünge. Der Euro hingegen wird von den Weltmarktkursen abhängen. Bei einem Parität zum Dollar von 1,16–1,18 wird die europäische Währung in der Ukraine im Bereich von 50,5–52,5 UAH gehandelt.
Experten geben zu, dass an einzelnen Tagen die Amplitude der Schwankungen 0,3–0,7 UAH erreichen kann, aber dies wird das Gesamtbild nicht verändern. Der Sommer verspricht vorhersehbar zu sein, sofern die Geopolitik keine Korrekturen vornimmt.