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title: "Wahlen im Krieg: Wiederholen wir die Fehler von 1917–1921? – Kolumne von Julia Kyrylenko-Merina"
description: "Die Kolumne von Julia Kyrylenko-Merina analysiert die Risiken von Wahlen in der Ukraine während des Krieges: von der historischen Parallele zu 1917–1921 bis zu den Problemen mit Vertriebenen und der digitalen Abstimmung über „Diia'."
date: 2026-08-20T07:06:03.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/wahlen-im-krieg-wiederholen-wir-die-fehler-von-1917-1921-kolumne-von-julia-kyrylenko-merina
tags: [ukraine-elections, war-voting, fedorov, historical-parallel, diia-app, internal-displacement]
publisher: "XAB.info"
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# Wahlen im Krieg: Wiederholen wir die Fehler von 1917–1921? – Kolumne von Julia Kyrylenko-Merina

![Wahl in der Ukraine während des Krieges: Menschen tragen eine nummerierte Wahlurne mit Dreizack-Emblem vor Flagge und historischem Mosaik](https://xab.info/media/2026/08/20/vybory-vo-vremya-voyny-ne-povtoryaem-li-my-oshibok-1917-1921-godov/vybory-vo-vremya-voyny-ne-povtoryaem-li-my-oshibok-1917-1921-godov-1.webp)

Das Thema möglicher Wahlen in der Ukraine ist erneut in den öffentlichen Raum zurückgekehrt – nicht zuletzt dank einer resonanten Ansprache des ehemaligen ukrainischen Verteidigungsministers. In einer neuen Kolumne analysiert Julia Kyrylenko-Merina, warum die Idee von Wahlen unter Bedingungen eines aktiven Krieges weniger wie ein demokratischer Durchbruch als wie ein Risiko aussieht, einen historischen Fehler zu wiederholen. Die Autorin betont: Es geht nicht darum, abstrakt „für' oder „gegen' Wahlen zu sein, sondern darum, ob sie transparent, gültig und von der internationalen Gemeinschaft anerkannt sein können, wenn in sechs Oblasten Kampfhandlungen stattfinden, eine Million starke Armee existiert und Millionen Menschen vertrieben sind.

### Die Ansprache von Fedorow und die politische Lage

Wie die Autorin anmerkt, war die Ansprache des ehemaligen Verteidigungsministers erwartbar: Er hat nur geringe Chancen, in das Amt des Ministers zurückzukehren, und geht damit im Wesentlichen „alles auf eine Karte'. Den Worten Kyrylenko-Merinas zufolge hat sein Status als politischer Führer „Kartons' bewiesen, und endgültig für diesen Weg entschieden hat er sich in einem Videoclip gezeigt. Dabei sagt die Autorin selbst offen, dass ihr „Angst wird' – und denen, die Geschichte gelernt haben. Das zentrale Argument von Fedorow lautet, dass gerade Russland der Ukraine diktiert, wann Wahlen abzuhalten sind. Allerdings, so die Autorin, hatte der russische Präsident bereits erklärt, dass der ukrainische Führer nicht legitim sei – er habe also faktisch ebenfalls auf die Notwendigkeit von Wahlen hingewiesen. Es stellt sich die Frage: Wer diktiert der Ukraine dann eigentlich, ob eine Abstimmung stattfinden soll?

### Historische Parallele: die Jahre 1917–1921

Die zentrale Argumentation der Kolumne stützt sich auf einen historischen Präzedenzfall. In den Jahren 1917–1921 standen die Ukrainer den Bolschewiken gegenüber, und aufgrund der Invasion konnten Wahlen nur in einigen Wahlkreisen abgehalten werden – Kijewtschyna, Poltawtschyna, Tschernihiwtschyna, Katerynoslawtschyna, Wolhynien, Podolien. Die Macht, so die Autorin, „wurde nicht zum Subjekt': Sie wurde von denen gestürzt, die die Ukraine besetzten. Darauf folgten, wie Kyrylenko-Merina betont, achtzig Jahre sowjetischer Herrschaft – Holodomor, Zerstörung der Kultur, Millionen Tote. „Das gab es schon. Wollen wir es noch einmal?' – fragt die Autorin rhetorisch und erinnert daran, dass die Unterstützung der europäischen Partner derzeit auf dem Höhepunkt ist.

### Praktische Barrieren: Vertriebene, Front und Digitalisierung

Die Autorin zählt konkrete Hindernisse für eine faire Abstimmung auf: etwa fünf Millionen Vertriebene, sechs Oblasten mit aktiven Kampfhandlungen, eine Million starke Armee. Die Frage, wie eine transparente und gültige Abstimmung gewährleistet werden kann, die die Welt anerkennt und nach der die Partner die Zusammenarbeit fortsetzen, bleibt unbeantwortet. Die Idee, über die App „Diia' abzustimmen, löst die Probleme nicht: Die Internetabdeckung ist nicht überall vorhanden, und ein Teil der Bevölkerung nutzt überhaupt keine Smartphones. „Werden ihre Stimmen nicht gezählt? Wo bleibt dann die Demokratie?' – fragt die Autorin. Im Büro des Präsidenten, so Kyrylenko-Merina, hieß es, man sei nicht gegen Wahlen, habe aber Zweifel, ob sie unter Raketenangriffen stattfinden werden. „Und ich bin mir auch nicht sicher', fügt die Autorin hinzu.

### Widersprüchliche Daten

In der Kolumne und in den begleitenden Materialien gibt es Abweichungen, die festzuhalten sind. Erstens: In der Kolumne selbst sind die Formulierungen der Autorin beibehalten, die zum Zeitpunkt ihrer Abfassung aktuell waren, während eine redaktionelle Anmerkung präzisiert: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte Jewhen Chmara das Verteidigungsministerium der Ukraine offiziell übernommen – die Werchowna Rada hatte ihn mit 312 Stimmen in das Amt berufen. Der öffentliche Status „ehemaliger Minister' und „entlassen' im Bezug auf Fedorow in den Nachrichtenquellen (TASS, Inosmi, Jauns.lv) stimmt also mit der Tatsache der Ernennung eines neuen Chefs des Ressorts überein, doch im Autorentext wird er durch die Brille seiner persönlichen politischen Wahl beschrieben. Zweitens: Der Widerspruch steckt im Argument von Fedorow selbst: Die Behauptung, dass „Russland die Wahltermine diktiert', wird von der Autorin angefochten, die auf frühere Erklärungen des russischen Präsidenten zur Illegitimität des ukrainischen Führers verweist. Beide Versionen – sowohl die Position des Initiators als auch die der Kritikerin – werden offen dargelegt, eine abschließende Bewertung wird nicht vorgenommen.

### Fazit: Das Risiko, den Fehler zu wiederholen

Die Kolumne endet nicht mit einem Aufruf, sondern mit einer Warnung: Die Durchführung von Wahlen unter Kriegsbedingungen könnte den Szenario von 1917–1921 wiederholen, als die Abstimmung nicht zu einer stabilen subjektiven Macht führte, sondern zum Auslöser weiterer Besatzung und Jahrzehnte der Repressionen wurde. Die Autorin bestreitet die Idee der Wahlen an sich nicht, stellt aber deren technische und politische Durchführbarkeit „hier und jetzt' in Frage – unter Raketenangriffen, bei massiven Bevölkerungsbewegungen und unvollständiger digitaler Abdeckung. Der finale Akzent liegt auf dem Moment: Die Unterstützung der europäischen Partner ist auf dem Höhepunkt, und genau deshalb bedeutet es nach der Logik der Autorin, ein Risiko einzugehen, um einer vorzeitigen Abstimmung willen – und damit sowohl die demokratischen Verfahren als auch die internationale Unterstützung zu gefährden.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Выборы во время войны: не повторяем ли мы ошибок 1917-1921 годов](https://www.rbc.ua/ukr/news/vibori-pid-chas-viyni-chi-povtoryuemo-mi-1787209252.html) - Первичный источник колонки Юлии Кириенко-Мериновой; совпадает с текстом основы (историческая параллель, переселенцы, «Дія», позиция ОП).
- ["Картонный" кандидат. Зачем экс-министр обороны Украины Федоров призвал провести выборы](https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/28024677) - Подтверждает обращение Федорова с призывом к выборам и его статус экс-министра; соответствует формулировкам колонки.
- ["Вызов Зеленскому". Экс-министр обороны Украины призвал провести выборы](https://inosmi.ru/20260819/ukraina-279756582.html) - Подтверждает политический характер обращения и контекст конфликта с действующей властью.
- [Уволенный министр обороны Украины потребовал провести выборы даже во время войны](https://rus.jauns.lv/article/novosti/724506-uvolennyi-ministr-oborony-ukrainy-potreboval-provesti-vybory-daze-vo-vremia-voiny) - Подтверждает требование провести выборы в условиях войны; согласуется с аргументацией колонки.