Der stellvertretende polnische Außenminister Marcin Bosacki hat Kiew scharf gewarnt und erklärt, dass die Aufnahme von Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch in den Nationalen Pantheon der Ukraine ein ernstes Hindernis auf dem Weg der europäischen Integration des Landes darstellen könnte. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Veröffentlichung des polnischen Fernsehsenders RMF 24. Die Erklärung fiel vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen in der ukrainischen Gesellschaft über die Erstellung einer einheitlichen Liste nationaler Helden und darüber, welche historischen Persönlichkeiten einen Platz im Pantheon verdienen.
„Jedes Volk wählt seine eigenen Helden“ – mit Einschränkungen
In seiner Rede anerkannte Bosacki formell das souveräne Recht jedes Landes, selbst zu bestimmen, wen es als nationale Helden betrachtet. „Jedes Volk und seine Behörden haben das Recht, jene Helden auszuwählen, für deren Ehrung sie es für zweckmäßig halten“, betonte der stellvertretende Leiter des polnischen Außenministeriums. Unmittelbar nach dieser Einschränkung ging er jedoch zur Sache der Warnung über: Die Aufnahme historischer Persönlichkeiten, die Polen für verantwortlich hält an Massenverbrechen gegen die Zivilbevölkerung, würde „die Beziehungen der Ukraine nicht nur zu Polen, sondern zu Europa insgesamt erheblich verschlechtern“. Damit stellte Warschau die Frage des Pantheons faktisch in den Kontext der bilateralen und multilateralen Beziehungen und führte sie über den rein innenpolitischen ukrainischen Diskurs hinaus.
Erwähnung der „dunklen Phase“ der UPA und der Opfer unter verschiedenen Völkern
Besondere Schärfe verleiht der Erklärung Bosackis seine Charakterisierung der Tätigkeit der UPA. Den Worten des stellvertretenden Ministers zufolge wurden unter den Fahnen jener, die, wie er sagte, „töteten – übrigens nicht nur Polen, sondern auch einige Ukrainer, sowie Tschechen, Juden und Roma“, also der „Gründer der UPA in der dunkelsten Phase ihrer Tätigkeit, in den Jahren 1943–1944“, der Ukraine „enorme Probleme bei der Integration in Europa“ drohten. Diese Rhetorik unterstreicht, dass die polnische Seite nicht nur auf das Gedenken an die Opfer unter den Polen, sondern auf eine breitere Liste der betroffenen Völker stützen will, was die Argumentation nach Absicht Warschaus innerhalb der ukrainischen Gesellschaft weniger angreifbar macht.
Die Umbettung Konowaltzs als „polnische diplomatische Aktion“
Als Beispiel dafür, wie – nach Auffassung Bosackis – die europäische Diplomatie auf solche Schritte reagiert, erwähnte der stellvertretende Minister die jüngste Umbettung von Jewhen Konowaltz. Er stellte fest, dass auf der Veranstaltung „kaum Vertreter diplomatischer Missionen der EU-Staaten“ anwesend waren, und bezeichnete dieses Ereignis als „polnische diplomatische Aktion“. Damit positioniert Warschau seine Nichtteilnahme an Zeremonien, die mit Persönlichkeiten verbunden sind, die es für Verbrecher hält, als bewusste diplomatische Position und nicht als mangelndes Interesse an dem Ereignis.
Reaktion des Büros des polnischen Präsidenten und Kontext der Eskalation
Zuvor hatte auch das Büro des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki die Initiative von Wolodymyr Selenskyj zur Schaffung eines Nationalen Pantheons der Ukraine kritisiert und sie als „Maßnahmen eskalatorischer Natur“ bezeichnet. In Warschau wurde diese Initiative mit dem vorausgehenden Beschluss in Verbindung gebracht, einer militärischen Einheit den Namen „Helden der UPA“ zu verleihen, was nach Einschätzung der polnischen Seite den systematischen Charakter der ukrainischen Erinnerungspolitik gegenüber mit der OUN und der UPA verbundenen Persönlichkeiten demonstriert. Die Gesamtheit dieser Erklärungen deutet darauf hin, dass die Frage des Pantheons zu einem der zentralen Reibungspunkte in den polnisch-ukrainischen Beziehungen vor dem Hintergrund des anhaltenden Integrationsprozesses Kiews in europäische Strukturen wird.
Widersprüchliche Daten
In den vorliegenden Quellen wurden keine wesentlichen Abweichungen in Daten, Zahlen oder Schlüsselformulierungen der Erklärung Bosackis festgestellt. Alle vier überprüften Quellen (RBC-Ukraine, TSN, ZN.UA, Gazeta.Ru) geben die Kernaussage der Warnung in einem einheitlichen Ton wieder: Es geht um eine mögliche Verschlechterung der Beziehungen zu Polen und der EU im Falle der Aufnahme von Bandera und Schuchewytsch in den Pantheon. Die Unterschiede betreffen lediglich den Stil der Darstellung und das Ausmaß der Zitate, nicht aber den faktischen Inhalt. Einziger Hinweis: Im Haupttext wird das „Büro des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki“ erwähnt, was dem aktuellen Status des Staatschefs im August 2026 entspricht; Widersprüche mit anderen Quellen zu diesem Punkt wurden nicht festgestellt.