Die modernen Technologien haben große Fortschritte gemacht: Wissenschaftler können bereits Tiere klonen und Genome editieren. Dennoch bleibt das Szenario aus der Kult-Franchise „Jurassic Park“ reine Fantasie. Die Wiederbelebung von Dinosauriern in ihrer ursprünglichen Form ist aufgrund fundamentaler Gesetze der Physik und Biologie unmöglich.
Die tödliche Verwundbarkeit der DNA
In Hollywood-Filmen extrahieren Wissenschaftler genetisches Material aus in altem Bernstein eingeschlossenen Mücken und rekonstruieren das Genom, indem sie Lücken mit Frosch-DNA füllen. In der Realität funktioniert dieser Ansatz nicht. DNA-Moleküle sind instabil und zerfallen mit der Zeit. Untersuchungen zeigen, dass die Halbwertszeit von DNA etwa 521 Jahre beträgt. Das bedeutet, dass alle halbe Jahrtausende die Hälfte der Bindungen in der Molekülkette bricht.
Die kritische Schwelle für die Wiederherstellung eines Genoms wird nach 6,8 Millionen Jahren erreicht – zu diesem Zeitpunkt bleiben nicht einmal die geringsten Spuren des genetischen Codes übrig. Dinosaurier starben jedoch vor etwa 66 Millionen Jahren nach dem Einschlag eines Asteroiden aus. Es ist völlig unmöglich, ein komplettes Genom oder sogar Fragmente, die für das Klonen geeignet wären, zu finden.
Bis heute sind die ältesten DNA-Fragmente, die Wissenschaftler extrahieren konnten, Mammuten und prähistorischen Pferden zuzuordnen. Ihr Alter überschreitet nicht eine Million Jahre, was 60-mal weniger ist als die Zeit, die seit dem Aussterben der Mesozoischen Riesen vergangen ist.
Projekt „Chickenosaurus“: Reverse Engineering
Da das Klonen eines Dinosauriers in seiner ursprünglichen Form unmöglich ist, suchen einige Wissenschaftler nach Umwegen. Eines der ehrgeizigsten Projekte ist das Reverse Engineering auf der Basis von Vögeln. Vögel sind direkte Nachkommen prähistorischer Theropoden, und in ihrem Genom sind „schlafende“ alte Gene erhalten geblieben.
Der herausragende Paläontologe Jack Horner leitet das Projekt Chickenosaurus, dessen Ziel es ist, diese alten Gene bei Hühnern zu aktivieren. Im Rahmen von Experimenten an Embryonen gelang es den Forschern bereits, einige Merkmale zu verändern und sie der Struktur ihrer Vorfahren anzunähern: Es bildeten sich Keimzähne, Schwänze und typische Krallen.
Mit Hilfe von Genom-Editierungswerkzeugen wie CRISPR-Cas9 können Wissenschaftler hybride Organismen mit Merkmalen von Dinosauriern erschaffen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen: Dies wäre nur eine moderne Imitation und keine echte Wiederbelebung einer ausgestorbenen Art.
Dinosaurier unter uns
Das wichtigste wissenschaftliche Ergebnis, zu dem die Forscher gelangt sind, lautet: Dinosaurier sind tatsächlich nie vollständig verschwunden. Dank paläontologischer Funde und genetischer Untersuchungen ist bewiesen, dass moderne Vögel eine direkte evolutionäre Linie der Theropoden darstellen.
„Hohle Knochen, Federn, Besonderheiten der Körperhaltung und des Verhaltens eines jeden Sperlings, Tauben oder Straußes stammen aus der mesozoischen Ära. Daher leben die alten Riesen weiterhin unter uns – einfach in Form von Vögeln“, fassten die Wissenschaftler zusammen.