Der Traum der Menschheit von Unsterblichkeit und dem Sieg über das Altern könnte auf eine unüberwindbare biologische Barriere stoßen. Selbst wenn die Medizin der Zukunft alle bekannten Ursachen des Alterns vollständig beseitigen könnte, würde die maximale Lebenserwartung wahrscheinlich streng begrenzt bleiben. Zu diesem Schluss kamen russische Wissenschaftler, die die Ergebnisse ihrer Studie in der renommierten Zeitschrift NPJ Ageing veröffentlicht haben.

Das ideale Szenario der Zukunft

Die Autoren der Studie versuchten, ein fast utopisches Szenario der medizinischen Entwicklung zu modellieren. In dieser hypothetischen Realität besiegt die Wissenschaft die Hauptmechanismen des Alterns vollständig: chronische Entzündungen, Mitochondrien-Dysfunktion, die Ansammlung von „Zombie-Zellen“ und andere altersbedingte Veränderungen, die den Körper heute zerstören.

Dennoch bleibt selbst in einer solchen „idealen“ Welt ein kritischer Faktor übrig, den die Medizin nicht vollständig beseitigen kann – somatische Mutationen. Dies sind zufällige DNA-Schäden, die sich im Laufe des gesamten Lebens einer Person in den Zellen ansammeln.

Die Mathematik des Körperabbaus

Die Forscher erstellten ein komplexes mathematisches Modell, um zu berechnen, wie verschiedene Organe unter dem Einfluss dieser genetischen Fehler abnutzen würden. Die Ergebnisse waren für die Träumer eines ewigen Lebens wenig ermutigend:

  • Herz und Gehirn erwiesen sich als am verwundbarsten. Genau diese Organe leiden am meisten unter der Ansammlung von Mutationen, was sie zum schwächsten Glied in der Kette der Langlebigkeit macht.
  • Die Leber zeigte hingegen eine hohe Widerstandsfähigkeit. Dank ihrer Fähigkeit zur ständigen Zellerneuerung verträgt sie solche Schäden deutlich besser als andere Körpersysteme.

Die harte Grenze bei 200 Jahren

Laut Berechnungen würde die durchschnittliche maximale Lebenserwartung selbst bei der Überwindung der meisten Krankheiten und Alterungsmechanismen zwischen 146 und 194 Jahren liegen. Mit anderen Worten: Die Medizin der Zukunft könnte das derzeitige menschliche Potenzial etwa verdoppeln, aber die Grenze von 200 Jahren zu überschreiten, wäre extrem schwierig.

Die Autoren selbst betonen, dass es sich hierbei um ein theoretisches Modell handelt. Es garantiert nicht, dass Menschen tatsächlich zwei Jahrhunderte alt werden können, aber es verdeutlicht: Selbst unter idealen Bedingungen bleiben DNA-Schäden wahrscheinlich der Hauptbegrenzungsfaktor für das menschliche Leben.