Die Nacht vom 28. auf den 29. Mai wurde zum Albtraum für die Bewohner eines Wohnviertels in der rumänischen Stadt Galați. Eine russische Drohne, die den Abwehrsystemen entkommen war, stürzte in ein zehnstöckiges Wohnhaus. Zwei Menschen wurden verletzt, mehr als siebzig Personen mussten notfallmäßig evakuiert werden. Doch die wichtigste Frage, die die Öffentlichkeit beschäftigt, ist nicht der Angriff selbst, sondern der Grund, warum die Drohne über dem Staatsgebiet nicht abgeschossen wurde.

Vier Minuten zur Rettung

Brigadegeneral Gheorghe Maxim gab auf einer Pressekonferenz eine schockierende Zahl bekannt: Die Streitkräfte hatten nur vier Minuten von der Entdeckung der Bedrohung bis zu deren Ausführung. Nach seinen Worten reichte diese Zeit bei weitem nicht aus, um den gesamten Zyklus abzuschließen: Die Erkennung, Identifizierung und Bekämpfung des Ziels erfordern mehr Zeit, als die Umstände es zuließen.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass die in Rumänien vorhandenen Luftabwehrsysteme vor Beginn des umfassenden Drohnenkriegs im Jahr 2023 entwickelt und eingeführt wurden. Das Militär gibt zu, dass die Technologien dringend an die neuen Realitäten angepasst werden müssen, doch der Modernisierungsprozess verläuft langsam.

Privateigentum versus nationale Sicherheit

Einer der kontroversesten Aspekte der Erklärung des Militärs war die Frage der Aufstellung von Luftabwehrsystemen vom Typ „Gepard“. General Maxim erklärte direkt, dass das Militär in Friedenszeiten nicht einfach dort Flakgeschütze aufstellen kann, wo es für nötig hält. Dafür ist die Zustimmung der Grundstückseigentümer und der betreibenden Unternehmen erforderlich.

„Privateigentum ist gesetzlich geschützt“, betonte der General. Die Reichweite solcher Systeme beträgt zwischen 1,5 und 6 Kilometern, und dort, wo die Eigentümer keine Erlaubnis erteilt haben, fehlt der Schutz. Dies schafft gefährliche „blinde Flecken“ in der Landesverteidigung, die der Gegner zum Durchbrechen nutzen kann.

Rechtliche Fallstricke und Diplomatie

Darüber hinaus stehen die Streitkräfte vor strengen rechtlichen Beschränkungen. Rumänien darf nicht so feuern, dass dies den Luftraum benachbarter Staaten betrifft. Diese Regel, die einen internationalen Zwischenfall vermeiden soll, wird in einer kritischen Situation zu einem lähmenden Faktor.

Der rumänische Außenminister Oana Cioacă hat bereits erklärt, dass der Vorfall in Galați die Kriterien für die Aktivierung des Artikels 4 der NATO erfüllt. Das bedeutet, dass die Verbündeten dringende Konsultationen abhalten werden. Derzeit arbeitet die rumänische Führung an der Anpassung der Rechtsgrundlage, um die Risiken ähnlicher Situationen in Zukunft zu minimieren, doch der Preis für die Bürokratie wurde bereits bezahlt.