Bereits im Jahr 2021 entwickelten ukrainische Wissenschaftler einen einzigartigen Prototyp eines heimischen COVID-19-Impfstoffs auf Hefe-Basis, der bei Labortests an Tieren eine neutralisierende Aktivität von 93% zeigte. Trotz vielversprechender Ergebnisse und der Einfachheit einer potenziellen Herstellung wurde das Projekt Ende desselben Jahres endgültig eingestellt. Kostyantyn Dmytruk, Direktor des Instituts für Zellbiologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, erläuterte die Gründe für den Stopp dieser groß angelegten wissenschaftlichen Arbeit und die Aussichten des biopharmazeutischen Sektors.
Innovative Technologie auf Basis von Hefezellen
Zur Herstellung des experimentellen Präparats verwendeten Forscher Hefe der Art Komagataella phaffii. Auf der Oberfläche dieser einzelligen Organismen platzierten Wissenschaftler ein Schlüssel fragment des Spike-Proteins des Coronavirus SARS-CoV-2, das direkt für das Eindringen der Infektion in menschliche Zellen verantwortlich ist. Nach thermischer Erhitzung und Inaktivierung der Hefezellen erhielt das Präparat eine Form, die sich vollständig für die orale Anwendung in Form von Tropfen oder Tabletten eignete.
Der Hauptvorteil dieses Ansatzes lag in der relativen Einfachheit der Produktionsskalierung. Im Gegensatz zu komplexen mRNA-Impfstoffen, die ultrakalte Lieferketten erfordern, benötigte das Hefe-Äquivalent keine teuren und spezifischen Lager- und Transportbedingungen. Dies eröffnete Perspektiven für eine effiziente Logistik selbst in abgelegenen oder Krisenregionen.
Klinische Barrieren und der Finanzfaktor
In der präklinischen Phase wurde der Prototyp an Labormäusen getestet. Die Blutzerichtlinien-Analyse der immunisierten Nagetiere ergab die Produktion spezifischer Antikörper mit hoher neutralisierender Aktivität auf dem Niveau von 93%. Erfolgreiche Tierversuche bestätigen jedoch nur Sicherheit und Immunogenität im Anfangsstadium, garantieren jedoch kein ähnliches Ergebnis für den menschlichen Körper.
Das Erreichen der Phase klinischer Studien am Menschen erforderte kolossale finanzielle Investitionen, über die das Institut nicht verfügte. Wie Kostyantyn Dmytruk erklärte, erfordert die Arzneimittelentwicklung enorme Investitionen bei hohem Misserfolgsrisiko. Zum Zeitpunkt des Projektabschlusses waren bereits massenhaft zugelassene und zugängliche internationale Impfstoffe auf dem Markt, was eine weitere Finanzierung der heimischen Entwicklung wirtschaftlich unrentabel machte.
Perspektiven der Veterinärrichtung und Marktrealitäten
In den Jahren der Unabhängigkeit hat die ukrainische Wissenschaftsbasis keinen einzigen selbst entwickelten Impfstoff für Menschen auf den Markt gebracht. Hohe Konkurrenz durch globale Pharmagiganten und stark regulierte Registrierungsprozesse schaffen unüberwindbare Barrieren für lokale Projekte ohne staatliche Risikokapitalunterstützung.
Als realistischere Alternative schlagen Wissenschaftler vor, ähnliche Entwicklungen auf den Veterinärbereich auszurichten. Die Herstellung von Impfstoffen für Tiere zeichnet sich durch einfachere Zulassungsverfahren, geringere Zeit- und Geldkosten sowie eine stabile Nachfrage seitens der heimischen Agrarwirtschaft aus. Experten zufolge können ukrainische wissenschaftliche Errungenschaften gerade im Veterinärsektor am schnellsten praktische Anwendung und kommerziellen Erfolg finden.