Der amerikanische Aktivist Cody Wilson, bekannt für die Förderung von Waffen aus additiven Fertigungsmethoden, hat die WASP-Pistole vorgestellt, die nach eigenen Angaben die erste Feuerwaffe ist, die mithilfe von künstlicher Intelligenz entwickelt wurde. Die Neuheit wurde im Hauptsitz von Defense Distributed in Austin (Texas) hergestellt. Bei dem Gerät handelt es sich um eine Einzelschusspistole im Kaliber .22 (5,6 mm): Ihr Griffstück ist aus herkömmlichem Kunststoff im 3D-Drucker hergestellt, während einzelne Teile aus Metall bestehen. Äußerlich erinnert die WASP an Wilsons früheres Modell Liberator, und der Druck selbst dauerte etwa sechs Stunden.
Vorführung: Fehlzündung beim ersten Schuss
Während einer öffentlichen Demonstration schoss die Pistole beim ersten Mal nicht ab – der erste Schuss gab eine Fehlzündung. Erst beim zweiten Versuch feuerte die Waffe und durchschlug eine Pappscheibe. Insgesamt funktionierte die WASP beim Test in zwei von drei Fällen erfolgreich, was selbst zum Gegenstand von Diskussionen wurde: Für ein Gerät, das als Ergebnis von KI-Arbeit angekündigt wurde, wirkt eine solche Instabilität bezeichnend.
Wie die WASP entstand: Das GatGPT-Modell und die DEFCAD-Bibliothek
Für die Entwicklung der Pistole wurde GatGPT verwendet, ein eigenes KI-Modell, das auf der umfangreichen digitalen Waffen-Dateibibliothek von DEFCAD basiert. Das 2012 gestartete DEFCAD-Projekt bietet öffentlichen Zugriff auf Baupläne von Waffen und deren Komponenten. Laut Wilson bat ein Mitarbeiter des Unternehmens das Modell, eine bestehende Einzelschusspistolen-Konstruktion so zu überarbeiten, dass volle Funktionalität und ein originelles Aussehen erreicht werden. Die KI schlug das WASP-Design vor, woraufhin das Team den Plan genehmigte und die Teile fertigte. Derzeit ist der Zugriff auf GatGPT nur einem eingeschränkten Benutzerkreis zugänglich. Wilson betont, dass die WASP zunächst als digitales Modell existierte und bezeichnet sie als Produkt von KI-Arbeit, obwohl der Entstehungsprozess selbst mit einer konkreten menschlichen Vorgabe begann.
Experteneinschätzungen: Von „Unternehmungslosigkeit“ bis zur „bedingten Funktionsfähigkeit“
Experten, die von The Verge befragt wurden, äußerten sich skeptisch über die Qualität der Entwicklung. Die Waffenhistorikerin Ashley Hlebinsky wachte über die ungewöhnliche Griff Form und den unvollendeten Abzugsbügel. Jonathan Ferguson vom britischen Royal Armouries Museum bezeichnete die Pistole als lediglich bedingt funktionsfähig: Seiner Einschätzung nach sei die Waffe unbequem zu halten und zu zielen, und ihre Konstruktion wirke nicht technisch durchdacht. Damit bleibt Wilsons beanspruchte „Vorherrschaft“ im Bereich des KI-Waffendesigns aus ingenieursmäßiger Sicht fragwürdig.
Kontext: Die Rückkehr des Themas „Geisterwaffen“
Das Auftauchen der WASP hat erneut Aufmerksamkeit auf das Problem sogenannter „Geisterwaffen“ gelenkt – Feuerwaffen, die ohne Seriennummern und standardmäßige Herstellerkontrolle hergestellt werden. Kritiker befürchten, dass KI-basierte Tools die Herstellung solcher Gegenstände für Personen ohne technische Erfahrung erleichtern werden. Ein Sprecher der Organisation Everytown, die sich für eine strengere Waffenkontrolle einsetzt, erklärte, dass solche Werkzeuge die Hürde für die Selbstherstellung von Waffen senken und eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit darstellen. Wilson wiederum ist der Ansicht, dass solche Systeme es künftig ermöglichen werden, neue Konstruktionen schneller zu erstellen: Je mehr Dateien in der Datenbank vorhanden sind und je aktiver Benutzer mit dem Modell über seine Lösungen diskutieren, desto perfekter werden seiner Meinung nach die Ergebnisse sein.