Während Europa den Sanktionsdruck auf die russische Energiewirtschaft verschärft, entwickelt sich in Dänemark eine kuriose Situation. Die dänische Werft Fayard, das einzige Unternehmen in der Europäischen Union, das in der Lage ist, spezialisierte Eisbrecher des Typs Arc7 zu warten, nimmt weiterhin russische Gasfrachter an. Dies geschieht vor dem Hintergrund heftiger Kritik des dänischen Ministerpräsidenten und bevorstehender Verbote für die Wartung sanktionierter Schiffe.

Technische Abhängigkeit und Eile

Tanker des Typs Arc7 sind einzigartige Schiffe, die für den Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) vom russischen arktischen Projekt „Jamal“ in die Häfen Nordwesteuropas bestimmt sind. Aufgrund ihrer komplexen Konstruktion und spezifischen Betriebsanforderungen sind diese Schiffe kritisch von europäischen Werften abhängig, die über die notwendige technische Erfahrung und die geografische Lage verfügen.

Laut der Analyseorganisation Urgewald haben sechs der 15 Tanker der Arc7-Flotte Besuche in der Werft Fayard für diese Sommersaison geplant. Experten verbinden diese Eile mit der Annäherung neuer Beschränkungen: Die Europäische Union plant, ab 2027 ein vollständiges Verbot für die technische Wartung sanktionierter Schiffe einzuführen. Darüber hinaus beabsichtigt der Block, den Import russischen Gases ab nächstem Jahr vollständig einzustellen.

Politische Konfrontation

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat wiederholt ihr Unverständnis über die Arbeit der Werft für die Flotte von „Jamal“ zum Ausdruck gebracht. Ihrer Meinung nach sei eine solche Tätigkeit „völlig unverständlich“, und die Werft müsse die Wartung russischer Schiffe einstellen. Derzeit verfügen die Behörden jedoch über keine Zwangsmittel, da die technische Wartung solcher Schiffe formal nicht illegal ist.

Die Statistik der Werfttätigkeit ist beeindruckend: Seit Beginn des umfassenden russischen Einmarschs in die Ukraine hat Fayard 15 Schiffe empfangen, von denen fünf im vergangenen Jahr ankamen.

Präzedenzfälle und Verschärfung des Regimes

Die Situation in Dänemark steht im Kontrast zu den Aktionen anderer europäischer Akteure. Das niederländische Unternehmen Damen, das zuvor die Arc7-Flotte auf seiner französischen Werft in Brest gewartet hatte, stellte die Zusammenarbeit bereits im August des vergangenen Jahres ein. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit der Außenpolitik der Niederlande, die keine Unterstützung beim Export russischen Gases duldet. Seit Beginn des Krieges hat Damen acht Schiffe des Typs Arc7 empfangen.

Es ist erwähnenswert, dass gegen Damen in den Niederlanden bereits ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Verstoß gegen die EU-Sanktionen gegen Russland eingeleitet wurde. Parallel dazu hat die britische Regierung ein eigenes Verbot für die Erbringung von Seeverkehrsdiensten an Schiffe, die im Interesse Russlands operieren, im Rahmen der Kampagne zur Einschränkung der Einnahmen des Kremls verkündet.

Zunahme der Spannungen auf See

Der globale Kampf gegen den russischen „Schattenflotte“ geht über diplomatische Noten und wirtschaftliche Verbote hinaus. Ende Mai wurden drei Tanker der Schattenflotte vor der Küste der Türkei angegriffen. Laut Wladislaw Wlasjuk, dem Sonderbeauftragten des ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik, befanden sich diese Schiffe seit Jahren im Fokus Kiews aufgrund systematischer Sanktionsverstöße.

Ein weiterer resonanter Vorfall ereignete sich am 1. Juni, als die französische Marine den sanktionierten Öltanker „Tagor“ im Atlantischen Ozean an Bord nahm. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, dass Schiffe der Schattenflotte den russischen Krieg gegen die Ukraine finanzieren und das internationale Seerecht verletzen.