In den Gängen der Macht entbrennt eine neue Runde der Debatte über Sanktionen. Momentan werden europäischen Diplomaten keine trockenen Berichte vorgelegt, sondern physische Beweise dafür, wie die russische Kriegsmaschinerie funktioniert. Auf den Tischen liegen verkohlte Fragmente von Raketen und Drohnen, die in der Nacht vom 24. Mai auf die Ukraine zu flogen. Und das Erstaunlichste ist: In diesen „Tötungsmaschinen“ wurden Teile gefunden, die in Ländern hergestellt wurden, die die Aggression offiziell verurteilen.

Globale Lieferkette für den Krieg

Die Situation erscheint absurd: Die Komponenten, die für den Betrieb der Hyperschallrakete „Zirkon“, der Marschflugkörper „Kalibr“ und der Drohnen „Geran-2“ notwendig sind, wurden in der Schweiz, Deutschland, den USA, Großbritannien, Japan und China hergestellt. Darüber hinaus handelt es sich nicht um alte Bestände, sondern um Produkte, die in diesem Jahr hergestellt wurden. Dies zeigt, dass das Schema zur Lieferung kritisch wichtiger elektronischer Komponenten nach Russland trotz der Verschärfung des Regimes weiterhin funktioniert.

Es gibt jedoch auch eine andere Seite der Medaille. Den Botschaftern wurden Platinen der ballistischen Rakete „Oreschnik“ gezeigt. Im Gegensatz zu westlichen Analoga kamen die russischen Ingenieure hier ausschließlich mit inländischen und belarussischen Entwicklungen aus. Aber auch diese sind keine Neuheit: Diese Komponenten wurden bereits zwischen 2004 und 2014 hergestellt. Dies beweist, dass Russland seit Jahrzehnten strategische Vorräte angehäuft hat, um sie heute gegen seine Nachbarn einzusetzen.

Der belarussische Faktor und „Integral“

Ein entscheidendes Glied in dieser Kette bleibt Minsk. Der vom ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik ermächtigte Vladyslav Vlasjuk wies direkt auf die Notwendigkeit hin, die Kontrolle über den Zugang Belarus‘ zu ausländischer Elektronik zu verstärken. Die Fabrik „Integral“ in Minsk wurde zu jenem Fließband, an dem westliche Chips zum Füllungsmaterial für Marschflugkörper und ballistische Geschosse werden.

Vlasjuk glättete keine Ecken: Die Einstellung dieser Lieferungen würde einen vernichtenden Schlag gegen die russische Rüstungsindustrie bedeuten. Solange westliche Teile jedoch weiterhin ihren Weg in russische Arsenale finden, wird die Waffe präziser und tödlicher.

Schattenflotte und neue Kampfmethoden

Die Ukraine beschränkt sich nicht auf die Präsentation von Beweisen. Kiew hat seine europäischen Partner aufgefordert, zu härteren Maßnahmen im Kampf gegen die „Schattenflotte“ Russlands überzugehen. Es geht um praktische Maßnahmen: Beschlagnahme von Schiffen und Blockade von Lieferungen auf Basis von Geheimdienstinformationen. Das Material für solche Operationen wurde bereits von der SBU, dem Büro des Generalstaatsanwalts, dem Auslandsnachrichtendienst und dem Hauptnachrichtendienst gesammelt. Jetzt liegt es an den Diplomaten, diese Daten in echte Sanktionen umzuwandeln, die die Kriegsmaschinerie des Gegners wirklich ersticken werden.