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title: "Hydrothermale Quellen waren nicht die Wiege des Lebens: Geochemiker aus Calgary widerlegt langjährige Hypothese"
description: "Der Geochemiker Benjamin Tutolo von der University of Calgary widerlegt in einem Artikel für PNAS die Hypothese der Entstehung des Lebens an tiefseeischen hydrothermalen Quellen und weist auf Fehler in den Daten zu Schwefel und Alkalität hin. Das neue Modell sieht in Verdunstungseen die wahrscheinlichere Wiege des Lebens."
date: 2026-09-03T16:18:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/widerlegung-der-theorie-der-entstehung-des-lebens-an-hydrothermalen-quellen
tags: [origin-of-life, hydrothermal-vents, geochemistry, pnas, extraterrestrial-life, abiogenesis]
publisher: "XAB.info"
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# Hydrothermale Quellen waren nicht die Wiege des Lebens: Geochemiker aus Calgary widerlegt langjährige Hypothese

![Abstrakte Visualisierung chemischer Reaktionen und Molekülstrukturen, die die Widerlegung der Hypothese der hydrothermalen Quellen als Wiege des Lebens symbolisieren](https://xab.info/media/2026/09/03/opoverzhenie-teorii-zarozhdeniya-zhizni-v-gidrotermalnyh-istochnikah/opoverzhenie-teorii-zarozhdeniya-zhizni-v-gidrotermalnyh-istochnikah-1.webp)

## 🎯 Key Points

- Benjamin Tutolo (University of Calgary) widerlegt in PNAS die Hypothese der Entstehung des Lebens an tiefseeischen hydrothermalen Quellen
- Der antike Ozean und die Gesteine enthielten nicht genügend Schwefel, und die Protonengradienten konnten unter realen Bedingungen nicht existieren
- Hohe Alkalitätswerte waren ein Artefakt der Abkühlung der Proben beim Anheben an die Oberfläche
- Tutolo schlägt vor, Verdunstungseen und -becken als wahrscheinlichere Umgebung für die Synthese von RNA, Proteinen und Lipiden zu betrachten
- Das neue Modell ändert die Prioritäten bei der Suche nach außerirdischem Leben auf dem Mars und den eisigen Monden

Der führende Geochemiker der University of Calgary, Benjamin Tutolo, hat in der renommierten Fachzeitschrift PNAS eine Studie veröffentlicht, die eine der hartnäckigsten Theorien der Ursprungsbiologie in Frage stellt. Mehrere Jahrzehnte lang vertrat die wissenschaftliche Gemeinschaft die Ansicht, dass die ersten Lebewesen in der Nähe tiefer hydrothermaler Quellen entstanden seien – unterseeischer „Ventile“, die Wärme, Wasserstoff und alkalische Lösungen abgeben. Die Entdeckung des hydrothermalen Feldes „Lost City“ im Atlantischen Ozean im Jahr 2000 mit seinen hohen Karbonat-Schloten festigte dieses Paradigma nur noch. Allerdings, so Tutolos Behauptung, beruht das gesamte Konzept auf veralteten und wie sich herausstellte falschen Annahmen über die chemischen Bedingungen, die vor fast vier Milliarden Jahren auf der Erde herrschten.

### Schwefel, der nicht existierte, und Gradienten, die nicht existieren konnten

Der entscheidende Fehler, auf den der Geochemiker hinweist, betrifft die Rolle der Sulfidminerale. Lange Zeit hielten Wissenschaftler diese für die Hauptkatalysatoren des primordialen Stoffwechsels in hydrothermalen Systemen. Wie jedoch eine Neubewertung der Daten zeigt, enthielten die alkalischen Quellen, die umgebenden Gesteine und der antike Ozean selbst faktisch nicht genügend Schwefel, um die chemischen Reaktionen auszulösen, die für die Entstehung des Lebens notwendig waren. Darüber hinaus konnten die starken Protonengradienten – die Konzentrationendifferenz der Wasserstoffionen zwischen der alkalischen Flüssigkeit der Ventile und dem sauren Ozean –, die nach den bisherigen Modellen die Energie für den primordialen Stoffwechsel liefern sollten, unter realen Bedingungen schlicht nicht existieren.

### Messfehler: Alkalität, „aufgebläht“ durch Abkühlung

Eine besondere Rolle in Tutolos Argumentation spielt ein methodischer Fehler bei der Interpretation der Daten zur Alkalität der hydrothermalen Lösungen. Hohe Alkalitätswerte wurden nur dann erfasst, wenn die Flüssigkeitsproben an die Oberfläche gebracht und abgekühlt wurden. Unter dem enormen Druck und den extrem hohen Temperaturen am Meeresboden wiesen dieselben Lösungen eine deutlich niedrigere Alkalität auf als angenommen. So erwies sich der fundamentale Parameter, auf dem das gesamte Modell der „alkalischen Ventile als Wiege des Lebens“ beruhte, als durch einen Artefakt der Probenahme überhöht.

### Verdunstungseen als neue Wiege

Anstelle der tiefseeischen Ventile schlägt Tutolo vor, den Blick auf oberflächennahe Wassersysteme zu richten. Laut seiner Analyse sind es gerade die Verdunstungsbecken und -seen – temporäre Gewässer, die Zyklen der Verdunstung und Konzentrierung gelöster Stoffe unterliegen –, in denen sich die Summe der chemischen Bedingungen zusammenfindet, die für die Synthese der Schlüsselkomponenten lebender Zellen erforderlich sind: Ribonukleinsäure (RNA), Proteine und Lipide. Zu diesen Bedingungen gehören periodische Änderungen der Salzkonzentration, pH-Schwankungen und die Verfügbarkeit organischer Moleküle, was Verdunstungseen zu einer viel wahrscheinlicheren Umgebung für die Entstehung der ersten biochemischen Systeme macht als stabile Unterwasserquellen.

### Auswirkungen auf die Suche nach außerirdischem Leben

Die Neubewertung des Entstehungsortes des Lebens auf der Erde hat direkte praktische Konsequenzen für die Astronomie und Planetologie. Den Worten Tutolos zufolge könnte die gezielte Suche nach Spuren biologischer Aktivität an hydrothermalen Quellen auf dem Mars oder an den eisigen Monden von Jupiter und Saturn – Europa, Enceladus, Titan – vergeblich sein, wenn das Leben auf diesen Körpern (falls es existiert) nach einem anderen Szenario entstanden ist. Gleichzeitig verschwinden die Chancen, außerirdisches Leben zu entdecken, nicht: Verdunstungseen könnten theoretisch auch auf den Oberflächen anderer Planeten und Monde entstehen, was eine neue Richtung für zukünftige Missionen und Beobachtungen eröffnet.

### Kontext: parallele Forschungen zum Ursprung des Lebens

Tutolos Arbeit ist nicht die einzige, die in den letzten Jahren die etablierten Vorstellungen vom Ursprung des Lebens in Frage stellt. So demonstrierte im März 2025 eine Gruppe von Forschern, über die die Zeitung „Gazeta.ru“ berichtete, dass Calciumionen eine wesentliche Rolle bei der Stabilisierung früher Biomoleküle gespielt und die Bedingungen für die Entstehung des Lebens beeinflusst haben könnten. Diese parallelen Forschungsstränge deuten darauf hin, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft im Begriff ist, die Modelle der Abiogenese umfassend zu überarbeiten, und keines davon ist bislang endgültig.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Der Entstehungsort des Lebens steht infrage: Die populäre Theorie erwies sich als falsch](https://www.rbc.ua/ukr/news/mistse-zarodzhennya-zhittya-pid-pitannyam-1788445627.html) - Основной источник: пересказ статьи Тутоло в PNAS. Все ключевые факты (отсутствие серы, ошибка щелочности, альтернатива в виде испарительных озёр, последствия для поиска внеземной жизни) соответствуют тексту источника.
- [Wissenschaftler haben herausgefunden, wie Calcium die Entstehung des Lebens beeinflusst haben könnte](https://www.gazeta.ru/science/news/2025/03/27/25414886.shtml) - Использован исключительно для контекстного абзаца о параллельных исследованиях abiogenesis. Не противоречит основной статье, описывает иное направление (роль ионов кальция).

## ❓ FAQ

### Q: Wer hat die Hypothese der hydrothermalen Quellen als Wiege des Lebens widerlegt?
**A:** Der Geochemiker Benjamin Tutolo von der University of Calgary. Seine Studie wurde in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

### Q: Was ist der Hauptfehler der bisherigen Hypothese?
**A:** Das Konzept beruhte auf falschen Annahmen: Der antike Ozean und die Gesteine enthielten nicht genügend Schwefel für eine Katalyse, und die Protonengradienten zwischen der alkalischen Flüssigkeit der Ventile und dem sauren Ozean konnten unter realen Bedingungen nicht existieren. Außerdem waren die hohen Alkalitätswerte ein Artefakt der Abkühlung der Proben beim Anheben an die Oberfläche.

### Q: Was schlägt Tutolo anstelle der hydrothermalen Quellen vor?
**A:** Verdunstungseen und -becken an der Oberfläche. In ihnen, so seine Daten, finden sich die nötigen chemischen Bedingungen für die Synthese von RNA, Proteinen und Lipiden – den Schlüsselkomponenten lebender Zellen.

### Q: Wie wirkt sich das auf die Suche nach außerirdischem Leben aus?
**A:** Die Suche nach biologischen Spuren an hydrothermalen Quellen auf dem Mars oder den eisigen Monden von Jupiter und Saturn könnte sich als ineffektiv erweisen. Allerdings könnten Verdunstungseen theoretisch auch auf anderen Planeten existieren, was eine neue Suchrichtung eröffnet.

### Q: Wann wurde das hydrothermale Feld „Lost City“ entdeckt?
**A:** Im Jahr 2000 im Atlantischen Ozean. Seine Karbonat-Schloten galten lange Zeit als Bestätigung der Hypothese der alkalischen Ventile als Wiege des Lebens.