Russische Kampfdrohnen nutzen zunehmend Mesh-Netzwerke, um die ukrainische Luftabwehr zu durchbrechen. Diese Technologie ermöglicht es Drohnen, ohne zentrale Steuerung Daten untereinander auszutauschen, was sie widerstandsfähiger gegen elektronische Kampfführung macht. Experten betonen jedoch, dass Gegenmaßnahmen bereits existieren und funktionieren.
Was ist ein Mesh-Netzwerk und warum ist es gefährlich?
Ein Mesh-Netzwerk ist ein dezentrales Kommunikationssystem, bei dem jeder Knoten (Node) Daten empfangen, senden und an andere Knoten weiterleiten kann. Das bedeutet, dass das Netzwerk auch bei Ausfall einzelner Elemente weiter funktioniert, indem es die Datenrouten automatisch neu organisiert.
Diese Architektur ist besonders effektiv im Kampfgeschehen: Verliert eine Drohne die Verbindung, können andere ihre Funktionen übernehmen. Dies erschwert die Aufgabe für EW-Systeme, die traditionell auf die Unterdrückung eines zentralen Steuerungsknotens ausgelegt sind.
Wie elektronische Kampfführung (EW) Mesh-Netzwerke beeinflusst
Laut einem Ingenieur von BlueBird Tech können Störsender Mesh-Netzwerke auf physikalischer Ebene beeinträchtigen. Insbesondere die Erzeugung von Störungen im Betriebsfrequenzbereich kann zum Verlust der Verbindung zwischen einzelnen Knoten führen.
Dank der mehrstufigen Routing-Fähigkeit kann das Netzwerk jedoch alternative Datenpfade finden. Infolgedessen sinkt die Durchsatzrate und die Latenzzeiten steigen, doch ein vollständiger Verbindungsabbruch tritt nicht immer ein.
Um die Funktionsweise von Mesh-Netzwerken vollständig zu stören, ist entweder die Schaffung einer großen Störzone oder die Beeinflussung kritischer Knoten erforderlich, durch die ein Großteil des Datenverkehrs fließt. Darüber hinaus können Funkaufklärungssysteme aktive Sender erkennen, ihre Position bestimmen und diese Informationen für weitere Störungen oder die Zerstörung durch Feuer nutzen.
Drohnen-Navigation und Schwachstellen
Die Wirksamkeit elektronischer Kampfführung hängt von den Navigations- und Steuerungsprinzipien der Drohnen ab. Beispielsweise nutzen Drohnen der Shahed-136-Familie eine träge Navigation mit periodischer Korrektur durch GPS- oder GLONASS-Signale. Das Trägheitsnavigationssystem arbeitet autonom und benötigt während des Flugs keine externen Funksignale, sodass klassische EW-Systeme es nicht direkt beeinflussen können.
Gleichzeitig kann die Unterdrückung von Signalen satellitengestützter Navigationssysteme die Genauigkeit der Zielpunktankunft einer Drohne verringern. Es besteht auch die Möglichkeit des Spoofings – des Vortäuschens falscher Navigationssignale –, was dazu führen kann, dass die Drohne ihre Position fälschlicherweise bestimmt und vom Kurs abweicht.
Kommunikationskanäle und Fernsteuerung
Wenn eine Drohne über einen Fernsteuerungs- oder Befehlsübertragungskanal verfügt, kann dieser Kanal Ziel elektronischer Kampfführung werden. Bei erfolgreicher Störung verliert die Drohne die Möglichkeit, Korrekturbefehle zu empfangen, und setzt ihren Flug nach einem vorprogrammierten Algorithmus oder einem Reserve-Navigationsmodus fort.
Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen hängt von der Architektur des Kommunikationssystems, den angewandten Schutzmethoden für den Datenübertragungskanal und den spezifischen Eigenschaften des jeweiligen EW-Komplexes ab.
Fazit der Experten
Ingenieure von BlueBird Tech betonen: Elektronische Kampfführung kann erheblichen Einfluss auf einzelne Navigations- und Steuerungselemente von Langstrecken-Kampfdrohnen haben. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von der spezifischen Konstruktion der Drohne, den verwendeten Navigationssystemen sowie dem Vorhandensein oder Fehlen von Funkverbindungen während des Flugs ab.
Obwohl Mesh-Netzwerke die Aufgabe für EW-Systeme erschweren, machen sie Drohnen nicht unantastbar. Richtig konfigurierte Systeme der elektronischen Kampfführung können die Effektivität von Angriffen erheblich verringern, insbesondere in Kombination mit anderen Gegenmaßnahmen wie Luftabwehr, Flakartillerie und der physischen Zerstörung von Zielen.