Der größte russische Marktplatz Wildberries, der zur RWB-Gruppe gehört, hat eine massive Verlagerung seiner Logistikkapazitäten eingeleitet. Angesichts regelmäßiger Angriffe ukrainischer Drohnen auf russisches Territorium ist das Unternehmen gezwungen, sichere Häfen im Ausland zu suchen und setzt dabei auf Kasachstan.

Laut Informationen des Magazins „Kommersant“, die an RBC-Ukraine weitergegeben wurden, haben die russischen Eigentümer des Marktplatzes die aktive Suche nach Lagerflächen im Nachbarland aufgenommen. Der Umfang der Ambitionen ist beeindruckend: Das Unternehmen erwägt die Anmietung von bis zu 100.000 Quadratmetern und ist in manchen Fällen bereit, alle verfügbaren freien Immobilien in Kasachstan zu kaufen.

Logistischer Sackgasse in Russland

Der Grund für derart radikale Maßnahmen liegt in der Unmöglichkeit, in Russland im gewohnten Modus zu arbeiten. Eigentümer von Gewerbeimmobilien in Russland weigern sich massenhaft, neue Mietverträge mit Wildberries zu unterzeichnen. Das Problem liegt nicht am Mangel an Nachfrage nach Räumlichkeiten, sondern an extrem hohen Risiken.

Das Vorhandensein von Waren des Marktplatzes auf einem Lager verwandelt das Objekt automatisch in ein prioritäres Ziel für Angriffe der ukrainischen Streitkräfte. Gleichzeitig decken die Basisversicherungen für große Objekte in Russland Schäden durch Drohnenangriffe nicht ab. Für Unternehmen bedeutet dies, dass jeder Angriff zu enormen finanziellen Verlusten führen kann, ohne die Möglichkeit der Mittelwiederherstellung.

Erinnern wir uns daran, dass heute Morgen Rjasan einem massiven Drohnenangriff ausgesetzt war. Ziel waren das Sortierzentrum von Wildberries und ein örtliches Ölraffineriewerk. Dies ist nur eines der Beispiele, die die Verwundbarkeit der Logistikinfrastruktur des russischen Riesen demonstrieren.

Kasachstan als Rettungsring

In Kasachstan läuft der Bau von Objekten für den russischen Marktplatz bereits auf vollen Touren. Im Land entstehen zwei große Logistikkomplexe. Die Suche nach den benötigten Flächen in kürzester Zeit wird sich jedoch als schwierige Aufgabe erweisen.

Der Markt für hochwertige Logistikflächen in Kasachstan ist extrem begrenzt. Das Gesamtvolumen solcher Flächen beträgt nur 1,9 Millionen qm, und die Leerstandsquote (Vakanz) überschreitet nicht 5,8 %. Das bedeutet, dass Wildberries um jeden Quadratmeter mit lokalen und internationalen Akteuren konkurrieren muss.

Derzeit verfügt der russische Marktplatz über 209 Logistikobjekte mit einer Gesamtfläche von mehr als 5,6 Millionen qm. Die Verlagerung selbst eines Teils dieser Kapazitäten in den Nachbarstaat wird den größten Wandel in der Landkarte der Logistik Osteuropas darstellen, der von militärischen Notwendigkeiten diktiert wird.