In Sankt Petersburg fand die fünfte Ausgabe des St. Petersburger internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) statt. Die Veranstaltung, die unter den Bedingungen eines langwierigen Krieges und systematischer Angriffe auf die russische Infrastruktur stattfand, wurde zur Bühne für die Suche nach Antworten auf eine der wichtigsten Fragen des Kremls: Wie kann die Wirtschaft wieder in eine Wachstumsphase geführt werden?

Wladimir Putin, der das Forum eröffnete, forderte Beamte und Unternehmen auf, neue Stützpfeiler zu finden. Die Statistik zeichnet jedoch ein beunruhigendes Bild: Die russische Wirtschaft, deren Wert auf 3 Billionen Dollar geschätzt wird, zeigt eine deutliche Verlangsamung. Wenn das Wachstum im Jahr 2024 noch 4,9 % betrug, fiel es im vergangenen Jahr auf 1 %. Im ersten Quartal 2026 wurde bereits ein Rückgang von 0,2 % verzeichnet, und die Prognose für das laufende Jahr liegt kaum bei 0,4 %.

Doppelschlag: Sanktionen und Drohnenangriffe

Offizielle Regierungsvertreter führen den Rückgang auf hohe Zinssätze, Sanktionsdruck und die Aufwertung des Rubels zurück. Doch die wahren Gründe liegen tiefer. Angriffe ukrainischer Drohnen haben dem produzierenden Sektor einen verheerenden Schlag versetzt. Schätzungen zufolge wurde ein Viertel der Kapazitäten von Erdölraffinerien sowie Anlagen zur Düngemittelproduktion und die Hafeninfrastruktur getroffen.

Die Situation wird durch harte Maßnahmen der Regierung selbst verschärft. In einem Versuch, den Markt zu stabilisieren, verbot Russland ab dem 1. April den Benzinexport, und die Lieferungen von Flugturbinenkerosin wurden bis Ende 2026 eingeschränkt. Diese Maßnahmen, die darauf abzielen, die innere Krise einzudämmen, unterstreichen lediglich das Ausmaß der Probleme in Logistik und Produktion.

Das Paradoxon der Friedensverhandlungen

In den Geschäftskreisen wächst das Verständnis dafür, dass ohne geopolitische Entspannung ein Wirtschaftswachstum unmöglich ist. Wie ein anonym gebliebener Top-Manager eines großen Konzerns anmerkte, reagiert der russische Aktienmarkt nur auf Nachrichten über Friedensverhandlungen unter US-Vermittlung mit einem Enthusiasmus-Schub. Dies ist, so die Meinung von Experten, der wahre Vektor für die Erholung.

Doch die Aussichten auf Verhandlungen sind trüb. Der Kreml gibt an, dass der im Februar des vergangenen Jahres begonnene Dialog aufgrund des Fokus der USA auf den Konflikt im Nahen Osten ausgesetzt wurde. Zusammen mit der Diplomatie wurden auch milliardenschwere Investitionen sowie die Diskussion über eine Lockerung des Sanktionsregimes „eingefroren“. Dies erzeugt Pessimismus: Viele glauben, dass Putin die Chance auf einen Deal im vergangenen Jahr verpasst hat, und nun zeigt die Wirtschaft Anzeichen von Instabilität.

Mangel an Wachstumsideen

Experten und sogar Regierungsvertreter geben zu, dass es keine Instrumente für Manöver gibt. Der ehemalige stellvertretende Gouverneur der Zentralbank Russlands, Oleg Vyugin, erklärte direkt, dass bei einer zweistelligen Leitzins, Steuererhöhungen zur Finanzierung des Krieges und fallenden Investitionen schlichtweg keine Ideen für Wachstum existieren. „Die Regierung kann im Grunde nichts anbieten“, fasste er zusammen.

Sogar der vorübergehende Anstieg der Ölpreise, verursacht durch die Spannungen im Nahen Osten, wird von Experten als kurzfristiger Faktor angesehen, der die systemischen Probleme nicht lösen kann.

Kritik kommt auch aus dem Inneren des politischen Systems. Der Abgeordnete des Staatsdumas der KPdSU, Renat Sulejmenow, wies in einer seltenen harten Erklärung auf die Unmöglichkeit einer Entwicklung unter Kriegsbedingungen hin. Er betonte, dass Panzer und Granaten keinen Verbrauchswert haben: Die Wirtschaft produziert sie, aber die Bevölkerung kann sie nicht konsumieren, was Gespräche über Investitionen und Kapitalausgaben sinnlos macht.

Abhängigkeit von externen Faktoren

Russland mit einer Bevölkerung von 140 Millionen Menschen kann nicht auf interne Wachstumsmotoren setzen, wie es Indien oder China tun. Die Aktien- und Anleihenmärkte bleiben flach, und der Zustrom ausländischer Investitionen hat aufgehört. Der Leiter des Zentrums für Finanzanalyse der Oshchadbank, Michail Matownikow, fasste die Situation lapidar zusammen: „Die Wirtschaft braucht einen externen Schub. Dieser wird weder aus dem Staatshaushalt noch aus dem Bankensystem kommen“.