In der Nacht zum 28. Juni endete die Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Das Turnier, das in drei Ländern – den USA, Mexiko und Kanada – stattfindet, hat die entscheidende Phase erreicht. Nach 16 Tagen intensiver Spiele haben sich 16 Paarungen für die Runde der letzten 32 gebildet. Der Kommentator Kirill Krutorogov fasste in seiner Kolumne für RBC-Ukraine die ersten Ergebnisse zusammen und teilte seine Beobachtungen darüber, wie sich das Gesicht des Weltfußballs verändert.

Das Zeitalter der Rekorde und der Zeitbeschleunigung

Die Gruppenphase eines der umstrittensten Turniere der Geschichte verging im Handumdrehen. Der Experte stellt fest, dass die Zeit vor uns noch schneller vergehen wird: Es wird weniger Spiele geben, aber mehr Emotionen. Für viele Fans, die sich an die WM 1998 erinnern, ist dies bereits das zweite aufeinanderfolgende Turnier, bei dem die Neuerungen des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino Fragen aufwerfen. Nach der Winter-WM in Katar erhielt die Welt die erste Weltmeisterschaft in der Geschichte mit einer Rekordzahl an Teilnehmern.

Die Erweiterung von Turnieren – von der Champions League bis zur Weltmeisterschaft – in Kombination mit einer Fülle an Unterhaltung und sozialen Medien verwischt die Exklusivität von Ereignissen. Spiele hören auf, ein einzigartiges Phänomen zu sein, und weichen dem Streaming-Inhalt auf zahlreichen Plattformen.

Qualität der Spiele und eine „Conference League' auf Weltniveau

Die Rekordzahl an Mannschaften führte dazu, dass einige Gruppen faktisch keine Top-Gegner enthielten. Gruppe A (Mexiko, Südkorea, Südafrika, Tschechien) sowie die Gruppen B und D wurden zu einem Beispiel für dieses Ungleichgewicht. Viele Spiele, wie Paraguay gegen Australien oder Ecuador gegen Curaçao, erinnerten an Conference-League-Spiele und waren nur einem engen Kreis von Fans aus den jeweiligen Ländern interessant.

Doch in den meisten Begegnungen war Spannung vorhanden. Underdogs leisteten den Favoriten einen würdigen Widerstand und nahmen ihnen Punkte ab. Der Experte verbindet dies mit der Turnierstrategie der starken Mannschaften, die ihre Kräfte für das K.-o.-System schonen.

Kommerzialisierung: Von der „Magie des Moments' bis zu Trinkpausen

Eine der Hauptkritikpunkte am modernen Fußball ist seine übermäßige Kommerzialisierung. Ein grelles Beispiel war die eingeführte „Hydration Break'-Pause. Unter dem vornehmen Vorwand der Sorge um die Gesundheit der Spieler und der Notwendigkeit, Luft zu holen, gibt es in jeder Halbzeit Pausen von 3–4 Minuten. In der Realität wird diese Zeit für die Ausstrahlung von Werbeblöcken genutzt.

Spieler, Verbände und Zuschauer sind von diesen Neuerungen nicht begeistert, aber das kommerzielle Interesse kennt, wie man sagt, kein Erbarmen. In dieser Situation erklingt der Refrain des ABBA-Hits „Money money money', während FIFA-Präsident Gianni Infantino mit den Ergebnissen zufrieden bleibt.

Überraschungen und Enttäuschungen der Gruppenphase

Trotz der Kritik am Format bot das Turnier seine Überraschungen. Die mexikanische Nationalmannschaft wirkte in ihrer Gruppe überzeugend. Auch die Teams der USA, Marokkos, Japans und Ägyptens freuten die Fans und zeigten, dass sie nicht unterschätzt werden dürfen. Ihr Niveau wurde zu einem Maßstab, auf den man hinarbeiten sollte.

Gleichzeitig zeigten die Favoriten ihre Verwundbarkeit. Belgien, Deutschland und Portugal zeigten, dass sie auf lange Sicht nicht konkurrenzfähig sein könnten. Spanien und England hinterließen den Eindruck, dass sie im K.-o.-System noch zulegen könnten, während Frankreich und Argentinien ihre Stärke bestätigten.

Die größte Enttäuschung war die brasilianische Nationalmannschaft. Trotz der Niederlagenlosigkeit in der Gruppe wirkte das Team von Carlo Ancelotti defensiv unorganisiert. Der erfahrene Trainer konnte den Brasilianern bisher die notwendige Disziplin nicht vermitteln und ließ sie im Modus des „Karneval-Fußballs', bei dem der Angriff höher bewertet wird als die Verteidigung.