In Wolhynien wurden großangelegte Exhumierungsarbeiten auf dem Gebiet der ehemaligen Dörfer Ostrowki und Wola Ostrowiecka abgeschlossen. Ukrainische und polnische Spezialisten haben die Überreste von Bewohnern geborgen, die im August 1943 während der tragischen Ereignisse, bekannt als Wolhynien-Massaker, ums Leben kamen. Die Arbeiten fanden vom 13. Juli bis 7. August 2026 statt und waren das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung beider Länder zur Wiederherstellung des historischen Gedächtnisses.

Internationale Zusammenarbeit im Dienste des Gedenkens

Die Exhumierung wurde von Spezialisten der ukrainischen LLC „Spezialisierte Einrichtung „Wolhynische Altertümer““ gemeinsam mit polnischen Kollegen durchgeführt – Mitarbeitern des Instituts für nationales Gedächtnis der Republik Polen und der Medizinischen Universität Breslau. Die Aufsicht über den Prozess übernahm das Ukrainische Institut für nationales Gedächtnis, das auch die Aktivitäten der Anthropologen und Suchtrupps koordinierte. Die Begräbnisstätten waren bereits im April 2026 im Rahmen archäologischer und historischer Untersuchungen vorab identifiziert worden.

Anzahl der Opfer und Zusammensetzung der Getöteten

Laut ukrainischer Seite wurden auf dem Gebiet des ehemaligen Dorfes Wola Ostrowiecka Überreste von 48 Personen und auf dem Gebiet von Ostrowki von sechs Personen gefunden. Die polnische Seite gibt jedoch eine höhere Zahl an: Insgesamt wurden Überreste von 55 Personen geborgen, darunter 26 Kinder. Zudem wurde ein weiterer Leichnam in der Nähe des Friedhofs gegenüber dem Denkmal exhumiert, dessen Bestattungszeitpunkt jedoch noch nicht feststeht. Zu den Getöteten gehörten Männer, Frauen und Kinder, was den Massenhaftigen Charakter der Tragödie bestätigt.

Persönliche Gegenstände und neue Funde

Während der Arbeiten wurden mehr als 300 persönliche Gegenstände der Getöteten gefunden und gesichert – von Kleidung über Dokumente bis hin zu Haushaltsgegenständen. Diese Artefakte werden einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes darstellen und zukünftigen Generationen helfen, das Ausmaß der Tragödie besser zu verstehen. Darüber hinaus wurden Suchaktionen auch in zuvor nicht untersuchten Gebieten durchgeführt, was es ermöglichte, die geografische Verteilung der gefundenen Gräber zu erweitern und neue Daten zu den Ereignissen des Jahres 1943 zu erhalten.

Widersprüchliche Daten

Es gibt Diskrepanzen in den Zahlen zwischen der ukrainischen und der polnischen Seite: Die Ukraine berichtet von 54 exhumierten Überresten (48 + 6), während Polen die Zahl 55 nennt. Dies könnte auf Unterschiede in der Zählmethodik zurückzuführen sein oder darauf, dass einer der Leichname später gefunden wurde und nicht in den ursprünglichen Bericht der ukrainischen Seite aufgenommen wurde. Beide Seiten bestätigen, dass unter den Getöteten Kinder waren, jedoch variiert auch die genaue Anzahl – nach polnischen Daten sind es 26 Kinder, während die ukrainische Seite diese Zahl nicht separat angibt.

Umbettung und Gedenkzeremonie

Die Überreste werden auf dem Friedhof des ehemaligen Dorfes Ostrowki umgebettet werden. Laut polnischer Seite wird dies am 30. August 2026 geschehen – zum 83. Jahrestag der Ereignisse. An diesem Tag wird eine Gedenkmesse für die Getöteten stattfinden, an der Vertreter der Ukraine, Polens und internationaler Organisationen teilnehmen werden. Die Zeremonie wird ein wichtiger Akt des Gedenkens und der Versöhnung sein und die gemeinsame Arbeit beider Länder zur Bewahrung der historischen Wahrheit symbolisieren.