Frieden in Europa ist ohne Mut bei Verhandlungen und die Bereitschaft, zugunsten eines höheren Gutes von bestimmten Positionen abzurücken, unmöglich. Eine Aufrüstung bringt das Ende von Kriegen dabei nicht näher, sondern bereitet lediglich den Boden für neue Konflikte. Diese Position vertrat Papst Leo XIV. in seiner Rede vor europäischen Führungspersönlichkeiten im französischen Metz am 28. September 2026.
Die Symbolik von Metz und der Aufruf zum Kompromiss
Die Ansprache des Pontifex fand am Schlusstag seiner viertägigen Frankreichreise statt. Der Ort war bewusst gewählt: Metz ist die Heimatstadt von Robert Schuman, einem der Hauptarchitekten der Europäischen Union. Der erste amerikanische Papst in der Geschichte hielt seine Rede auf Französisch, und die anwesenden Staats- und Regierungschefs spendeten stehend Applaus. Der Pontifex verwies direkt auf die Rückkehr des Krieges nach Europa und nannte das Geschehen ein neues sinnloses Gemetzel, das täglich unzählige Zivilistenleben fordert.
Ablehnung der Militarisierung und Kritik am Wettrüsten
Obwohl der Papst den Krieg in der Ukraine nicht namentlich erwähnte, widmete er ihm einen großen Teil seiner Grundsatzrede. Er rief die Parteien zu Kompromissen auf und stützte sich dabei auf den historischen Appell von Papst Benedikt XV. aus dem Jahr 1917 inmitten des Ersten Weltkriegs. Leo XIV. kritisierte zudem scharf den Anstieg der Militärbudgets in Europa, die im vergangenen Jahr so stark wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gestiegen sind – angetrieben von externem Druck und aggressivem Verhalten Russlands.
Migrationspolitik und Krise der multilateralen Diplomatie
An der Seite des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sprach der Pontifex die Integration von Migranten an und forderte die europäischen Führungspersönlichkeiten auf, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und den Menschenhandel zu bekämpfen. Bereits zu Beginn seiner Reise hatte er vor einer tiefen Krise der internationalen Institutionen, einschließlich der UN, gewarnt. All dies geschieht vor dem Hintergrund jüngster hochrangiger diplomatischer Kontakte und der Suche nach Wegen zur energetischen Deeskalation.