In Kalifornien, wo die Bedrohung durch Waldbrände immer dringlicher wird, haben die Behörden eine unkonventionelle Lösung zur Bekämpfung brennbarer Vegetation gefunden. Anstatt schwerer Maschinen und Chemikalien kamen etwa 400 Ziegen und Schafe gegen invasive Unkräuter ins Feld. Diese Tiere haben sich der Reinigung eines ausgedehnten Gebiets von 180 Acres im Nordosten der Stadt Fresno angenommen.

Ökologischer Krieg gegen den Gelben Distel

Hauptfeind des Ökosystems in dieser Region ist die Gelbe Distel (Centaurea solstitialis) – ein aggressives invasives Unkraut aus dem Mittelmeerraum. Bereits im 19. Jahrhundert in den Staat eingeführt, hat sie Millionen von Acres Land erobert. Die Pflanze bildet dichte, stachelige Dickichte, die einheimische Gräser und Blumen verdrängen. Doch die größte Gefahr liegt nicht im Wettbewerb um Ressourcen, sondern in der Brandgefahr: Nach dem Austrocknen im heißen Sommer verwandelt sich die Distel in idealen Treibstoff, der die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Feuers beschleunigen kann.

Zudem setzt dieses Unkraut der biologischen Vielfalt zu, indem es einheimischen Vögeln, Insekten und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum entzieht.

Warum Tiere statt Maschinen?

Das von den Behörden von Fresno gemeinsam mit dem Sierra County Resource Conservation District umgesetzte Projekt basiert auf der Methode des „zielgerichteten Weidegangs“. Dies ist eine umweltfreundliche Alternative zu Bulldozern, Rasenmähern und Herbiziden. Experten verzeichnen mehrere entscheidende Vorteile der Nutzung von Vieh:

  • Erschließung schwierigen Geländes: Ziegen und Schafe können sich sicher auf steilen Hängen und felsigen Abschnitten bewegen, auf die schwere Fahrzeuge keinen Zugang haben.
  • Effektive Fütterung: Ziegen fressen gerne stachelige Sträucher und Unkräuter, die andere Tiere meiden, während Schafe das Gebiet von Gräsern und niedriger Vegetation befreien.
  • Keine Chemie und kein Treibstoff: Die Methode verzichtet auf den Einsatz von Herbiziden und Maschinen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, was den CO2-Fußabdruck verringert.

Strategie zur Vernichtung der Samen

Experten betonen, dass die Tiere mehr tun als nur das Gras zu mähen. Rebecca Ozeran, zertifizierte Weidewirtin, erklärt, dass Ziegen gerne die Samenköpfe von Unkräutern fressen. Dies ist ein kritischer Schritt im langfristigen Kampf gegen invasive Arten: Die Vernichtung der Samen begrenzt die Regenerationsfähigkeit der Pflanze und verhindert das Aufkommen der nächsten Generation von Disteln.

„Die Entfernung der Samen macht zukünftige Wiederherstellungsbemühungen viel effektiver als eine rein mechanische Rodung“, heißt es in den Projektunterlagen.

Wiederherstellung der Natur

Das achtwöchige Weideprogramm ist nur die erste Phase eines umfassenden Projekts zur Wiederherstellung der natürlichen Umwelt. Nachdem die Herde ihre Arbeit beendet hat, planen die Fachleute, auf dem geräumten Gelände einheimische Gräser, Sträucher und Bäume zu pflanzen.

Gesunde einheimische Vegetation wird ein widerstandsfähiges Ökosystem schaffen, das Dürre und zukünftigen Bränden standhalten kann, sowie die Populationen von Bestäubern und Vögeln unterstützen. Das Wiederherstellungsgebiet grenzt an den beliebten Woodward Park, was einen doppelten Nutzen bedeutet: verbesserte Sicherheit für Urlauber und die Wiederbelebung der natürlichen Landschaft für viele Jahre.