Der Start des staatlichen Systems „eAkzise', der für den 1. November 2026 geplant ist, birgt erhebliche Risiken für die ukrainische Wirtschaft. Wenn die Plattform nicht umfassend mit allen Marktteilnehmern getestet wird, könnte das Land mit einem Zusammenbruch der Lieferketten für legale Produkte und täglichen Budgetverlusten von 500 Millionen Hrywnja konfrontiert werden.

Dies erklärte der neue Geschäftsführer von JTI Ukraine, Alexander Farkosh, in einem Interview mit RBC-Ukraine. Der Experte warnte davor, dass bis zum offiziellen Start weniger als fünf Monate verbleiben, die staatliche Plattform jedoch noch immer in der Phase der aktiven Weiterentwicklung ist.

Krise der Vorbereitung im Einzelhandel

Ein zentrales Problem, so die Einschätzung des Vertreters der Tabakindustrie, ist die geringe Beteiligung der Endhändler. Laut dem Ministerium für Digitalisierung sind derzeit weniger als 1 % der Einzelhandelsbetreiber im System registriert. Alexander Farkosh betont, dass ohne die Vorbereitung des Einzelhandels die Logistik vollständig zum Erliegen kommen könnte.

„Wenn wir bereit für die Einführung der elektronischen Steuermarke sind, der Einzelhandel aber nicht, wird die Ware einfach nicht ankommen. Wenn der Staat und alle Marktteilnehmer die Systeme und Prozesse nicht koordinieren können, erwartet uns der Zusammenbruch der gesamten legalen Branche', so der Geschäftsführer.

Ein solcher Ausfall bedeutet in Geld ausgedrückt einen täglichen Verlust von 500 Millionen Hrywnja an Staatseinnahmen. Dies gefährdet nicht nur die Steuereinnahmen, sondern auch die Verfügbarkeit legaler Waren in den Regalen der Geschäfte.

Komplexer als der europäische Standard

Das ukrainische Modell von „eAkzise' basiert auf dem europäischen Track & Trace-System, das seit 2019 erfolgreich in der EU funktioniert. Allerdings weist Alexander Farkosh darauf hin, dass die ukrainische Version deutlich komplexer ist als ihr europäisches Pendant.

Im Gegensatz zur europäischen Praxis umfasst das ukrainische System:

  • zusätzlich alkoholische Produkte;
  • den gesamten Einzelhandel (Zehntausende von Verkaufsstellen);
  • die vollständige Verlagerung der Akzisezahlung auf die elektronische Marke.

Keines dieser Elemente ist im aktuellen EU-Modell vorhanden. An das System muss die gesamte Lieferkette angeschlossen werden – von den Herstellern bis zu den Endverkaufsstellen.

Milliardenschwere Kosten für Unternehmen

Die Einführung neuer Anforderungen zwingt Unternehmen, enorme Ressourcen für die Anpassung aufzuwenden. Alexander Farkosh bestätigte, dass JTI bereits jetzt zig Millionen Hrywnja in die Umstrukturierung interner Prozesse und der Produktion gemäß den neuen Kennzeichnungsstandards investiert.

Die Situation erfordert eine dringende Lösung, da der Start des Systems ohne ausreichende Vorbereitung zu einer Lähmung des „legalen' Marktes und einem erheblichen Abfluss von Mitteln in den Schattenmarkt führen könnte.