In der Nacht führten russische Streitkräfte einen erneuten Angriff auf das Heizkraftwerk (HKK) Cherson der «Naftogaz»-Gruppe durch. Auf dem Gebiet des Kraftwerks wurden laut Angaben des Unternehmens gleich vier gelenkte Luftbomben (KAB) eingesetzt. Infolgedessen seien, wie der Betreiber mitteilt, alle noch vorhandenen wärme- und stromerzeugenden Anlagen, die nach früheren Angriffen noch intakt waren, schwer beschädigt und vollständig außer Gefecht gesetzt worden.
Angriff auf das, was noch funktionierte
Das entscheidende Detail, auf das «Naftogaz» hinweist, ist die Art der Schäden. Das Kraftwerk hatte bereits bei früheren Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Region Verluste erlitten, daher war der neue KAB-Schuss faktisch auf die verbliebene Leistungskapazität gerichtet. Nach Einschätzung des Unternehmens ist auf dem Heizkraftwerk Cherson nach diesem Angriff kein einziges funktionierendes Wärme- oder Stromerzeugungsaggregat mehr vorhanden: Die Anlagen sind zerstört und vollständig außer Gefecht gesetzt. Das bedeutet, dass eine Wiederherstellung der Erzeugung vor Ort kurzfristig unmöglich ist und das Kraftwerk faktisch aus dem Energiesystem ausgeschieden ist.
«Ziel ist der Terror der Zivilbevölkerung»
Der kommissarische Vorstandsvorsitzende von «Naftogaz», Serhij Fedorenko, bezeichnete das Objekt als rein zivil: Das HKK versorgt einen erheblichen Teil der Wohnhäuser in Cherson mit Wärme. «Dieser Angriff hat keinerlei militärischen Sinn. Sein einziges Ziel ist der Terror der Zivilbevölkerung und der Versuch, Zehntausende Chersoner vor Beginn der Heizsaison um ihre Wärmeversorgung zu bringen», erklärte er. Damit interpretiert das Unternehmen den Angriff nicht als militärische Operation, sondern als gezielten Druck auf die Stadtbevölkerung vor dem Einsetzen der Kälte.
Zehntausende Einwohner ohne Wärme vor der Heizsaison
Das Heizkraftwerk Cherson ist eine der Hauptwärmequellen der Stadt. Die Außerbetriebsetzung im August, wenige Wochen vor Beginn der Heizsaison, stellt eine direkte Bedrohung für die Wärmeversorgung Zehntausender Haushalte dar. Wie ukrainische Medien unter Verweis auf Angaben von «Naftogaz» betonen, haben die gezielten Angriffe auf das Kraftwerk einen Teil Chersons faktisch um eine garantierte Heizquelle gebracht und die Last auf Reservekapazitäten und alternative Wärmeversorgungsschemata verlagert, die unter den Bedingungen anhaltender Angriffe auf die Infrastruktur an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten.
Widersprüchliche Angaben
Bei dem Abgleich der Meldungen mehrerer Medien und der Aussage des Betreibers gibt es zwei Nuancen, die zu berücksichtigen sind. Erstens wird das genaue Kalenderdatum des nächtlichen Angriffs in den verfügbaren Veröffentlichungen nicht einheitlich festgehalten — überall wird lediglich «die Nacht» genannt, ohne Bezug auf einen konkreten Tag, daher ist die Chronologie als ungefähre zu betrachten. Zweitens unterscheiden sich die Formulierungen zum Umfang der Schäden: Einige Quellen schreiben «gesamte Anlage zerstört», während in der Erklärung von «Naftogaz» von «der gesamten Anlage, die auf dem Kraftwerk verblieben war», die Rede ist. Der Unterschied ist wichtig: Das Kraftwerk war zuvor bereits beschädigt, und der neue Angriff hat die verbliebene, nicht die ursprüngliche Leistungskapazität zerstört. Beide Varianten beschreiben denselben Vorfall, jedoch mit unterschiedlichem Detailgrad.