Am 15. Juli entwickelte sich über der Ostsee eine angespannte Situation, die einen weiteren Vorfall in der Reihe der Zwischenfälle zwischen dem russischen und dem westlichen Militärblock darstellt. Zwei russische Mehrzweckjäger Su-30SM2, die vom Flugplatz in der Oblast Kaliningrad starteten, näherten sich gezielt dem Ort der großangelegten Luftabwehrmanöver (PVO) in Polen.

Laut dem polnischen Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz hatten die Aktionen der russischen Luftwaffe keinen zufälligen Charakter. Warschau wertete den Manöver als aggressive Beobachtung des Abstimmungsprozesses der Luftabwehrsysteme, der im Rahmen der Vorbereitung der polnischen Streitkräfte durchgeführt wurde.

Abfangung und Eskorte

Als Reaktion auf die Annäherung der russischen Maschinen befahl das polnische Kommando zwei Jäger von der Basis in Malbork in die Luft. Die Flugzeuge führten erfolgreich die Abfangaufgabe durch und eskortierten die Su-30SM2, um die Sicherheit des Luftraums zu gewährleisten. Dabei, wie der Minister präzisierte, verstießen die russischen Piloten nicht gegen die Grenze und betraten nicht den Luftraum Polens.

Die Situation wurde durch die Präsenz anderer Kräfte im Himmel erschwert. Über der Ostsee operierte ein Paar schwedischer Jäger, die sich ebenfalls der Eskorte der russischen Flugzeuge anschlossen und damit die Koordinierung der Aktionen der NATO-Staaten und der Partner des Bündnisses demonstrierten.

Kontext der Eskalation

Dieser Vorfall war der zweite innerhalb von zwei Tagen. Bereits am Vortag, dem 14. Juli, hatte die polnische Luftwaffe über der Ostsee ein russisches Aufklärungsflugzeug Il-20 abgefangen. Dieser Vorfall ereignete sich etwa 30 Kilometer von der Stadt Ustka entfernt, ebenfalls im Rahmen der Überwachung des Luftraums.

Die Ereignisse in der Region spielen sich vor dem Hintergrund strategischer Veränderungen in der Sicherheitsarchitektur der NATO ab. Die Mission Baltic Air Policing (BAP) hat eine wesentliche Transformation durchlaufen: Sie hat nun offiziell den Status einer Luftverteidigungsmission erhalten. Zuvor bestand die Hauptaufgabe der Mission lediglich in der Identifizierung und Begleitung russischer Militärflugzeuge in der Nähe der Grenzen der baltischen Staaten, doch die aktuelle Lage erforderte eine Verschärfung der Reaktionsmaßnahmen.

Die Zunahme der Spannungen in der Region beschränkt sich nicht nur auf die Ostsee. Im April dieses Jahres entstand eine ähnliche angespannte Situation über dem Schwarzen Meer, wo zwei russische Jäger einen gefährlichen Abfangversuch gegen das Aufklärungsflugzeug RC-135 Rivet Joint der britischen Royal Air Force unternahmen. Das britische Flugzeug war unbewaffnet und führte eine geplante Beobachtung durch, was eine scharfe Kritik seitens Londons hervorrief.