Der Halbleitermarkt befindet sich in einem Zustand der Unsicherheit, und viele Analysten sprechen bereits von einer Überhitzung des Sektors für künstliche Intelligenz. Das Top-Management führender Speicherhersteller vertritt jedoch eine diametral entgegengesetzte Meinung. Der Vorsitzende des taiwanischen Unternehmens ADATA, Chen Li-bai, erklärte, dass die Branche die tatsächliche Nachfrage nach DRAM- und NAND-Speicherchips fundamental unterschätzt.

Warum die KI-Blase eine vorzeitige Diagnose ist

Anlass für eine heftige Debatte war der jüngste Kurssturz von TSMC nach der Veröffentlichung des Gewinnberichts. Ein Teil der Experten interpretierte dieses Signal als Zeichen dafür, dass der KI-Boom zu Ende geht und der Markt übersättigt ist. Chen Li-bai weist eine solche Interpretation der Ereignisse kategorisch zurück.

Laut dem Leiter von ADATA haben die Gerüchte über eine „Blase“ im KI-Bereich zumindest bis 2030, möglicherweise sogar bis 2040–2050, keine Grundlage. Das Unternehmen verzeichnet ein stetiges Umsatzwachstum, was die Hypothese eines langfristigen Charakters des aktuellen technologischen Zyklus bestätigt.

Das Ausmaß der Nachfrage nach Rechenressourcen hat heute keine historischen Präzedenzfälle. Die Nachfrage steigt nicht nur nach den Chips selbst, sondern auch nach der damit verbundenen Infrastruktur: von Stromversorgungssystemen bis hin zu Rechenzentren.

Situation mit überkapazitäten

Chen Li-bai widmete besondere Aufmerksamkeit der Situation mit überschüssigen Rechenkapazitäten bei Technologiegiganten wie Meta und xAI. Diese Unternehmen haben begonnen, ihre Server zu vermieten, was auf den ersten Blick auf eine Überproduktion hindeuten könnte.

Der ADATA-Chef betrachtet dies jedoch nur als vorübergehendes Phänomen. In Zukunft werden KI-Anwendungen alle Wirtschaftssektoren abdecken: von B2B und B2G bis hin zu B2C und B2B2C. Die derzeitigen freien Ressourcen, die als Überschuss erscheinen, werden von neuen Anwendungen schnell nachgefragt, und das aktuelle Ungleichgewicht wird sich auflösen.

Verknappung der Ressourcen und Vorsicht der Giganten

Im Horizont des nächsten Jahrzehnts nennen Experten Strom und Speicher die zwei knappsten Ressourcen der Welt. Aus diesem Grund zögern die großen Marktteilnehmer – Samsung, SK Hynix und Micron – mit einer aggressiven Expansion.

Die Hersteller verstehen die Risiken sehr gut und verfolgen eine vorsichtige Strategie. Die meisten Projekte zum Bau neuer Werke und zur Erweiterung der Produktionslinien sind für den Zeitraum von 2028 bis 2035 geplant. Das bedeutet, dass sich die Kräfteverhältnisse auf dem Speichermarkt in den nächsten Jahren nicht wesentlich ändern werden.

Preisprognose: Preisanstieg unvermeidlich

Für Verbraucher und Unternehmen sieht die kurzfristige Perspektive nicht ermutigend aus. ADATA hatte bereits früher vor einem erheblichen Preisanstieg für Speicherkomponenten gewarnt:

  • Die Kosten für DRAM-Chips könnten bereits im dritten Quartal 2026 um etwa 30 % steigen.
  • Die Preise für NAND-Speicher könnten im selben Zeitraum um 40 % sprunghaft ansteigen.

Andere Analysten geben noch pessimistischere Prognosen ab und sprechen von einem möglichen Preisanstieg von mehr als 50 %. Eine Erleichterung auf dem Speichermarkt ist mindestens bis 2028 nicht zu erwarten, und eine Rückkehr zu den Preisen der vergangenen Jahre betrachten Experten bereits als praktisch unrealistisches Szenario.