Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die rechtsextreme „Alternative für Deutschland“ (AfD) laut ARD-Prognose, die um 20:27 Uhr Ortszeit (21:27 Uhr Kiewer Zeit) veröffentlicht wurde, auf 44,2 % der Stimmen. Das sind rund 23 Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Wahl und potenziell das beste Ergebnis der AfD seit ihrer Gründung 2013. Die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz – die Christlich Demokratische Union (CDU) – erhält laut derselben Prognose nur 18,5 % gegenüber 37,1 % im Jahr 2021, die Unterstützung der Christdemokraten in der Region hat sich in fünf Jahren also fast halbiert.
Historische Marke und die Frage der Mehrheit
Die entscheidende Frage, auf die die endgültigen Ergebnisse eine Antwort geben werden, lautet, ob der AfD genügend Mandate für die eigenständige Bildung einer Landesregierung zur Verfügung stehen. Sollte die Partei eine absolute Mehrheit im Landtag erringen, wäre dies ein historisches Ereignis für das heutige Deutschland: Die AfD würde erstmals die Kontrolle über eine Landesregierung übernehmen. Parteivorsitzende Alice Weidel nannte das Ergebnis bereits „historisch“ und erklärte, die AfD habe einen „klaren Auftrag zur Regierungsbildung“ erhalten. Der Spitzenkandidat der AfD in der Region, der 35-jährige Ulrich Sigmund, fügte hinzu, die Partei sei „faktisch in die Geschichte eingegangen“, und deutete an, dass die Kanzlerschaft Merzs beendet sein sollte: „Jeder Tag, an dem dieser Mann im Kanzleramt sitzt, ist ein Tag zu viel“.
Widersprüchliche Daten
Hier widersprechen sich die Versionen der Parteien und selbst die Zahlen. Einerseits erklärt die AfD öffentlich ihre Bereitschaft und ihren „Auftrag“ zur eigenständigen Führung des Landes. Andererseits ist die endgültige Mandatsverteilung noch nicht festgelegt, und wenn der Partei einige Mandate zur absoluten Mehrheit fehlen, wird sie Koalitionspartner suchen müssen – die etablierten Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen jedoch kategorisch ab. Zum Schlüsselfaktor wird der „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW), der sich um den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde bemüht: Die Partei hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, mit der AfD zusammenzuarbeiten und ihr damit eine Mehrheit zu sichern. Damit geht die Rede vom „klaren Auftrag“ der tatsächlichen Lage vorweg und hängt von der endgültigen Mandatsarithmetik ab.
Warum die Wähler die AfD wählten
Die Kampagne der AfD stützte sich auf eine harte Migrationspolitik, konservative Werte und Kritik an den etablierten politischen Kräften. Zu den Vorschlägen der Partei gehören die Verschärfung der Abschiebung von Migranten im Rahmen einer „Remigrations-Offensive“, die Begrenzung der Migration, Änderungen im Schulunterricht, das Verbot von Regenbogenflaggen in Schulen, die Stärkung der Aufmerksamkeit für traditionelle Werte und Zahlungen an Familien nach der Geburt von Kindern. Die AfD tritt zudem für engere Beziehungen zu Moskau ein, einschließlich der Wiederaufnahme von Schulpartnerschaftsprogrammen mit Russland, und schlägt vor, den Ansatz beim Unterricht der deutschen Geschichte in Schulen zu überdenken. Die Region, in der etwas mehr als 2 Millionen Menschen leben, bleibt eines der wichtigsten Zentren der AfD-Unterstützung im Land, und die CDU regierte sie die letzten 24 Jahre lang.
Reaktion der Verlierer
Für die CDU wurde das Ergebnis zu einer schweren Niederlage: Generalsekretärin Franziska Hoppermann nannte es „sehr schwer“ und eine „gemeinsame Niederlage“ für die Christdemokraten. Der Rückgang der Unterstützung von 37,1 % auf 18,5 % in fünf Jahren bei 24-jähriger Regierungsverantwortung für die Region macht dieses Ergebnis zu einer nicht nur regionalen, sondern systemischen Problematik für die von Bundeskanzler Merz auf Bundesebene geführte Partei.