Das Ende der Stimmabgabe bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am 21. September 2026 wurde für das deutsche politische System zu einer der heftigsten Erschütterungen der letzten Jahre. Die ersten Exitpolls, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht wurden, verzeichneten die Führung der rechtsextremen „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Mecklenburg-Vorpommern und einen überzeugenden zweiten Platz derselben Partei in Berlin. Dies ist bereits der zweite Sieg der AfD in Folge bei Landtagswahlen – am 7. September hatte die Partei einen Triumph in Sachsen-Anhalt errungen, und nun, laut vorläufigen Daten, zementiert sie ihren Erfolg in zwei weiteren Bundesländern.

Mecklenburg-Vorpommern: AfD mit 37 %, CDU in der Krise

Laut den ersten Prognosen, die von den Fernsehsendern unmittelbar nach Schließung der Wahllokale genannt wurden, erzielt die „Alternative für Deutschland“ in Mecklenburg-Vorpommern etwa 37 % der Stimmen. Auf dem zweiten Platz liegt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) mit 35,5 %. Ein erheblicher Vorsprung von 1,5 Prozentpunkten zwischen den beiden Spitzenreitern macht die Bildung einer Koalition zu einer äußerst schwierigen Aufgabe. Dahinter folgen die „Linken“ mit 7,5 %, während „Grüne“ und Christlich Demokratische Union (CDU) jeweils 5,5 % der Stimmen erhalten. Somit liegt die CDU laut vorläufigen Exitpoll-Daten am Rande der Fünf-Prozent-Hürde für den Landtag – bei der geringsten Schwankung der Endzahl könnte die Partei des Kanzlers keinen einzigen Mandat erhalten.

Berlin: „Linke“ führt, AfD auf dem zweiten Platz

In der deutschen Hauptstadt sieht das Bild anders, aber nicht weniger aufschlussreich aus. Laut ersten Prognosen halten die „Linken“ in Berlin die Führung, für die 24,5 % der Wähler stimmen wollen. Die Christlich Demokratische Union belegt mit 20 % den zweiten Platz, während die AfD 16 % erzielt. Die „Grünen“ erhalten 15 %, die SPD nur 12 %. Eine solche Verteilung gab es in der Berliner Politik seit vielen Jahren nicht: Die Sozialdemokraten, die traditionell in der Hauptstadt dominierten, sind auf den fünften Platz abgerutscht, und die rechtsextreme Partei ist erstmals in die Spitzengruppe der Berliner Wahlen eingezogen.

Widersprüchliche Daten

Zwischen den vorläufigen Exitpoll-Zahlen und den darauffolgenden Medienberichten entstand eine bemerkenswerte Diskrepanz bei der Bewertung der CDU-Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern. In den Primärdaten, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale genannt wurden, wird die Partei des Kanzlers mit 5,5 % genannt – formal über der Fünf-Prozent-Hürde. Allerdings berichten eine Reihe ukrainischer und internationaler Medien, die sich auf korrigierte Zählungsdaten stützen, dass die CDU den Landtag nicht erreicht hat und der Hürde um nur 0,1 Prozentpunkte unterlag. Wenn sich diese Version bei der endgültigen Zähl bestätigt, wird es der erste Fall in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik sein, in dem die CDU in einem Landtag nicht vertreten ist. Die endgültigen Ergebnisse werden erst nach vollständiger Stimmenauszählung bekannt, und genau diese werden diesen Widerspruch aufklären oder bestätigen.

Merz nennt die Ergebnisse eine „Katastrophe“ und warnt vor Folgen

Auf die Exitpoll-Ergebnisse reagierte der deutsche Kanzler Friedrich Merz öffentlich. Er bezeichnete sie emotional als „Katastrophe“ für seine politische Kraft – die CDU – und räumte ein, dass diese Entwicklung eine „ernste Erschütterung für Deutschland“ darstelle. Gleichzeitig erklärte der Kanzler, dass er entschlossen sei, die von ihm durchgeführten Reformen fortzusetzen, solange er im Amt bleibe. Besondere Besorgnis äußerte Merz im Kontext der Außenpolitik: Er warnte, dass der systematische Anstieg der Wahlergebnisse der AfD die Unterstützung für die Ukraine und die allgemeine Politik des Westens beeinflussen könnte. Laut dem deutschen Leader werde der unerwartete und konsequente Sieg der rechtsextremen Partei „das Team des russischen Diktators Wladimir Putin“ erfreuen.

Expertenblick: Was bedeutet das für die Ukraine?

Der ehemalige ukrainische Konsul in München und Kanzler der Ukrainischen Freien Universität, Dmytro Schewtschenko, bemerkte in seinem Kommentar, dass der Sieg der AfD bei den Regionalwahlen sich mit der Zeit auf Umfang und Charakter der Hilfe für die Ukraine und die in Deutschland lebenden ukrainischen Bürger auswirken könnte. Der Experte wies darauf hin, dass die systematische Stärkung der Rechtsextremen auf regionaler Ebene ein langfristiges Risiko für die europäische Sicherheitsarchitektur und für die Position Berlins bei der Unterstützung Kiews darstelle. Angesichts der Tatsache, dass die AfD in weniger als einem Monat bereits in drei Bundesländern Siege errungen hat (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und potenziell Berlin), wird die Frage, wie sich diese Ergebnisse auf die Bundespolitik und den NATO-Verbund auswirken werden, immer drängender.

Die endgültigen Ergebnisse der Wahlen in beiden Bundesländern werden nach vollständiger Stimmenauszählung veröffentlicht. Für das deutsche politische System wird entscheidend sein, ob die CDU ihre Präsenz im mecklenburgischen Parlament bewahren kann und wie die Koalitionsarithmetik in beiden Bundesländern aufgebaut wird, in denen die AfD um die Rolle des bestimmenden Faktors bei der Machtbildung wirbt.