Im Bereich der künstlichen Intelligenz finden weitreichende Verschiebungen statt, die das Kräfteverhältnis zwischen den technologischen Giganten verändern. Während OpenAI zuvor ausschließlich auf die Zusammenarbeit mit Microsoft setzte, tritt nun Amazon aktiv in die Szene. Laut Financial Times hat der amerikanische Einzelhändler und Cloud-Anbieter beträchtliche Mittel in den Startup investiert und ist zu einem der Schlüsselspieler in seiner Entwicklung geworden.

Hintergrund der Transaktion und Investitionsbedingungen

Die Vereinbarung zwischen den Unternehmen wurde bereits im Februar getroffen. Amazon investierte 15 Mrd. USD in OpenAI und verpflichtete sich, den Investitionsbetrag auf 50 Mrd. USD zu erhöhen, sobald bestimmte Zielvorgaben erreicht werden. Zu diesen Zielen gehören Durchbrüche bei der Entwicklung von KI-Systemen und der Börsengang (IPO) von OpenAI. Obwohl ein Börsengang geplant ist, rechnen Experten nicht früher als 2027 damit. Dennoch hat OpenAI seitdem sichtbare Fortschritte bei der Entwicklung ihrer KI-Modelle erzielt.

Nach den letzten Tranchen hält Amazon nun etwa 5 % des Kapitals von OpenAI. Die letzte Investitionstranche im Rahmen des vereinbarten Betrags wurde vom Startup in der vergangenen Woche erhalten. Dies wurde möglich, nachdem OpenAI im April das Recht erhalten hatte, Kapazitäten anderer Cloud-Anbieter zu nutzen, ohne Microsoft Priorität einzuräumen. Ursprünglich war Microsoft bereit, die Vereinbarung gerichtlich anzufechten, doch wurden die Vertragsbedingungen unter Berücksichtigung ihrer Wünsche überarbeitet.

Strategische Partnerschaft und Chip-Lieferungen

Die Zusammenarbeit geht über reine finanzielle Unterstützung hinaus. Die Unternehmen sind durch mehrere große Vereinbarungen verbunden, die sich auf die Lieferung von Halbleiterkomponenten und die Miete von Rechenkapazitäten beziehen. Im Gegenzug steht OpenAI bereit, Amazon ihre KI-Modelle bereitzustellen. Diese Verstärkung wird es dem Startup ermöglichen, modernere und leistungsfähigere Modelle zu trainieren.

Wichtig ist, dass Amazon sich nicht auf die Unterstützung nur eines Akteurs beschränkt. Das Unternehmen arbeitet auch mit dem konkurrierenden Startup Anthropic zusammen, das von ehemaligen Mitarbeitern von OpenAI gegründet wurde. AWS ist bereit, beide Startups mit eigenen Trainium-Chips zu versorgen. Darüber hinaus ist AWS daran interessiert, dass beide Startups ihre KI-Modelle ihren Cloud-Kunden anbieten.

Investitionen in Anthropic und die Rolle von Jeff Bezos

Parallel zur Kapitalzufuhr in OpenAI investiert Amazon aktiv in Anthropic. In das Kapital dieses Startups hat das von Jeff Bezos gegründete Unternehmen bereits 18 Mrd. USD investiert, doch die angesammelte Summe könnte auf 33 Mrd. USD erhöht werden. Diese Strategie ermöglicht es Amazon, Risiken zu diversifizieren und seine Cloud-Dienste mit fortschrittlichen Technologien verschiedener Entwickler zu versorgen.