Auf Reddit hat ein Nutzer namens danthebigboss eine Geschichte veröffentlicht, die sich schnell in Fachmedien wie VideoCardz und iXBT verbreitete. Der Käufer bestellte einen AMD Ryzen 9 9950X3D Prozessor bei Amazon und erhielt ihn in einer versiegelten Einzelhandelsverpackung. Nach dem Auspacken stellte sich jedoch heraus, dass er kein gewöhnliches Flaggschiff-Chip in den Händen hielt, sondern eine sogenannte „Ryzen 9 9950X3D Dual Edition“ — ein Gerät, das sich nicht wie vorgesehen verwenden lässt. Der Fall wurde zu einem weiteren Beispiel dafür, wie gefälschte oder scherzhafte CPUs auf großen Marktplätzen auftauchen.

Was der Käufer zeigte: Ein „doppelter“ Prozessor

Den veröffentlichten Fotos zufolge handelt es sich bei der Oberseite des erhaltenen Prozessors um einen vertrauten Heatspreader (IHS) mit der Aufschrift AMD Ryzen 9 9950X3D Dual Edition. Auf dem Deckel sind charakteristische AMD RYZEN-Schriftzüge, ein QR-Code sowie serielle Kennzeichnungen wie OPN 100-000001978, der Code CF 2601PGY und der Vermerk „MADE IN MALAYSIA, © 2024 AMD“ zu sehen. Äußerlich sehen Verpackung und IHS wie ein reguläres Handelsprodukt aus, wodurch der Betrug erst bei der Begutachtung der Rückseite auffällt.

AMD oben, Intel unten

Der Verdacht auf Betrug kam sofort auf, als der Käufer den Chip umdrehte: Anstelle einer AMD Socket AM5-Kontaktfläche befand sich auf dem Substrat ein Intel LGA1151-Pin-Grid-Array. Die Bilder zeigen deutlich, dass der untere Teil des „Prozessors“ im Wesentlichen ein Intel-Substrat mit einer charakteristischen zentralen Die-Fläche und einem LGA1151-Kontaktgitter ist und keine AM5-Kontaktfläche. Somit entstand ein „Hybrid“: oben ein AMD Ryzen 9 9950X3D-Deckel, unten ein Intel-Substrat. Die Verwendung einer solchen „CPU“ ist in keinem Mainboard möglich, da weder Sockel noch Elektrik zu einem echten Produkt passen.

Kontext: Welle von CPU-Fälschungen auf Amazon

Die Geschichte um die „Dual Edition“ ist kein Einzelfall. Zuvor hatten Fachmedien und der Kanal GamersNexus einen gefälschten AMD Ryzen 7 9800X3D untersucht, der von einem Amazon-Käufer stammte: Nach dem Erhitzen und Entfernen des IHS stellte sich heraus, dass das Substrat überhaupt keine Chiplets, Speicherblöcke oder Ein-/Ausgänge enthielt und Anzahl sowie Ausrichtung der Kondensatoren, Schriftart und Aufschriften auf der Oberseite nicht mit dem Original übereinstimmten. Dies zeigt einen anhaltenden Trend — auf Marktplätzen tauchen sowohl komplett fingierte Mikrochips als auch „gemischte“ Konstruktionen auf, bei denen ein echter Deckel mit einem fremden oder leeren Substrat kombiniert wird.

Was zu Rückgabe bekannt ist und wie man sich schützt

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung liegen keine Informationen darüber vor, ob es dem Käufer gelungen ist, sein Geld zurückzubekommen oder einen Ersatz zu erhalten. Amazon hat sich zu dem Vorfall bisher nicht öffentlich geäußert, und AMD hat in den vorliegenden Materialien keine Erklärung abgegeben. Experten empfehlen, Prozessoren nur über offizielle Kanäle und autorisierte Händler zu erwerben, die Unversehrtheit der Verpackung zu überprüfen und bei jeglichen Zweifeln IHS-Markierungen, OPN-Codes und den Kontakttyp mit den Originalproduktspezifikationen zu vergleichen. Bis zu offiziellen Stellungnahmen der Parteien bleibt der Fall eine dokumentierte Beschwerde eines einzelnen Käufers mit Fotos, jedoch ohne unabhängige Expertise.