Am Abend des 28. August trafen russische Kampfdrohnen Lager im Dorf Mela des Butschansker Rajons der Oblast Kiew. Der nach dem Einschlag ausgebrochene Brand ging mit einer Serie von Explosionen und einer anschließenden Detonation der gelagerten Munition einher. Bis zum Morgen des 30. August stieg die Zahl der Todesopfer des Anschlags und der Detonation laut Angaben, die Wolodymyr Selenskyj in seinem Telegram-Kanal veröffentlichte und die von RBC-Ukraine weitergegeben wurden, auf 38 Menschen. Weitere vier Personen gelten als vermisst, die Suche nach ihnen dauert an.
Opfer und Folgen für die Bevölkerung
Laut dem ukrainischen Präsidenten wurden bei dem Vorfall 20 Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Unter den Toten befindet sich der Chef der Hromada Dmytriwka, Taras Didytsch. In der Einschlagszone wurden Wohnhäuser und ein Sanatorium beschädigt, im Bereich des Dorfs läuft eine großangelegte Evakuierung der Bevölkerung. Wegen des massiven Brandes wurde der Verkehr aller Art auf dem Abschnitt der Fernstraße M-06 „Kiew – Tschop“ zwischen dem 15. und dem 32. Kilometer zeitweise gesperrt.
Einsatz von Rettungskräften und Pyrotechnikern
Selenskyj teilte mit, dass die Rettungskräfte die meisten Brände im Dorf Mela löschen konnten, die Arbeiten zur Beseitigung der Folgen jedoch ununterbrochen fortgesetzt werden. Vor Ort sind rund um die Uhr pyrotechnische Einheiten des Ministeriums für Notlagen im Einsatz, die sprengstoffverdächtige Gegenstände aufspüren und entschärfen. Der Staatschef betonte, dass „die Kontamination des Gebiets erheblich“ sei und diese Arbeit „so lange“ durchgeführt werde, „wie nötig“. Laut verfügbaren Angaben wurden zur Beseitigung der Folgen Kräfte aus vier Regionen herangezogen.
Ermittlungen der SBU und rechtlicher Kontext
Der Sicherheitsdienst der Ukraine hat ein Strafverfahren aus zwei Gründen eingeleitet: wegen des russischen Anschlags auf Objekte im Dorf Mela und wegen der wiederholten (sekundären) Detonation. Die Ermittlungen werden, wie angegeben, wegen Dienstnegligenz geführt. Die materiellen Beweise wurden bereits an die entsprechenden Gutachtenstellen übergeben. Damit kombiniert die offizielle Qualifizierung des Vorfalls sowohl den äußeren militärischen Kontext als auch den inneren – die Frage der Verantwortung für die Lagerbedingungen und die Umstände der Sekundärexplosion.
Widersprüchliche Angaben
In den verfügbaren Quellen gibt es mehrere Punkte, an denen Versionen und Formulierungen auseinandergehen. Erstens wird die Art der Detonation unterschiedlich beschrieben: In einer Reihe von Meldungen ist von einer einheitlichen „anschließenden Detonation“ nach dem Anschlag die Rede, während die SBU und ein Teil der Medien (darunter Gazeta.ua) von einer „wiederholten“ oder „zweiten“ Detonation der Munition sprechen – also von einer zusätzlichen Explosion, die von der ursprünglichen abweicht. Zweitens wird der Vorfall gleichzeitig in zwei rechtlichen Ebenen dargestellt: als „russisches Verbrechen“ und militärischer Anschlag (Position Selenskyjs) und als Fall der „Dienstnegligenz“ (Position der SBU), was einen Teil des Schwerpunkts faktisch auf die innere Verantwortung für die Lagerung verlagert. Drittens basiert die vom Präsidenten genannte wöchentliche Statistik zu den Waffen auf offiziellen Erklärungen und ist durch unabhängige Faktenchecks nicht bestätigt. Diese Widersprüche ändern nichts am Grundfakt der 38 Todesopfer, erfordern aber eine vorsichtige Interpretation der Details.
Größerer Kontext: wöchentliche Statistik der Angriffe
Bei der Kommentierung des Vorfalls in Mela führte Selenskyj wöchentliche Daten an: In dieser Woche habe Russland, so seine Angaben, fast 2 000 Kampfdrohnen, mehr als 1 600 Fliegerbomben und 31 Raketen verschiedener Typen, darunter eine nordkoreanische Ballistikrakete, gegen die Ukraine eingesetzt. Er betonte, dass die Angriffe auf die grenznahen und frontnahen Hromadas – Nikopol, Kramatorsk, Cherson, die Hromadas der Oblaste Charkiw, Saporischschja, Dnipropetrowsk, Donezbas und Sumy – faktisch rund um die Uhr stattfinden. „Auf jeden russischen Anschlag und jedes Verbrechen suchen wir gerechte Antworten. Sie werden unbedingt kommen“, erklärte der Präsident.