Das Unternehmen Anthropic hat ein umfassendes Update des Speichersystems seines KI-Assistenten Claude vorgestellt, das den Kontext zwischen normalen Chats und dem Arbeitswerkzeug Claude Cowork in einer einheitlichen, zusammenhängenden Struktur vereint. Vor diesem Update mussten sich Nutzer regelmäßig damit abfinden, dass sie nach einer detaillierten Diskussion eines Projekts im Chat alle wesentlichen Details – von Fristen und Beteiligten bis hin zu technischen Anforderungen – erneut erklären mussten, damit Cowork eine konkrete Aufgabe korrekt ausführen konnte. Nun funktioniert Claude als einheitlicher Assistent, der «merkt sich» alles, was in einer beliebigen Sitzung besprochen wurde, und wendet dieses Wissen sofort an, wenn es an die praktische Arbeit geht.

Einheitliches Gedächtnis statt fragmentarischen Kontexts

Die praktische Wirkung des Updates lässt sich an einem einfachen Beispiel veranschaulichen: Wenn ein Nutzer während eines Dialogs mit Claude Details zu einer bevorstehenden Konferenz besprach – Teilnehmerzahl, Austragungsort, Liste der Referenten –, berücksichtigt die KI beim anschließenden Erstellen einer Tagesordnung oder eines Abschlussberichts in Cowork automatisch all diese Daten, ohne zusätzliche Hinweise oder wiederholte Anfragen. Dies beseitigt einen der größten Ärgernisse bei der Arbeit mit KI-Assistenten: die Notwendigkeit, dem Modell ständig die zuvor vereinbarten Projektparameter «in Erinnerung zu rufen».

Echtzeit-Update des Gedächtnisses

Die entscheidende technische Änderung besteht darin, dass Claude nicht mehr auf das Ende des Gesprächs wartet, um Zusammenfassungen zu ziehen und Informationen im Speicher zu sichern. Neue Themen, Fakten und Entscheidungen werden unmittelbar während des Gesprächs festgehalten, was den Übergang zwischen Chat und Cowork nahezu augenblicklich macht. Der Nutzer muss das Modell nicht ausdrücklich bitten, einen bestimmten Parameter «zu merken» – das System erledigt dies automatisch und kontinuierlich und aktualisiert den Kontext im Verlauf des Dialogs.

Vollständige Kontrolle des Nutzers über gespeicherte Daten

Die Entwickler haben den Nutzern außerdem direkten Zugriff auf die gespeicherten Speicheraufstellungen eröffnet. Zu jedem Zeitpunkt kann man einsehen, bearbeiten oder vollständig löschen, wie eine beliebige Thema erwähnt wird, die Claude festgehalten hat. Dies löst das Problem der «Blackbox», bei der der Nutzer nicht verstand, welche Daten genau das Modell gespeichert hatte und wie sie sich auf nachfolgende Antworten auswirken. Die Transparenz des Gedächtnisses ist nun Teil der Benutzeroberfläche.

Grenzen der Privatsphäre: Was Claude niemals speichern wird

Standardmäßig speichert Claude keine persönlichen oder sensiblen Informationen: Daten zum Gesundheitszustand, zur ethnischen oder rassenmäßigen Zugehörigkeit, zu religiösen Überzeugungen, politischen Ansichten und zur Geschlechtsidentität. Nutzer, die bewusst möchten, dass solche Themen im Kontext berücksichtigt werden, können den entsprechenden Schalter «sensible Themen im Gedächtnis einbeziehen» in den Einstellungen aktivieren. In diesem Fall sendet die App jedes Mal eine Benachrichtigung, wenn ein sensibles Thema im Gedächtnis festgehalten wird. Gleichzeitig hat Anthropic ein absolutes Verbot der Speicherung offizieller Dokumente – Passdaten, Sozialversicherungsnummern – sowie von Informationen über Vorstrafen und Aufenthaltsstatus festgelegt. Diese Datenkategorien werden unter keinen Umständen und unabhängig von den Einstellungen des Nutzers gespeichert.

Verfügbarkeit und Plattformen

Die aktualisierte Speicherfunktion ist standardmäßig für Nutzer der Tarife Free, Pro und Max aktiviert. Sie ist in der Webversion, in der Desktop-App sowie auf mobilen Geräten mit iOS und Android verfügbar. Für die Nutzung auf mobilen Plattformen ist ein Update der App auf die neueste Version erforderlich. Damit hat Anthropic das einheitliche Gedächtnis für das gesamte Publikum zugänglich gemacht, einschließlich der kostenlosen Nutzer, was die strategische Bedeutung dieser Funktion für die Wettbewerbsfähigkeit von Claude auf dem Markt der KI-Assistenten unterstreicht.