Die Prufung endgultiger Antidumpingmassnahmen gegen die Einfuhr von geschweissten Stahlrohren aus der Tuerkei wurde erneut verschoben — diesmal um weitere zwei Wochen. Dies teilte der Prasident des Verbands „Ukrmetallurgprom“, Olexandr Kalenkow, in einer Kolumne fur „Interfax-Ukraine“ mit, auf die sich RBC-Ukraine beruft. Seiner Aussage nach ist seit der Einreichung des Antrags durch ukrainische Rohrhersteller auf Schutz vor Dumpingimporten bereits uber ein Jahr vergangen, wobei fruhere Antidumpingmassnahmen trotz entsprechender Appelle der Wirtschaft ebenfalls nicht eingefuhrt wurden. „Offen gestanden ist ein solches Zaudern schwer nachzuvollziehen“, konstatierte Kalenkow.
Chronologie des Zauderns und Einschatzung des Branchendamages
Angaben des Prasidenten von „Ukrmetallurgprom“ zufolge erleiden rund acht ukrainische Rohrbetriebe vor dem Hintergrund steigender turkischer Importe weiterhin Verluste. Das Volumen der Rohrlieferungen aus der Tuerkei hat sich seiner Einschatzung nach im Vergleich zu 2021 verdreifacht. Kalenkow behauptet, dass turkische Produkte die ukrainischen dank Dumpingpreisen verdrangen, die unter den Herstellungskosten in der Ukraine liegen konnen. Jeder Monat der Verzogerung erhoht seiner Einschatzung nach den Druck auf die einheimischen Hersteller: Betriebe verlieren Auftrage, drosseln Produktionsvolumina und verfugen uber immer weniger Ressourcen zur Erholung. Zuvor wurde berichtet, dass das Gesamtvolumen der turkischen Importe aus russischen Rohstoffen bereits mit der Jahresproduktion eines mittleren ukrainischen Rohrbetriebs vergleichbar ist.
Gefahr russischer Rohstoffe in Rustungsprojekten
Als separates Risiko nannte Kalenkow das erhebliche Potenzial der Tuerkei fur einen weiteren Ausbau der Lieferungen in die Ukraine. Die freien Produktionskapazitaten turkischer Betriebe ubertreffen das ukrainische Verbrauchsvolumen um das Mehrfache, wahrend auf den wichtigsten Exportmaerkten — in den USA, der EU und Grossbritannien — Handelsbeschrankungen gegen turkische Produkte gelten. Grosse Besorgnis erregt bei den Branchenvertretern die Verwendung russischer metallurgischer Rohstoffe durch einige turkische Hersteller. „Es ist schrecklich vorzustellen, dass in Rohrprodukten, die fur den Bau von Antidronenkorridoren und anderen Schutzobjekten in der Ukraine verwendet werden, mangels Handelsmassnahmen russischer Stahl verwendet werden konnte“, erklarte Kalenkow.
Kritik am Wirtschaftsministerium
Der Prasident von „Ukrmetallurgprom“ kritisierte zudem die Arbeit des Wirtschafts- und Umweltministeriums sowie dessen Leiter Olexandr Krawtschenko. Seiner Ansicht nach hat sich die Behorde faktisch aus der Entscheidungsfindung zuruckgezogen, die zum Schutz der ukrainischen Industrie notwendig ist. „Die ukrainische Industrie erwartet keine neuen Verschiebungen und an den Haaren herbeigezogenen Ablehnungsgründe, sondern verantwortungsvolle und rechtzeitige Handlungen zum Schutz der eigenen Wirtschaft“, betonte er. Kalenkow warnte, dass weiteres Zaudern weitreichendere Folgen fur die gesamte Branche haben konnte.
Drohende Stilllegung von Kapazitaten und Arbeitsplatzeinbusse
Nach Einschatzung Kalenkows besteht bei Beibehaltung des aktuellen Kurses das Risiko, dass in naher Zukunft nicht nur AMKR (Antonow-Huttenwerk), sondern Dutzende andere ukrainische Hersteller ihre Kapazitaten konservieren werden. Dies bedeute den Verlust von Zehntausenden Arbeitsplatzen, Steuereinnahmen und Deviseneinnahmen fur den Staat. Somit geht die Frage des Antidungingschutzes der Rohrindustrie uber die Interessen eines bestimmten Sektors hinaus und betrifft die makrookonomische Stabilitat und Beschaftigung im metallurgischen Cluster der Ukraine.