Bei der September-Präsentation stellte Apple zwei neue Generationen von Smartwatches vor – die Apple Watch Series 12 und das Flaggschiff Apple Watch Ultra 4. Beide Modelle basieren auf dem neuen Prozessor S11, den das Unternehmen als Grundlage für hardware-isolierte Audioverarbeitung und erweiterte Gesundheitsanalyse positioniert. Die wichtigste Neuerung der Linie ist das System Audio Intelligence, das das eingebaute Mikrofon zu einem permanenten Sensor der akustischen Umgebung macht und nicht nur zu einem Werkzeug für Anrufe und Sprachbefehle.
Sound als neuer Sensor: Audio Intelligence
Das System Audio Intelligence analysiert kontinuierlich die Umgebung des Nutzers und realisiert mehrere Szenarien. Die Funktion Live Rewind wird durch einen Doppelklick auf die Digital Crown aktiviert und zeigt eine Texttranskription der letzten 15 Sekunden eines Gesprächs an; der Vorgang wird von einem akustischen Signal, einer Mikrofonanzeige und einer Animation auf dem Bildschirm begleitet. Siri Recap erstellt eine kurze Textzusammenfassung des Gesprächs und speichert sie in der Siri-App, wird jedoch nur manuell aktiviert. Separat funktioniert die Erkennung charakteristischer Geräusche – Schreie eines Kindes, Türklingel, Sirene oder Alarm – auch ohne Verbindung zum iPhone, und der im Hintergrund laufende Shazam erkennt automatisch die umgebende Musik und zeigt Titel und Interpret in einem Widget an.
Datenschutz: Secure Exclave und keine Audiodateien
Apple betont, dass Audio Intelligence keine Audiodateien erstellt oder speichert. Die Audioverarbeitung erfolgt in der hardware-isolierten Zone Secure Exclave innerhalb des Chips S11, nach der die Eingabedaten sofort gelöscht werden. Das System identifiziert Sprecher nicht anhand ihrer Namen, und Siri Recap blockiert automatisch die Erfassung sensibler Informationen – finanzieller Daten und persönlicher Nummern. Das Unternehmen präzisiert jedoch, dass die Funktionen von Audio Intelligence Ende 2026 erscheinen, ein iPhone 16 oder ein neueres Modell mit aktivierter Apple Intelligence erfordern und in den Ländern der Europäischen Union nicht verfügbar sein werden.
Gesundheit: Sensoren und Readiness-Bewertung
Beide Uhren erhielten eine aktualisierte Sensorplattform: eine vergrößerte Elektrode für das EKG, größere Fotodioden des PPG-Sensors und energieeffiziente LED-Emitter. Auf Basis der Analyse von Aktivität, Ruhepuls und Schlafqualität erstellen die Uhren eine tägliche Readiness-Bewertung – die Bereitschaft des Körpers auf einer Skala von 0 bis 10 – mit Empfehlungen zur Intensität der Belastung. Auf den Bildschirmen der Geräte, wie in den Demonstrationsaufnahmen zu sehen, werden Erholungsmetriken angezeigt, einschließlich Recovery HRV.
Materialien und Akkulaufzeit: Series 12 gegen Ultra 4
Die Apple Watch Series 12 ist für den täglichen Gebrauch konzipiert und erhielt laut Unternehmensangabe die Rückkehr hochwertiger Gehäusematerialien. Das Flaggschiff Ultra 4 ist auf extreme Bedingungen, lange Trainings und autonomen Betrieb ausgelegt: bis zu 84 Stunden im Energiesparmodus, bis zu 50 Stunden im normalen Modus und bis zu 25 Stunden im Extended-Workout-Modus. Zu den Besonderheiten der Ultra 4 gehören die Unterstützung eines neuen VO2-Max-Tests, KI-Gesundheitsanalyse in der Health-App mit einem Insights-Tab, ein Titan-Gehäuse in natürlicher und schwarzer Ausführung sowie eine Hermès-Version mit Titan-Armband Grand H und einem Verstellmechanismus über dem Neoprenanzug.
Widersprüchliche Angaben
Im einleitenden Teil der Ankündigung werden beide Geräte als mit „keramischen Gehäusen' ausgestattet beschrieben, während in der detaillierten Spezifikation die Keramik mit der Rückkehr hochwertiger Materialien gerade bei der Series 12 in Verbindung gebracht wird, während die Ultra 4 über ein Titan-Gehäuse verfügt. Somit wirkt die Formulierung von „keramischen Gehäusen' für die gesamte Linie verallgemeinernd: Die Keramik bezieht sich auf die Series 12, während das Flaggschiff Ultra 4 Titan verwendet. Zudem ist zu beachten, dass die angekündigten Funktionen von Audio Intelligence zum Zeitpunkt der Präsentation noch nicht für Nutzer verfügbar sind und erst Ende 2026 erscheinen werden, was eine Lücke zwischen den angekündigten und den tatsächlich funktionierenden Funktionen erzeugt.