Im August 2026 wurde im öffentlichen Bewusstsein der Ukraine eine signifikante Verschiebung in der Hierarchie des Vertrauens zu öffentlichen Personen festgestellt. Laut den neuesten Daten des Kiewer Instituts für internationale Soziologie (KIIS) wenden sich die Bürger zunehmend Fachleuten aus dem Verteidigungsbereich zu und bevorzugen sie gegenüber traditionellen Politikern. Eine Umfrage, die unter den Bedingungen eines anhaltenden Konflikts durchgeführt wurde, ergab, dass Militärs und Vertreter der Sicherheitskräfte die führenden Positionen in den Autoritätsrankings einnehmen, während die politischen Eliten niedrigere Unterstützungswerte aufweisen.
Spitzenreiter der Rangliste: Zaluzhny, Fedorov und Budanow
Absoluter Spitzenreiter in der Vertrauensliste wurde der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine und derzeitige Botschafter im Vereinigten Königreich, Valeriy Zaluzhny. Ihm vertrauen 66 % der Befragten, was das Misstrauensniveau (24 %) um 42 Prozentpunkte übersteigt. Zaluzhny behauptet seinen Status als die einflussreichste Figur, die den militärischen Widerstand und diplomatische Standhaftigkeit symbolisiert. Auf dem zweiten Platz befindet sich der ehemalige Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov mit einem Vertrauenswert von 63 %. Bemerkenswert ist, dass bei Fedorov das beste Gleichgewicht zwischen Vertrauen und Misstrauen zu verzeichnen ist – plus 47 Prozentpunkte (16 % vertrauen nicht). Soziologen verzeichnen einen erheblichen Anstieg seiner Popularität im Vergleich zu den Werten vom Mai, was auf seine aktive Haltung und seine Rolle bei der Reform des Sicherheitssektors zurückgeführt wird.
Den dritten Platz in der Spitzengruppe belegt der Leiter des Militärischen Nachrichtendienstes (HUR) Kyrylo Budanow. Ihm vertrauen 61 % der Befragten, während 22 % Misstrauen äußerten. Die hohen Positionen Budanows bestätigen die These, dass Ukrainer in Kriegszeiten die Effektivität und Entschlossenheit der Sicherheitskräfte höher schätzen als politische Versprechungen. Im Gegensatz zu ihnen belegt Präsident Wolodymyr Selenskyj den vierten Platz mit einem Vertrauenswert von 56 % bei einem Misstrauensniveau von 38 %. Das Vertrauensgleichgewicht des Staatsoberhaupts beträgt plus 18 Punkte, was auf eine stabile, aber nicht absolute Unterstützung seiner Kurslinie hindeutet.
Politische Spaltung und niedrige Ratings
Im unteren Teil der Rangliste befinden sich Figuren, die mit der traditionellen Parteipolitik assoziiert werden. In die Gruppe mit negativem Vertrauenssaldo gerieten der Freiwillige Serhiy Prytula, der Sprecher der Werchowna Rada Dmytro Razumkov, der Abgeordnete Oleksiy Honcharenko und der fünfte Präsident der Ukraine Petro Poroschenko. Das niedrigste Rating genießt Petro Poroschenko: Ihm vertrauen nur 20 % der Ukrainer, während 76 % ihm nicht vertrauen. Sein Vertrauenssaldo beträgt minus 56 Punkte, was der niedrigste Wert unter allen befragten öffentlichen Personen ist. Dies zeugt von einer tiefen Spaltung in der Gesellschaft und einem Mangel an Vertrauen in politische Figuren der Vergangenheit, die mit der Vorkriegszeit in Verbindung gebracht werden.
Auch im Rahmen der Umfrage wurden der Bürgermeister von Charkiw Ihor Terekhov (47 % vertrauen) und der Kommandeur des Dritten Armeekorps Andriy Biletsky (37 % vertrauen) befragt. Im Fall von Biletsky gab jedoch ein erheblicher Teil der Befragten (40 %) an, diese Person nicht zu kennen, was auf eine unzureichende mediale Aktivität einiger militärischer Führer im Vergleich zu den Top-Managern des Verteidigungsbereichs hindeutet.
Frage der territorialen Integrität: Haltung der Gesellschaft
Neben den Personen-Ratings haben Soziologen eine harte Haltung der ukrainischen Gesellschaft zur Frage territorialer Zugeständnisse festgestellt. Sechs von zehn Befragten (60 %) halten die Übertragung des gesamten Donezbeckens unter die Kontrolle Russlands im Austausch gegen Sicherheitsgarantien für absolut inakzeptabel. Der Anteil derjenigen, die zu einem solchen Schritt bereit wären, beträgt 33 %, was im Vergleich zu April 2026 eine Abnahme zeigt. Dies deutet darauf hin, dass trotz der Kriegsmüdigkeit die Forderung nach vollständiger territorialer Integrität weiterhin dominiert.
Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Soziologen den Bewohnern Kiews. Selbst nach massiven Raketenangriffen sank die Bereitschaft der Hauptstadt zu territorialen Zugeständnissen von 34 % auf 26 %. Gleichzeitig stieg der Anteil der kategorischen Gegner von Zugeständnissen in der Hauptstadt von 62 % auf 69 %. Dies zeigt, dass die unmittelbare Bedrohung der Sicherheit die patriotischen Stimmungen nicht schwächt, sondern im Gegenteil die Gesellschaft um die Idee des Grenzschutzes konsolidiert.
Widersprüchliche Daten
Bei der Analyse der Daten sind die Unterschiede in der Methodik und Interpretation zu berücksichtigen, die beim Vergleich verschiedener Quellen auftreten. Während das KIIS die Stabilität des Ratings von Selenskyj (56 %) feststellt, weisen eine Reihe anderer Analysezentren und unabhängiger Beobachter darauf hin, dass die tatsächliche Unterstützung des Präsidenten vor dem Hintergrund von Proteststimmungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten niedriger sein könnte. Beispielsweise stellen einige Quellen (ID 2, ID 3) fest, dass das Vertrauen in Selenskyj „praktisch unverändert blieb“, betonen jedoch die wachsende Kluft zwischen den Erwartungen der Gesellschaft und den Handlungen der Regierung. Darüber hinaus gibt es Diskrepanzen bei den Veröffentlichungsdaten: Einige Daten beziehen sich auf Mai 2026, andere auf August, was bei der Vergleichung der Dynamik Vorsicht gebietet.