Realistischer Pessimismus: Ukrainer erwarten kein Kriegsende im Jahr 2026
Im August 2026 zeigt die ukrainische Gesellschaft einen hohen Grad an strategischem Pessimismus hinsichtlich der Dauer des Konflikts. Laut den neuesten Daten des Kyjiwer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS), veröffentlicht von RBC-Ukraine, geht nur jeder fünfte Bürger des Landes (22%) davon aus, dass die Kampfhandlungen noch vor Ende des laufenden Jahres enden könnten. Dies deutet darauf hin, dass die Bevölkerung sich längst von Szenarien eines „schnellen Friedens“ verabschiedet hat und sich auf eine langanhaltende Phase des Widerstands eingestellt hat.
Die Mehrheit der Befragten (39%) erwartet, dass der Krieg mindestens bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2027 oder sogar länger andauern wird. Weitere 13% der Bürger sehen die erste Hälfte des nächsten Jahres als wahrscheinlichen Zeitpunkt für das Ende der Kampfhandlungen. Ein erheblicher Teil der Gesellschaft (26%) konnte keine eindeutige Prognose abgeben, was auf die anhaltende Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung hinweist.
Machtverhältnis: Ukrainer erkennen keinen Vorteil Russlands an
Trotz der pessimistischen Prognosen hinsichtlich der Dauer behalten die Ukrainer das Vertrauen, dass Russland keinen entscheidenden Vorteil auf dem Schlachtfeld hat. Die Umfrage ergab, dass nur 7% der Befragten der Meinung sind, dass sich die Situation zu Gunsten der Russischen Föderation entwickelt. Im Gegensatz dazu sind 39% der Bürger überzeugt, dass der Vorteil derzeit auf der Seite der Ukraine liegt. Dies ist ein wichtiger Indikator für die Moral: Auch wenn ein langwieriger Konflikt erwartet wird, neigt die Gesellschaft nicht zu kapitulierenden Stimmungen und erkennt die militärische Stärke des Gegners nicht als unüberwindbar an.
Ein erheblicher Anteil der Befragten (32%) sieht die Situation als ein Gleichgewicht, bei dem keine der beiden Seiten eine deutliche Überlegenheit hat. Dies bestätigt die These, dass der Konflikt in eine Phase des Stellungskriegs eingetreten ist, in der das Ergebnis von Faktoren abhängt, die für die Zivilbevölkerung nicht immer offensichtlich sind.
Vertrauensführer: Das Militär steht über der Politik
Unter den Bedingungen eines langwierigen Konflikts hat sich die Hierarchie des Vertrauens in öffentliche Persönlichkeiten in der Ukraine erheblich verändert. An der Spitze des Rankings stehen Vertreter des militärischen und verteidigungspolitischen Bereichs, deren Kompetenz und Entschlossenheit von der Gesellschaft höher eingeschätzt werden als die der Politiker. Valerij Zaluschnyj genießt das Vertrauen von 66% der Ukrainer, Mychailo Fedorow von 63% und Kyrylo Budanow von 61%. Präsident Wolodymyr Selenskyj belegt mit einem Vertrauenswert von 56% den vierten Platz.
Diese Verteilung spiegelt den Wunsch der Gesellschaft nach Professionalität und Effizienz in Sicherheitsfragen wider. In einer Situation, in der der Krieg zur Alltagssituation geworden ist, vertrauen die Bürger denen, die direkt für die Landesverteidigung und die Ergebnisse an der Front verantwortlich sind.
Rote Linien: Ablehnung der Abtretung des Donbass
Die Frage territorialer Zugeständnisse bleibt eines der schmerzhaftesten Themen für die ukrainische Gesellschaft. Laut vorläufigen Umfragedaten halten sechs von zehn Ukrainern (60%) die Abtretung des gesamten Donbass an die Kontrolle Russlands für absolut inakzeptabel, selbst im Austausch gegen Sicherheitsgarantien. Dies zeigt, dass die territoriale Integrität für die Mehrheit der Bürger weiterhin eine Priorität ist.
Nur 33% der Befragten sind zu einem solchen Schritt bereit. Bemerkenswert ist, dass sich im Vergleich zum April des laufenden Jahres der Anteil derjenigen, die ein solches Szenario zulassen, verringert hat. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Gesellschaft weniger zu Kompromissen neigt, die als Beeinträchtigung der nationalen Interessen wahrgenommen werden.