Das australische Parlament hat am Donnerstag das Gesetz News Bargaining Incentive verabschiedet, das einen obligatorischen Abzug in Höhe von 2,5 % der Werbeeinnahmen der größten Technologieunternehmen, die auf dem australischen Markt tätig sind, einführt, falls sie sich weigern, kommerzielle Vereinbarungen mit lokalen Verlagen über die Verbreitung von Nachrichteninhalten abzuschließen. Das Dokument zielt darauf ab, den Verlegern die Verluste zu kompensieren, die entstehen, weil Nutzer von direkten Besuchen von Websites zu Such- und Social-Media-Plattformen wechseln, die journalistisches Material ohne Zahlung von Urheberrechts- oder Lizenzabgaben verwenden.
Ablauf des Abzugs und Anwendungsschwelle
Dem Gesetzestext zufolge fallen unter die neuen Regeln Unternehmen, die gleichzeitig über große Such- oder Social-Media-Dienste in Australien verfügen und deren Werbeeinnahmen 250 Millionen Australische Dollar (etwa 178 Mio. US-Dollar) übersteigen. Für solche Unternehmen, die keine Vereinbarung mit den Verlegern getroffen haben, wird eine Steuer in Höhe von 2,5 % der Werbeeinnahmen festgesetzt. Schätzungen von Analysten zufolge bedeutet dies für die größten Plattformen millionenhöhe Zahlungen jährlich, was den Abschluss kommerzieller Verträge mit Medien wirtschaftlich vorteilhafter macht als die Zahlung des Abzugs.
Wer von den neuen Regeln betroffen ist
Unter das Gesetz fallen unmittelbar mehrere weltweite Technologie-Riesen: Meta (in Russland als extremistisch eingestuft und verboten), Google, TikTok sowie Microsoft in Form ihres Dienstes LinkedIn (ebenfalls in Russland verboten). Gerade diese Plattformen erzeugen den Hauptverkehr auf Nachrichteninhalte australischer Verlage über Suchergebnisse, Nachrichtenseiten und Aggregatoren. Für kleinere lokale Dienste ist die Schwelle von 250 Mio. AUD in der Regel kein Hindernis, daher lastet die Hauptlast auf den genannten Konzernen.
Wie die Plattformen den Abzug vermeiden können
Das Gesetz sieht einen „anreizbasierten" Verrechnungsmechanismus vor: Eine Plattform wird vollständig von der Zahlung des 2,5%-Abzugs befreit, wenn sie bis zum Ende ihrer Berichtsperiode Partnerschaftsvereinbarungen mit mindestens acht verschiedenen lokalen Verlegern abschließt. Dabei hat der Gesetzgeber einen differenzierten Verrechnungsfaktor für die Ausgaben eingeführt: Aufwendungen für Geschäfte mit kleinen und mittleren Medien werden mit einem erhöhten Multiplikator von 200 % berücksichtigt, während die Zusammenarbeit mit großen Verlagen einen Verrechnungsbetrag in Höhe von 150 % ergibt. Diese Konstruktion motiviert die Tech-Riesen, die Zahlungen nicht nur auf mehrere große Mediengruppen zu verteilen, sondern auch die Ökosystem regionaler und Nischenverlage zu unterstützen.
Kontext und Folgen für den Mediamarkt
Das verabschiedete Gesetz setzt die Linie fort, die Australien bereits 2021 eingeleitet hatte, als das Land als erstes der Welt einen sogenannten „antimonopolistischen" Verhaltenskodex für digitale Plattformen (News Media Bargaining Code) einführte, der sie verpflichtet, mit Verlegern über eine Vergütung für die Nutzung von Inhalten zu verhandeln. Das neue News Bargaining Incentive stärkt den bisherigen Mechanismus, indem es einen finanziellen „Knüppel" – eine direkte Steuer – hinzufügt, was den Verzicht auf Verhandlungen mit Medien wirtschaftlich unvorteilhaft macht. Experten weisen darauf hin, dass ähnliche Initiativen in der EU, Kanada und einer Reihe von Ozeanienstaaten diskutiert werden, und die australische Erfahrung könnte für weitere regulatorische Entscheidungen im Bereich des digitalen Mediamarkts als Referenz dienen.