Die Einführung des automatischen Austauschs von Steuerinformationen zwischen der Ukraine und anderen Ländern hat bei Bürgern und Unternehmen eine Welle von Fragen ausgelöst. Viele befürchten, dass dies zu massenhaften Steuerprüfungen führen wird. Experten klären jedoch auf: Der Datenaustausch selbst bedeutet nicht automatisch den Start von Steueruntersuchungen.

Wie der Austauschmechanismus funktioniert

Laut Erläuterungen der Steuerberaterin Alexandra Tomaschewskaja findet ein Informationsaustausch nur dann statt, wenn eine ausländische Finanzinstitution einen Ukrainer ausdrücklich als steuerlichen Wohnsitz in der Ukraine eingestuft hat. Dies ist der entscheidende Punkt: Wenn eine Person tatsächlich im Ausland lebt, dort arbeitet, über Aufenthaltspapiere verfügt und ihre Kinder lokale Schulen besuchen, kann sie als Steuerresident eines anderen Landes gelten – beispielsweise Polens oder Deutschlands. In einem solchen Fall werden Informationen über ihre Konten nicht an die Ukraine übermittelt.

Wen betrifft der Austausch?

Betroffen sind jene, die in der Ukraine leben, aber Kapital im Ausland besitzen und dennoch als ukrainische Steuerresidenten eingestuft werden. In diesem Fall erhält die Staatliche Steuerverwaltung (GNS) Daten über Konten, Immobilien oder andere Vermögenswerte und vergleicht diese mit den bereits in ihren Datenbanken vorhandenen Informationen.

Wenn sich herausstellt, dass eine Person Einkünfte nicht deklariert hat – beispielsweise eine Wohnung im Ausland vermietet und 10.000 Euro eingenommen hat – kann das Finanzamt eine Anfrage mit der Aufforderung senden, die Herkunft dieser Mittel zu erklären, oder vorschlagen, sie freiwillig zu deklarieren und Steuern zu entrichten.

Risiken für Residenten

Besonderes Augenmerk wird auf die Frage des steuerlichen Wohnsitzes gelegt. Nach Ansicht von Experten vertritt die Ukraine manchmal eine Position, die unabhängig von juristischen Nuancen und internationalen Abkommen auf die Besteuerung von Einkünften abzielt. Dies schafft Schwierigkeiten für Personen mit doppeltem Wohnsitz oder solche, die ins Ausland gezogen sind, aber Vermögenswerte in der Ukraine behalten haben.

Die Informationen über Grenzübertritte, die die GNS nun nutzt, helfen, den Wohnsitz genauer zu bestimmen. Dies kann jedoch auch Risiken für diejenigen schaffen, die längere Zeit im Ausland leben oder arbeiten, aber formal als ukrainische Steuerresidenten gelten.

Was sollten Bürger tun?

Experten empfehlen, nicht in Panik zu geraten, aber den eigenen Status genau zu beobachten. Wenn Sie im Ausland leben und sich als Steuerresident eines anderen Landes betrachten, stellen Sie sicher, dass Ihre Dokumente und Fakten Ihres Aufenthalts dies belegen. Im Falle einer Anfrage des Finanzamts ist es besser, transparent zu handeln: Entweder die Einkünfte freiwillig deklarieren oder den Status als Resident anzufechten, wenn er nicht der Realität entspricht.

Der automatische Datenaustausch ist ein Kontrollinstrument und keine automatische Prüfung. Das Wichtigste ist zu verstehen, ob Sie unter seine Anwendung fallen, und bereit zu sein, mit den Steuerbehörden in Dialog zu treten.