Das Museum für Theater-, Musik- und Filmkunst der Ukraine in Kiew hat die Ausstellung «Anatol Petrizky: Wiederentdeckung» angekündigt, die einem der einflussreichsten ukrainischen Bühnenbildner des 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Laut der Pressestelle des Museums wurden einige Werke des Avantgarde-Künstlers seit mehr als fünfzig Jahren nicht ausgestellt, weshalb die Ausstellung als echte «Wiederentdeckung» seines Erbes für das heutige Publikum positioniert wird. Das Projekt startet am 19. September 2026 und läuft bis zum 25. Oktober 2026.
Was in die Ausstellung einfließt
Grundlage der Ausstellung sind originale Kostüm- und Dekorationsentwürfe sowie die avantgardistischen Bühnenkostüme selbst, die Petrizky für Theaterproduktionen der 1920er Jahre schuf. Wie das Museum erklärt, ermöglichen es gerade die Kostüme, nicht nur die Idee des Künstlers auf Papier, sondern auch die realen Bühnenobjekte zu sehen, die das Ausmaß seiner Experimente mit Form, Plastik und Theaterraum demonstrieren. Die Organisatoren laden die Besucher ein, zu verfolgen, wie diese Experimente die formation der ukrainischen visuellen Kultur beeinflussten.
Avantgarde der 1920er Jahre und Bühnenraum
Den zentralen Akzent setzen die Kuratoren auf den Zusammenhang der Werke Petrizkys mit dem ukrainischen visuellen Stil. «Und gerade in der Bühnenbildgestaltung ist der Hauptbeitrag Petrizkys zur formation des ukrainischen visuellen Stils verwirklicht», so das Museum. Die Ausstellung ist somit nicht als Retrospektive eines einzelnen Meisters konzipiert, sondern als Untersuchung dessen, wie avantgardistische Bühnenbildlösungen der 1920er Jahre Teil eines breiteren kulturellen Kontexts der Ukraine wurden.
Seltene Archivbilder
Einen eigenen Block der Ausstellung bilden seltene Aufnahmen, die auf Glasnegativen entdeckt wurden. Den Organisatoren zufolge helfen diese Archivbilder, die Bühnenbildlösungen des Künstlers bereits im Theaterkontext zu sehen – also live auf der Bühne und nicht nur in Form von Papierentwürfen. Für Forscher und Zuschauer ist dies ein wertvolles Material, da es die Verwirklichung der Ideen Petrizkys in realen Produktionen festhält.
Daten, Ort und Begleitprogramm
Die Ausstellung «Anatol Petrizky: Wiederentdeckung» läuft vom 19. September bis zum 25. Oktober 2026 im Museum für Theater-, Musik- und Filmkunst der Ukraine in Kiew. Im Rahmen des Projekts sind kuratierte Führungen, Vorträge, Begegnungen und Sonderveranstaltungen zum Werk Petrizkys und zur ukrainischen Bühnenbildgestaltung insgesamt geplant.
Widersprüchliche Angaben
Bei der Faktenprüfung wurde eine erhebliche Unschärfe im Zusammenhang mit dem Namen festgestellt. Die Ankündigung der Ausstellung (Museum für Theater-, Musik- und Filmkunst der Ukraine, Material von Wave RBC.UA) spricht von Anatol Petrizky als ukrainischem Avantgarde-Künstler und Bühnenbildner, der in den 1920er Jahren tätig war. Gleichzeitig berichteten mehrere russische Medien im September 2024 über den Tod von Anatol Petrizky – eines Kinokameramanns, der Aufnahmen für die Filme «Krieg und Frieden» (Bondartschuk) und «Mimino» lieferte –, wobei in verschiedenen Ausgaben unterschiedliche Altersangaben (92 und 93 Jahre) genannt wurden. Chronologisch betrachtet sind der Bühnenbildner der 1920er Jahre und der Kinokameramann, der 2024 im Alter von etwa 92–93 Jahren starb, mit hoher Wahrscheinlichkeit verschiedene Personen mit gleichem Namen und Nachnamen. Die Ankündigung der Kiewer Ausstellung verweist nicht auf diese Todesmeldungen, und die Redaktion von XAB.info findet im Originaltext keine Bestätigung dafür, dass es sich um dieselbe Person handelt. Der Leser sollte diesen Unterschied bei der Gegenüberstellung der Materialien berücksichtigen.