In der Art Ukraine Gallery in Kiew wurde die großangelegte Ausstellung „INDEPENDENT. Незалежні. Більше, ніж скульптура“ (Unabhängige. Mehr als Skulptur) eröffnet, die der Freiheit der ukrainischen Kunst gewidmet ist. Das Projekt vereint über 20 Künstler verschiedener Generationen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Werken des weltberühmten Avantgardisten Alexander Archipenko liegt. Initiatorin und Kuratorin der Ausstellung ist die Galeristin Natalja Sabolotna, die das Konzept des Projekts als einen Dialog über die „Unabhängigkeit“ definiert – nicht nur im historischen oder gesellschaftlichen Sinne, sondern vor allem als das Recht des Künstlers auf eine eigene Sprache, die Freiheit der Form und die Möglichkeit, eingefahrene Regeln zu verändern.
Idee: Unabhängigkeit als Recht auf eine eigene Sprache
Wie die Kuratorin erklärt, ist die Ausstellung als Statement darüber gedacht, dass Kultur das ist, was ein Land auf mehr reduziert als bloßes Territorium. „Ein Land ohne Kultur ist nur ein Territorium, und ein Territorium lässt sich ziemlich leicht erobern. Die Ukraine ist unbesiegbar: Denn wir sind ein Land von hoher künstlerischer Stilbildung, die die Quintessenz des kulturell-zivilisatorischen Genocodes darstellt“, betonte Natalja Sabolotna. Ihren Worten zufolge sind die „Unabhängigen“ diejenigen, die „trotz allem entstanden sind und weiter die Geschichte der ukrainischen Kunst schreiben“, indem sie frei und ungebändigt bleiben.
Mehr als Skulptur: eine multimediale Ausstellung
Das Projekt geht bewusst über das klassische Verständnis der Skulptur hinaus: Bronze und Stein werden hier mit Malerei, Grafik, Keramik, spiegelnden Oberflächen, Kunstobjekten und Installationen kombiniert. Eines der größten Werke ist die malerische Installation „Післяобраз. Відскок“ (Nachbild. Abpraller) von Artem Wolokitin mit einer Größe von 500 auf 500 Zentimetern, bestehend aus sieben Fragmenten, die über die gewöhnliche Bildfläche hinausgehen und mit dem Raum der Galerie interagieren. In den Arbeiten von Nadeschda Polewich werden spiegelnde Oberflächen eingesetzt, die den Betrachter buchstäblich in das Werk einbeziehen, während Jelena Schibunowa in der Serie „Garten“ Gips, Bauschutznetz, Patronenhülsenabdrücke und alte bestickte Handtücher verwendet, um das ukrainische Bild des Baumes des Lebens neu zu deuten.
Archipenko in Kiew: eine seltene Gelegenheit, die Avantgarde live zu sehen
Einen eigenen Teil der Ausstellung bildet eine private Sammlung von Werken Alexander Archipenkos – des in Kiew geborenen Avantgardisten, der zu den Reformatoren der modernen Skulptur wurde. Seine Experimente mit Form, Volumen und Leere haben, so die Einschätzung der Organisatoren, einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Weltkunst des 20. Jahrhunderts ausgeübt, und die Ausstellung bietet die für Kiew seltene Gelegenheit, diese Werke live zu sehen. Die zeitgenössischen Teilnehmer von INDEPENDENT werden dabei nicht als direkte Nachfolger Archipenkos dargestellt, sondern als Künstler, die sein wichtigstes Prinzip geerbt haben – die Freiheit, die Regeln zu verändern und die Grenzen der Kunst selbst zu bestimmen. In die Ausstellung wurden Werke von Wassili Kortschew, Ljudmyla Misko, Nikolai Malyschko, Julia Belyaewa, Nazar Bilyk, Alexei Wladimirow, Anastasia Podedrewjanska, Alexander Sucholit, Nadeschda Polewich, Nikolai Kriwenko, Elmira Schemsidinowa, Wladimir Sajana, Wladimir Saj und anderer Autoren aufgenommen.
Der wohltätige Aspekt des Projekts
Die Ausstellung hat auch einen wohltätigen Charakter: Ein Teil des Projekts ist der Unterstützung der Kämpfer des Dritten Armeekorps und ukrainischer Kinder gewidmet, die infolge des Krieges verwundet wurden. Der ukrainische Bildhauer und Soldat Wladimir Saj stellte eine großangelegte Komposition „Штурм“ (Sturm) vor – eine symbolische Armee ukrainischer Verteidiger, die als Wohltätigkeitslot zur Unterstützung des Dritten Armeekorps ausgestellt wurde, in dessen Reihen der Künstler selbst, den Angaben der Galerie zufolge, die Ukraine verteidigt.