Auf dem Trafalgar Square in London wurde eine neue öffentliche Skulptur aufgestellt – „Lady in Blue' der amerikanischen Künstlerin Chabala Self. Die Bronzearbeit hat den berühmten Fourth Plinth eingenommen, wo sie laut den Organisatoren in den nächsten zwei Jahren ausgestellt werden soll. Die Skulptur zeigt eine anonyme junge schwarze Frau in einem engen Kleid in einem gesättigten Lapislazuli-Ton, mit High Heels und Schmuck aus Glasperlen. Ihr Haar ist zu Zöpfen geflochten, und die Figur ist im Moment eines selbstbewussten Schrittes nach vorn eingefroren – genau diese Bewegung wurde zum zentralen visuellen und semantischen Kern der Komposition.
Symbol der Bewegung, kein statisches Denkmal
Chabala Self betont, dass ihre Arbeit bewusst von der Tradition der monumentalen Skulptur abweicht, die sich an die Vergangenheit wendet. „Sie ist nicht statisch. Sie hat den Wunsch, sich zu bewegen', erklärt die Künstlerin. Ihren Worten zufolge war das Ziel, eine Figur zu schaffen, die Mut, Optimismus und die Bewegung in die Zukunft verkörpert, und nicht die Memorialisierung einer bestimmten historischen Persönlichkeit. Self hofft, dass das Bild einer Frau, die selbstbewusst nach vorn schreitet, für die Betrachter zu einer Metapher für die Möglichkeit wird, auch in ihrem eigenen Leben weiterzugehen.
Die Lapislazuli-Farbe und die Details des Erscheinungsbildes
Die Skulptur zeichnet sich durch eine durchdachte Detailarbeit aus. Das Kleid der Hauptfigur ist in einem Lapislazuli-Ton gehalten – einer Farbe, die vom seltenen Mineral inspiriert ist und seit Jahrhunderten als Pigment in der Malerei und im dekorativen Kunsthandwerk verwendet wird. Das Erscheinungsbild wird von zu Zöpfen geflochtenem Haar, Glasperlen am Hals und an den Handgelenken sowie von High Heels mit einem charakteristischen Muster ergänzt. Alle Elemente formen das Porträt einer modernen Frau mit einem ausdrucksstarken Charakter, die aber nicht an eine konkrete historische Biografie gebunden ist.
Der Kontext des Fourth Plinth und der öffentlichen Kunst
„Lady in Blue' ist das 16. Werk, das im Rahmen des Programms für öffentliche Kunst auf dem Fourth Plinth aufgestellt wurde, das von der Royal Society of Arts gegründet wurde. Heute wird das Projekt vom Londoner Bürgermeister, dem Arts Council England und der Wohltätigkeitsorganisation Bloomsbury unterstützt. Die Wahl einer anonymen, nicht-historischen Figur vor dem Hintergrund der klassischen Monumente des Trafalgar Square – Nelson, Rodin, frühere Plinth-Skulpturen – macht das Werk besonders auffällig: Es wendet sich an die Zukunft, während die umgebende Architektur und Denkmäler eher die Vergangenheit festhalten.
Die Darstellung schwarzer Frauen in der öffentlichen Kunst
Die Aufstellung der Skulptur lenkt die Aufmerksamkeit auf die Frage der Repräsentation schwarzer Frauen in der öffentlichen Kunst Großbritanniens. Dabei betont Self, dass sie nicht möchte, dass ihre Arbeit ausschließlich durch die Brille der rassischen oder geschlechtlichen Identität wahrgenommen wird. Für die Künstlerin ist die Skulptur in erster Linie das Bild eines Menschen, der das Recht hat, einfach so zu existieren, wie er ist – ohne zwingende Zuordnung zu einer sozialen oder politischen Kategorie.