Alexander Tschepilko, der sich in London aufhält, sprach über die Vorbereitung auf den Boxabend von Queensberry in der O2 Arena und gab seine eigene Einschätzung der Chancen von Denis Berintschik, Moses Itauma und Filip Hrgovich ab. Seiner Meinung nach wirkt dieser Abend vor dem Hintergrund der großen Kämpfe, die er in England, Deutschland, Polen und Saudi-Arabien gesehen hat, „leicht und vereinfacht“: Es fehlt das Gefühl, dass im Duell zwischen dem aufstrebenden lokalen Star Moses Itauma und dem Olympia-Medaillengewinner Filip Hrgovich etwas Außergewöhnliches passieren wird. Hrgovich habe, so der Autor, lange auf einen Titelkampf um den IBF-Gürtel gewartet und, wie er selbst einräumt, in der Vergangenheit bereits gegen Dubois verloren – was sowohl seine Erfahrung als auch seine Verwundbarkeit unterstreiche.

Einfaches Hotel und Basar statt Glanz

Die organisatorische Seite des Abends sei, so Tschepilkos Beobachtungen, maximal spartanisch. Das Hotel, in dem die Boxer untergebracht sind, sei „sehr einfach“ – ohne die Autos mit dem Queensberry-Logo hätte man nicht geahnt, dass hier Sportler wohnen. Das erste Medienereignis fand auf einem einfachen Basar statt: Dort gab es auch das offene Training und dort erfolgte das Wiegen, bei dem man in unmittelbarer Nähe Donuts und Schmuck kaufen konnte. Der Autor drückt offen seine Enttäuschung aus: Angesichts der Tatsache, dass der englische Boxsport derzeit auf einem der höchstenLevels der Welt ist, hätte er sich einen ernsthafteren Ansatz bei der Präsentation des Abends gewünscht.

Berintschik kehrt zurück: ein Jahr Reha und drei Monate Camp

Denis Berintschik sieht, so Tschepilkos Einschätzung, gut aus und hat seine Verletzungen auskuriert. Der Boxer selbst und sein Manager Senja Iwantschuk erzählten, dass er sich sehr lange auf diese Rückkehr vorbereitet habe: Es gab einen Eingriff, dann einen zweiten, danach folgte ein Jahr Rehabilitation. Das Camp dauerte drei Monate in Kiew und weitere zwei in Bukowel. Berintschik wurde drei Wochen lang von Juri Tschenko vorbereitet, die Abschlussvorbereitung übernahm nach Tschenkos Methodik der Trainer von Jaroslaw Charsyz, Witali Snak (Charsyz – Teilnehmer der Olympischen Spiele 2020, mittlerweile Profi bei K2 Promotions). Laut Autor wirkt Denis nicht müde vom Camp, doch beunruhigt sein Alter – 38 Jahre: „Wenn er jetzt 32–33 wäre, würde ich auf Denis setzen.“

Widersprüchliche Daten

Hier gibt es zwei bemerkenswerte Unstimmigkeiten. Die erste – bei der Bewertung der Chancen von Berintschik gegen Knocks: Die meisten Buchmacher und Beobachter geben Knocks mit etwa 70 zu 30 den Vorzug, während Tschepilko das Verhältnis eher auf 55 zu 45 sieht und dabei auf den Schlag von Berintschik, seine 16 K.-o.-Siege und das „boxerische Herz“ verweist, von dem, so der Autor, Krasjuk gesprochen hatte. Die zweite – beim Status und der Favoritenrolle im IBF-Titelkampf: Viele nennen Itauma den eindeutigen Favoriten, dabei wird im selben Text erwähnt, dass Hrgovich „lange auf den IBF-Titelkampf gewartet, ihn bekommen und gegen Dubois verloren“ habe, was Verwirrung über seine Titelhistorie und seinen aktuellen Status erzeugt. Tschepilko selbst betrachtet den Kampf Itauma – Hrgovich hingegen als ausgeglichen – 50 zu 50 – und ist mit der Meinung der Mehrheit nicht einverstanden.

Itauma gegen Hrgovich: Alter gegen Erfahrung

Im Titelkampf teilt Tschepilko die Meinung der Mehrheit darüber, was Itauma auszeichnet: Er ist 21 Jahre alt, jung und zeigt bereits eine beeindruckende Power und Geschwindigkeit, und seine Hände seien, so der Autor, sogar schneller als die von Usyk, der, wie man sagte, kein K.-o.-Mann sei. Itaumas größter Vorteil – sein Alter. Hrgovich, der 34 Jahre alt ist, hat auf seiner Seite Erfahrung und körperliche Kraft: Er ist 13 Jahre älter als Itauma, boxte gegen Zhang Zhilei und Dubois und hat im olympischen Boxen viel durchlebt. Auf der Pressekonferenz erklärte Hrgovich laut Autor: „Itauma ist ein Kid, und ich bin ein Mann.“ Gerade diese Kombination aus Alter auf der einen und Erfahrung und Kraft auf der anderen Seite lässt Tschepilko keinen klaren Favoriten benennen.

Fazit: Ein Abend ohne echten Superfight

Zusammenfassend beschreibt Tschepilko den Londoner Queensberry-Abend als vereinfacht und nicht dem Niveau des englischen Boxsports angemessen: Weder im Kampf Berintschik – Knocks noch im Titelduell Itauma – Hrgovich sieht er den einen „Superfight“, den man von der O2 Arena erwartet. Gleichzeitig betont er, dass sowohl Berintschik als auch Hrgovich von Markt und Fans unterschätzt werden und das tatsächliche Chancenverhältnis in beiden Kämpfen dem Gleichgewicht deutlich näher liegt, als man allgemein annimmt.