In der Ukraine wurde das nationale Programm „Reise zu dir selbst. Wege der Erholung“ gestartet, dessen Idee darin besteht, zu zeigen, dass Reisen durch das Land eine Möglichkeit sein können, Kraft zu schöpfen, allein mit sich selbst zu sein und Orte neu zu entdecken, die nur auf den ersten Blick vertraut erscheinen. Eine Korrespondentin des Mediums Wave war auf einer Promotion-Tour im Podolien und berichtete, wie man sich in dieser Region „neu aufladen“ kann. Der zentrale Punkt der Route ist Bakota, eine der bekanntesten touristischen Locations der Region: der gewundene Dnister „zerschneidet“ die Hügel, und die Wasseroberfläche der Bucht erstreckt sich über mehr als 1.500 Hektar.

Das überflutete Dorf und die „Geschichte im Wasser“

Noch vor einem halben Jahrhundert war Bakota ein lebendiges Dorf mit einer alten Geschichte im Dnister-Tal. Beim Bau des Wasserkraftwerks wurde das Tal überflutet und in eine Bucht verwandelt. „Zusammen mit Bakota wurden fast ein Dutzend weitere Dörfer überflutet. Niemand hätte sich je vorstellen können, dass das Wasser hier um 40 Meter steigen würde, aber die Sowjetunion musste ein weiteres Wasserkraftwerk bauen“, erzählt Igor Wyschymyrski, leitender Spezialist der Allgemeinen Abteilung der Stare Ushychy-Gromada. Auf dem Weg nach Bakota erinnert nur noch eine Bushaltestelle an die Vergangenheit des Dorfes, die an ihrem alten Platz steht: Heute ist sie ein improvisiertes Museum mit podolischer Malerei, Fotos und Dokumenten der Bakota-Bewohner – Pässen, Aufzeichnungen über Arbeitstage, Listen der Verstorbenen. In dieser Gegend trifft man noch alteingesessene Einwohner, die Zeugen der Überflutung wurden.

Das Höhlenkloster und das alte geistliche Zentrum

Der touristische Slogan der Region – „Geschichte im Wasser, Seele im Felsen“ – spiegelt das Wesen des Ortes wider: Die Vergangenheit der Dörfer ist unter Wasser gegangen, aber hier ist ein altes geistliches Zentrum des Ponižja erhalten geblieben – das Höhlenkloster des 11.–15. Jahrhunderts, das in den Weißberg gehauen wurde, der sich 120 Meter über den Wassern von Bakota erhebt. „Früher war hier ein heidnischer Kultplatz: Bei Ausgrabungen am Ufer wurden eine in Stein gehauene Fußsohle, Steinstatuen und Opferstätten gefunden. Und im 11. Jahrhundert kamen Mönche hierher. Der zweiflügelige Kreuz-Enkolpion, der bei den Ausgrabungen gefunden wurde, beweist, dass Bakota damals ein geistliches Zentrum war“, erklärt Taras Horbatjuk, Mitarbeiter des Nationalen Naturparks „Podolische Tawtry“. Heute ist das Kloster nicht mehr in Betrieb, hat aber den Status eines Denkmals nationaler Bedeutung: Besucher können die Höhlen betreten, und Gläubige hinterlassen vor den Ikonen Gebetszettel.

Widersprüchliche Angaben

Unter Touristen ist die Behauptung verbreitet, dass man unter den Wassern von Bakota die Ruinen der überfluteten Kirche und sogar Kreuze auf Gräbern sehen kann. Allerdings nennen diese Erzählungen die örtlichen Einwohner und Experten, mit denen die Korrespondentin sprach, Märchen: Ihren Worten zufolge wurde vor der Überflutung alles zerstört, und unter Wasser sind keine Ruinen erhalten geblieben. Somit widerspricht die Version von „aus dem Wasser sichtbaren“ Kirchentresten den Aussagen der Altansässigen und der Parkmitarbeiter, und in Wirklichkeit sind solche Objekte in der Bucht nicht zu beobachten.

Glamping am Wasser: Preise und Bedingungen

Die Bakota-Bucht zieht Touristen immer häufiger mit der Möglichkeit an, am Wasser zu entspannen. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, ist der Bau großer Kurkomplexe an den Ufern verboten, aber hier arbeiten bereits Glamping-Plätze. In den Zelt-Häusern gibt es Betten und Strom, Dusche und Toilette sind separat; die Bedingungen sind einfach, aber rundherum ist fast unberührte Natur. Ein dreibettiges Zelt im Glamping „Prozorі“ kostet ab 2500 Hrywnja pro Nacht, und in der Saison sollte man besser im Voraus buchen – für den Herbst sind freie Optionen schon schwer zu finden. Zu den Aktivitäten gehören Baden in der Bucht, Paddeln auf SUPs und Bootsfahrten. Wichtig zu beachten ist, dass das mobile Internet hier kaum funktioniert und der Empfang manchmal ausfällt – das sollten diejenigen wissen, die nicht vollständig den Kontakt zur Zivilisation verlieren wollen.

Wie man hinkommt und was man sonst noch sehen kann

Nach Bakota kommt man am besten mit eigenem Transport oder auf einer Exkursion aus Kamenets-Podolski. Die Aussichtsplattform der Bucht und das Kloster befinden sich auf dem Gebiet des Nationalparks, der Eintritt kostet 100 Hrywnja für Erwachsene und 50 Hrywnja für Kinder. Wie man früher in dieser Region lebte, kann man im Museum des benachbarten Dorfes Gruschka erfahren: Im hundert Jahre alten Haus wurden der lokale Alltag und Gegenstände bewahrt, die von der Kultur der Dnister-Umgebung erzählen; Exkursionen werden nur für Gruppen durchgeführt, kosten 800 Hrywnja und erfordern eine vorherige Absprache. In Gruschka ist eine der ältesten Quellen der Region mit einem Alter von etwa 700 Jahren erhalten geblieben, und auf der Hauptstraße kann man ein Mural nach Motiven des Werks des podolischen Malers Alexander Hrem sehen.