In den Jahren des umfassenden Krieges haben ukrainische Reisende ein neues Urlaubsszenario entwickelt – Reisen ohne Nutzung inländischer Flughäfen. Laut Irina Mosulezna, Leiterin von Join UP! Ukraine, in einem exklusiven Kommentar für Wave RBC.UA, sind Abflüge über Flughäfen benachbarter Staaten, insbesondere Moldawiens, Polens und Rumäniens, zur gewohnten Lösung geworden. Eine stabile Infrastruktur für grenzüberschreitenden Tourismus entsteht, bei der die Wahl des Abflugortes weniger von der Entfernung als von der Gesamtheit der logistischen Faktoren bestimmt wird.

Kischinau – das wichtigste Drehkreuz für ukrainische Touristen

Laut internen Statistiken von Join UP! war der Flughafen Kischinau im vergangenen Jahr der meistgenutzte Flughafen für ukrainische Passagiere mit mehr als 237.000 Touristen. Mosulezna erklärt diese Popularität vor allem durch die Logistik: Für Bewohner der zentralen, südlichen und östlichen Regionen der Ukraine sowie teilweise Kiews ist die Fahrt nach Moldawien kürzer und vorhersehbarer als eine lange Reise durch das gesamte Land zur polnischen Grenze. „Der Vorteil des Flughafens Kischinau liegt in der relativ komfortablen Logistik und dem in der Regel schnelleren Grenzübertritt im Vergleich zu einigen anderen Richtungen', betonte sie.

Rzeszów und polnische Flughäfen für die westlichen Regionen

Auf dem zweiten Platz der Beliebtheit befindet sich der polnische Flughafen Rzeszów, den im selben Zeitraum mehr als 50.000 ukrainische Reisende nutzten. Für Bewohner der westlichen Gebiete – insbesondere der Oblaste Lwiw und Iwano-Frankiwsk – bleiben polnische Flughäfen aufgrund der Nähe zur Grenze eine bequeme Option. Dabei beschränken sich Ukrainer nicht nur auf Rzeszów: Zu den beliebten Zielen gehören auch die Flughäfen von Warschau, Kattowitz und anderen polnischen Städten.

Rumänien und andere regionale Routen

Zu den Abflugorten zählen auch Bukarest und eine Reihe weiterer großer und regionaler Flughäfen benachbarter Länder. So hat sich für ukrainische Touristen ein verzweigtes Netzwerk alternativer Routen gebildet, das es ermöglicht, geschlossene oder unpraktische inländische Luftfahrt-Häfen zu umgehen. Es gibt jedoch keine universelle Standardroute: Die konkrete Wahl hängt vom Wohnort, dem gewählten Urlaubspaket, den Reisekosten, dem Abflugdatum, den Transfermöglichkeiten und der aktuellen Situation an der Grenze ab.

Wie sich die Herangehensweise an die Routenwahl verändert hat

Laut Einschätzung von Mosulezna hat sich der allgemeine Ansatz ukrainischer Touristen in den letzten Jahren qualitativ verändert. War früher die Entfernung zum Flughafen das Hauptkriterium, so vergleichen Reisende heute mehrere Parameter gleichzeitig: Reisezeit, Vorhersehbarkeit der Route und die Gesamtkosten der Reise. Genau deshalb erklärt sich die Führungsposition Kischinaus, obwohl er für alle Regionen nicht der nächste Flughafen ist, nicht durch die Geografie, sondern durch die Gesamtheit der logistischen Vorteile und die Stabilität des Grenzübertritts.