Militärische Aktionen und wirtschaftliche Schocks haben zu einem massiven Schrumpfen des ukrainischen Bergbau- und Metallurgiekomplexes geführt. Aktuellen Untersuchungen des GMK Centers zufolge ist der Anteil der Metallurgieindustrie am Bruttoinlandsprodukt des Landes von 12 % im Jahr 2018 auf 5,5 % in den Jahren 2025–2026 gesunken. Die Krise hat nicht nur makroökonomische Indikatoren, sondern auch den Arbeitsmarkt getroffen: Die Gesamtbeschäftigung im MMC und in verwandten Sektoren ist um 55,8 % auf rund 300.000 Menschen zurückgegangen.

Angriffe auf Anlagen und Exportrückgang

Regelmäßiger russischer Beschuss und gezielte Angriffe auf wichtige Industrieunternehmen, darunter Saporischstal, Kametstal, ArcelorMittal Krywyj Rih und Interpipe, haben den Produktionsstätten schwerste Schläge versetzt. Vor dem Hintergrund von Zerstörungen und Stromengpässen sanken die Exporte von Stahlprodukten von 11,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 auf 2,9 Milliarden US-Dollar. Eine ähnliche Situation ist im Eisenerzsegment zu beobachten, wo die Einnahmen von 6,8 Milliarden auf 2,3 Milliarden US-Dollar zurückgingen. Eine zusätzliche Belastung für die überlebenden Werke waren gestiegene Logistikkosten und die Notwendigkeit, Exportwege aufgrund der Blockade von Seehäfen umzubauen.

Rückgang von Investitionen und Steuereinnahmen

Die Finanzkennzahlen der Unternehmen zeigen einen drastischen Einbruch der Investitions- und Steueraktivität. Während die Investitionsausgaben im MMC im vorkriegslichen Jahr 2021 noch 2 Milliarden US-Dollar betrugen, sanken sie bis 2025–2026 auf 0,7–0,9 Milliarden US-Dollar. Die Mehrheit der Unternehmen war gezwungen, langfristige Modernisierungsprogramme komplett einzustellen und verbleibende Mittel ausschließlich auf die Aufrechterhaltung der grundlegenden Lebensfähigkeit der bestehenden Kapazitäten zu lenken. Die Steuerzahlungen sanken von 3,5 Milliarden US-Dollar auf 1,3 Milliarden bzw. 0,9 Milliarden US-Dollar, was die Budgets der Industriegemeinden und deren Fähigkeit zur Finanzierung der lokalen Infrastruktur direkt traf.

Widersprüchliche Daten

In Expertenkreisen und verschiedenen Analyseberichten gibt es gewisse Diskrepanzen bei der Bewertung von Basisdaten aus der Vorkriegszeit und Prognosen für den weiteren Rückgang. So verweisen einige Medienquellen unter Berufung auf vorläufige Analystenberechnungen darauf, dass der Anteil der Metallurgie am BIP in Friedenszeiten bei etwa 10,3 % lag (während das GMK Center das Ausgangsniveau von 2018 auf 12 % beziffert). Darüber hinaus warnen einige Experten vor dem Risiko eines vollständigen Produktionsausfalls bei anhaltendem Zerstörungstempo der Energieinfrastruktur, während andere Berichte den Schwerpunkt auf Stabilisierungsmöglichkeiten durch externe Finanzspritzen und gezielte staatliche Unterstützung legen.

Wege zur Erholung und Rettung der Industrie

Um einen totalen Kollaps zu verhindern und eine strategisch wichtige Branche zu erhalten, schlagen Fachexperten einen Komplex staatlicher und internationaler Maßnahmen vor. Von vorrangiger Bedeutung ist die Schaffung eines spezialisierten MMC-Wiederaufbaufonds unter Einbeziehung internationaler Finanzorganisationen, analog zum Energiesektor. Ebenso ist es von entscheidender Bedeutung, den ukrainischen Industriellen Zugang zu europäischen Finanzierungsinstrumenten (einschließlich des Ukraine Facility-Programms) zu verschaffen, Mechanismen zur Kriegsrisikoversicherung einzuführen und den Seeverkehrskorridor wieder voll funktionsfähig zu machen. Darüber hinaus drängen Experten auf Vorzugstarife für den Schienenverkehr der ukrainischen Eisenbahn und Verhandlungen mit der EU über die Abschaffung von Importquoten und des CBAM-Mechanismus für ukrainischen Stahl.