In der Nacht und am Tag des 22. August wurde das Gebiet Belarus von einem aktiven Tiefdruckgebiet erfasst, das Meteorologen „Priska“ nannten. Laut Belgidromet bewegte sich der Zyklon von Polen in Richtung der baltischen Staaten und brachte Gewitterregen, Sturmböen mit Böen bis zu 97 km/h sowie einen starken Temperaturunterschied mit sich – von 19°C im Nordwesten des Landes bis 36°C im Südosten. Bis zum Abend waren die Folgen der Naturgewalt erheblich: In 659 Ortschaften liefen bereits Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten, und laut Bewertung des Energieministeriums wurden 1.800 Umspannstationen, 179 Leitungen mit 10 kV, 12 Leitungen mit 35 kV und sieben Leitungen mit 110 kV außer Betrieb gesetzt. Auch 31 Farmen und 16 Heizwerke blieben ohne Stromversorgung.
Dynamik und Geographie des Stromausfalls
Das Problem wuchs rasant. Wurden um 15:00 Uhr Stromausfälle in 148 Ortschaften festgestellt, so stieg ihre Zahl bereits vier Stunden später auf 659. Die schwerste Lage entstand in den Gebieten Minsk, Wizebsk und Hrodna, wo aufgrund der Sturmböen Bäume und Äste massenhaft auf die Stromleitungen fielen. Zur Beseitigung der Folgen wurden 315 Notdienstteams und 427 Fahrzeuge eingesetzt. Stand 23. August hatte sich das Zentrum des Zyklons in den Nordwesten des europäischen Teils Russlands verlagert, und Belarus befand sich in seinem kalten, windigen Rückfeld.
Schlechtwetterlage außerhalb Belarus
Die Sturmbedingungen im Zusammenhang mit „Priska“ betrafen nicht nur das Gebiet Belarus, sondern auch die Nachbarländer Litauen, Lettland und Polen. In Polen ist laut vorliegenden Angaben eine Person infolge des Sturms ums Leben gekommen. Damit wurde der Zyklon zu einem regionalen Wetterereignis, das die Energieinfrastruktur mehrerer osteuropäischer Länder gleichzeitig traf.
Widersprüchliche Angaben
Einige Details bleiben unbestätigt oder unvollständig. So hat das Energieministerium nicht präzisiert, inwieweit alle 659 Ortschaften vollständig und gleichzeitig stromlos waren – die Zahl spiegelt die Gesamtheit der Ortschaften wider, in denen Arbeiten liefen, bedeutet aber nicht zwingend einen vollständigen Ausfall jeder einzelnen Ortschaft zu einem Zeitpunkt. Darüber hinaus ist die Information über den Todesfall in Polen in den ersten Meldungen fragmentarisch und bedarf der Klärung. Schließlich stammen begleitende Meldungen über den Eintritt unbemannter Luftfahrzeuge in den Luftraum Belarus und über die Verlegung von Einheiten an die ukrainische Grenze überwiegend von Medien und werden durch keine ausführlichen offiziellen Kommentare gestützt, was sie zu einem Bestandteil des Kontexts und nicht zu einem bestätigten Faktum macht.
Kontext: Lage um das Land
Die Wetteranomalie fiel zeitlich mit anderen Ereignissen zusammen, die die Aufmerksamkeit auf das Gebiet Belarus lenken. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass eine russische Drohnenrakete „Bandierol“ in der Nähe der Stadt Kopatjewitschi im Gebiet Gomel abgestürzt ist; laut Medien könnten nicht weniger als 12 solcher Drohnen in den Luftraum des Landes eingedrungen sein. Eine Woche zuvor wurde über die Verlegung neuer Einheiten an die Grenze zu der Ukraine berichtet, obwohl die ukrainischen Grenzwächter laut vorliegenden Angaben bislang keine Anzeichen einer Angriffsplanung feststellten. Die Gesamtheit dieser Faktoren verstärkt das öffentliche Interesse an den Vorgängen im Land in den letzten Tagen.