US-Finanzminister Scott Bessent führte ein Treffen mit der russischen Delegation, bei dem die Parteien die Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine besprachen. Dies berichtete das Medium RBC-Ukraine unter Berufung auf den Fox-Business-Korrespondenten Edward Lawrence, der précisé, dass Bessent auf den Verhandlungen den 28-Punkte-Friedensplan von Präsident Donald Trump für die Ukraine vorantrieb. Damit ist der Finanzblock der amerikanischen Administration faktisch in den diplomatischen Track zur Beendigung des Konflikts eingebunden, was den mehrstufigen Charakter der amerikanischen Bemühungen um eine ukrainische Regelung unterstreicht.
Inhalt des 28-Punkte-Plans
Der Friedensplan des US-Präsidenten für die Ukraine und Russland wurde, laut den vorliegenden Texten, bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht. In den 28 von Washington vorgeschlagenen Punkten enthielten Bestimmungen, die die ukrainische Seite zuvor als unannehmbar bezeichnet hatte. Insbesondere sollte die Ukraine gemäß dem Dokument alle ihre Soldaten aus der Oblast Donezk abziehen, während der Krim, Donezk und Luhansk als „de facto russisch“ anerkannt werden sollten – einschließlich von den Vereinigten Staaten. Außerdem schlug der amerikanische Plan eine Einfrierung der Kampfhandlungen in den Oblasten Cherson und Saporischschja vor, was die aktuellen Kontaktlinien faktisch zementieren würde.
Position Kiews und Bewertung durch das ISW
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte wiederholt, dass die Ukraine ihr eigenes Territorium Russland nicht „schenken“ werde, was den Kernpunkten des amerikanischen Dokuments über die Anerkennung der besetzten Regionen als russisch direkt widerspricht. Parallel dazu stellte das Institut für Kriegsstudien (ISW) fest, dass die russische Führung seit Beginn der vollumfänglichen Invasion 15 Fristen für die Besetzung des Donbass festgelegt hatte und keine einzige davon eingehalten wurde. Diese Statistik wirft laut Analysten Zweifel an der tatsächlichen Bereitschaft Moskaus zu Kompromissen auf, selbst vor dem Hintergrund formaler Verhandlungen.
Widersprüchliche Daten
In den verfügbaren Quellen zeigt sich eine Diskrepanz zwischen dem Format der aktuellen Kontakte und dem Inhalt des vorgeschlagenen Plans. Einerseits setzt der bloße Fakt des Treffens Bessents mit der russischen Delegation einen funktionierenden Dialog und die Bereitschaft beider Seiten voraus, eine Regelung zu besprechen. Andererseits widersprechen die Bestimmungen des 28-Punkte-Dokuments – der Abzug der ukrainischen Truppen aus der Oblast Donezk und die Anerkennung der Krim und des Donbass als „de facto russisch“ – der öffentlichen Position Kiews über die Unzulässigkeit von Territorialabtretungen. Zusätzlich dokumentiert das ISW die systematische Nichterfüllung der eigenen Fristen Moskaus für den Donbass, was mit der Rhetorik der Bereitschaft zum Frieden kontrastiert. Somit bleibt die Kombination des „Vorantreibens“ des Plans auf den Verhandlungen mit seinem für die Ukraine unannehmbaren Inhalt der zentrale Widerspruch, den die Parteien bisher nicht aufgelöst haben.
Kontext: öffentliche Aussagen Bessents
Besondere Aufmerksamkeit verdient der öffentliche Kontext um die Person Bessents. Zuvor berichteten Medien unter Berufung auf The Guardian, er habe Trump, so wurde behauptet, geraten, Selenskyj nicht ins Weiße Haus zu lassen, und habe sich gegenüber ihm des harten Ausdrucks „Mr. Bean auf Drogen“ bedient. Gleichzeitig erklärte Bessent in anderen Kommentaren, dass Russland nach Beendigung des Konflikts in der Ukraine möglicherweise zu Dollar-Abrechnungen zurückkehren könne. Die Gesamtheit dieser Aussagen formt ein widersprüchliches öffentliches Bild eines Verhandler, der einerseits als Vermittler des Friedensplans auftritt und andererseits sich öffentlich vom ukrainischen Präsidenten distanziert, was die Wahrnehmung seiner Rolle als Vermittler beeinflussen kann.