US-Präsident Donald Trump hat öffentlich die Entscheidung Washingtons kommentiert, den russischen Finanzminister Anton Siluanow zur G20-Finanztagung in Asheville (Bundesstaat North Carolina) einzuladen, trotz des laufenden Krieges Russlands gegen die Ukraine. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Veröffentlichung der New York Times. Das Erscheinen des russischen Ministers auf der Bühne wurde zu einer der meistdiskutierten Episoden des Gipfels und löste spürbare diplomatische Spannungen unter den US-Verbündeten aus.
„Wir lieben es, mit jedem auszukommen“
Auf die Frage der Journalisten nach den Gründen für die Teilnahme des russischen Ministers an der Finanztagung der G20 verwies Trump auf die allgemeine Linie Washingtons, die, so sein Statement, bestrebt sei, Beziehungen zu allen Ländern aufrechtzuerhalten. „Wir lieben es, mit jedem auszukommen. Einer der Gründe für meinen Erfolg ist, dass ich mit jedem klar komme“, erklärte der US-Präsident. Damit positioniert die US-Regierung die Einladung Siluanows nicht als Signal politischer Unterstützung für Moskau, sondern als Fortsetzung der für Trump typischen Taktik offener Kontakte.
Diplomatische Spannungen in Asheville
Laut New York Times wurde das Erscheinen Siluanows zur Ursache diplomatischer Spannungen bei der Tagung. Der russische Minister besuchte erstmals seit Beginn der vollen Invasion Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 persönlich eine solche G20-Veranstaltung. Die Einladung des moskitischen Vertreters stieß bei den europäischen Verbündeten der USA auf Unzufriedenheit: Insbesondere kritisierte der deutsche Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil das Erscheinen Siluanows vor dem Hintergrund der fortgesetzten russischen Aggression. Europäische Vertreter erklärten zudem ihre Bereitschaft, das traditionelle Gruppenfoto der Teilnehmer zu boykottieren, falls der russische Minister darauf zu sehen sei. Schließlich, so die New York Times, war Siluanow auf dem Gruppenfoto nicht anwesend.
Begegnung mit Bessent und Friedensplan
An den Rändern des G20-Gipfels in Asheville führte US-Finanzminister Scott Bessent ein Treffen mit der russischen Delegation. Laut amerikanischen Medien wurde im Verlauf der Gespräche der Plan von Präsident Donald Trump zur Beendigung des Krieges in der Ukraine erörtert. Das Treffen auf der Finanztagung wurde damit nicht nur zu einem formellen Element der G20-Agenda, sondern auch zu einem Kanal für breitere politische Konsultationen zwischen Washington und Moskau.
Widersprüchliche Angaben
In den Erklärungen der beteiligten Seiten zeigt sich eine unterschiedliche Auslegung desselben Ereignisses. Die amerikanische Seite, vertreten durch Trump, präsentiert die Einladung Siluanows als routinemäßige Demonstration der Bereitschaft, „mit jedem auszukommen“, und als Element der Normalisierung der Arbeitskontakte. Die europäischen Verbündeten hingegen werten das Erscheinen des russischen Ministers als Provokation vor dem Hintergrund des laufenden Krieges und kritisieren diese Entscheidung offen mit der Androhung eines Boykotts des Gruppenfotos. Außerdem findet sich in den Quellen eine unterschiedliche Formulierung des Formats: Ein Teil der Materialien bezeichnet das Ereignis als „Tagung des G20-Finanzblocks“, andere als „G20-Gipfel“, und das Ergebnis mit dem Gruppenfoto (Abwesenheit Siluanows auf dem Foto) wird vor allem über eine einzige Kette bestätigt – die New York Times. Diese Unterschiede in den Schwerpunkten und in der Beschreibung des Formats sollten bei der Interpretation der Episode berücksichtigt werden.
Rede Siluanows: KI und Importsubstitution
Anton Siluanow selbst nannte in seiner Rede auf der G20-Bühne in den USA neue Wachstumsmotoren der russischen Wirtschaft, darunter die Entwicklung der künstlichen Intelligenz und den Kurs auf Importsubstitution. Damit nutzte die russische Seite den Besuch nicht nur für bilaterale Kontakte mit dem amerikanischen Finanzministerium, sondern auch für die öffentliche Präsentation eigener wirtschaftlicher Prioritäten auf der internationalen Bühne.