An den Rändern des Treffens der Finanzminister und Zentralbankchefs der G20-Staaten, das in Asheville (US-Bundesstaat North Carolina) stattfand, führte US-Finanzminister Scott Bessent ein bilaterales Gespräch mit dem russischen Finanzminister Anton Siluanow. Laut Reuters, das sich auf mit dem Verlauf der Verhandlungen vertraute Quellen beruft, teilte der US-Beamte der russischen Seite direkt mit, dass eine Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern unmöglich sei, solange der Krieg gegen die Ukraine andauere. Damit machte Washington de facto jede Vertiefung des finanz- und wirtschaftspolitischen Dialogs von der Beendigung der Kampfhandlungen abhängig.

Position Washingtons: Zuerst Frieden, dann Wirtschaft

Den Quellen des Agenturs zufolge diskutierten die beiden Seiten im Gespräch den Friedensplan von US-Präsident Donald Trump zur Beilegung des Konflikts. Wie Reuters berichtet, unterbrach Bessent Siluanow, als dieser versuchte, das Gespräch auf Fragen des gegenseitigen wirtschaftlichen Interesses zu lenken, und erklärte laut einer Quelle: „Nichts ist möglich, solange der Krieg nicht beendet ist.' Dieser Satz wurde im Wesentlichen zum Kernergebnis des Treffens und fixierte die harte Position Washingtons: Wirtschaftliche Anreize und neue Abkommen würden nicht als Druck- oder Belohnungsinstrument betrachtet werden, bis ein Ende des Krieges erreicht ist.

Wie die russische Seite die Ergebnisse darstellte

Im russischen Finanzministerium wurde das Treffen in einem neutraleren Ton bewertet. Dort hieß es, die beiden Seiten hätten die finanzielle Zusammenarbeit im Rahmen der G20 besprochen, ohne den Schwerpunkt auf die Bedingung zur Beendigung des Krieges zu legen. Die russische Seite betrachtete das Gespräch nach eigenen Angaben als Teil der routinemäßigen Zusammenarbeit im Format der „Großen Zwanzig', während US-Quilen betonen, dass es vor allem um die Verknüpfung aller wirtschaftlichen Schritte mit einer friedlichen Lösung ging.

Widersprüchliche Angaben

Hier liegt ein Unterschied in der Darstellung derselben Ereignisse durch beide Seiten vor. Laut Version von Reuters lehnte Bessent eine Ausweitung der Zusammenarbeit ausdrücklich ab und blockierte den Versuch Siluanows, auf Fragen des gegenseitigen Interesses überzugehen, mit den Worten „Nichts ist möglich, solange der Krieg nicht beendet ist.' Das russische Finanzministerium charakterisiert das Treffen hingegen als Diskussion über die finanzielle Zusammenarbeit im Rahmen der G20, ohne den ultimativartigen Charakter der US-Position hervorzuheben. Eine Seite sieht im Gespräch also eine klare Bedingung in Bezug auf die Ukraine, die andere einen routinemäßigen zwischenbehördlichen Dialog im Gipfelformat. Der Unterschied in der Auslegung ist positioneller Natur: Die Tatsache des Treffens und seine Durchführung werden von beiden Seiten bestätigt, die Bewertung seines Inhalts und seines Tons jedoch weicht voneinander ab.

Kontext: Erste persönliche Teilnahme Siluanows seit Beginn der Invasion

Reuters hebt besonders hervor, dass das Treffen in Asheville der erste Fall einer persönlichen Teilnahme Siluanows an einer G20-Veranstaltung seit Beginn der umfassenden Invasion Russlands in der Ukraine war. Zuvor hatte die russische Seite den Finanzminister nicht im persönlichen Format zu Treffen der „Großen Zwanzig' entsandt. Allein die Tatsache der Anwesenheit Siluanows und die Bereitschaft Washingtons, ein bilaterales Treffen mit ihm zu führen – wenn auch mit einer harten Botschaft –, belegen, dass die Kanäle des finanziellen Dialogs auf G20-Ebene aufrechterhalten werden, aber streng an eine politische Bedingung gebunden bleiben: die Beendigung des Krieges.

Ergebnis der Verhandlungen in Asheville war die Festigung des Prinzips, wonach die wirtschaftliche Unterstützung und neue Abkommen mit Russland bis zum Ende des Konflikts eingefroren bleiben. Für Moskau bedeutet dies, dass im Rahmen der G20 keine zusätzlichen wirtschaftlichen Zugeständnisse erzielt werden können, für Washington ist es eine Demonstration dafür, dass das wirtschaftliche Instrument nach wie vor dem Ziel einer friedlichen Lösung untergeordnet ist.