Am 31. August 2026 nahm Russland erstmals seit Beginn des großangelegten Krieges gegen die Ukraine an der Zusammenkunft der „Großen Zwanzig“ teil, die in den USA stattfand. Die Veranstaltung wurde in Asheville (Bundesstaat North Carolina) im Rahmen des фирменного Designs „Freedom 250“ abgehalten, das dem 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit gewidmet war. Für die russische Seite reiste der Finanzminister Anton Siluanow nach Asheville, begleitet von Vertretern der Zentralbank der Russischen Föderation. Allein die Anwesenheit des russischen Ministers auf der G20-Bühne nach mehreren Gipfeln ohne Moskau wurde zum zentralen politischen Thema der Zusammenkunft und löste eine scharfe Reaktion europäischer Vertreter aus.

Verhandlungen am Rande des Gipfels

Laut Angaben des russischen Finanzministeriums führte Siluanow Verhandlungen mit dem US-Finanzminister Scott Bessent, der die Seite vertrat. In der offiziellen Mitteilung des Ministeriums lag der Schwerpunkt auf der Diskussion der russisch-amerikanischen Zusammenarbeit im Finanzbereich und der Zusammenarbeit im Rahmen der G20. Nach Informationen amerikanischer Medien besprachen Bessent und Siluanow während des Treffens am Rande des Gipfels jedoch den Friedensplan des US-Präsidenten Donald Trump für die Ukraine. Im öffentlichen Raum existieren somit zwei Versionen darüber, was genau Gegenstand des bilateralen Gesprächs war – von einer rein finanziellen Agenda bis hin zu einer Verhandlungsschiene für die Ukraine.

Reaktion Europas: „beunruhigendes Signal“

Die Anwesenheit des russischen Ministers stieß auf der europäischen Seite auf Unmut. Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil betonte, dass eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau unmöglich sei, solange der Krieg gegen die Ukraine andauere. Er teilte mit, dass Europa ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland vorbereite und auf eine enge Koordination mit Washington hoffe. Seinen Worten zufolge „wäre ein gemeinsamer Ansatz am besten, doch manchmal ist unklar, ob dort nicht eine Lockerung der Position erfolgen wird“, weshalb er die Aufnahme des russischen Ministers als „recht beunruhigendes Signal“ bezeichnete. Klingbeil fügte hinzu, dass Washington deutlicher machen solle, dass die Anwesenheit Siluanows auf dem Treffen nicht bedeute, dass man ihn wie einen gewöhnlichen Gast behandle.

„Familienfoto“ ohne Siluanow

Ein besonderes Kapitel war die Unwilligkeit europäischer Minister und Zentralbankvertreter, den russischen Minister auf dem traditionellen „Familienfoto“ der Teilnehmer zu sehen. Am Ende wurde das gemeinsame Foto ohne Siluanow gemacht. Klingbeil berichtete, dass am Vorabend die europäischen Vertreter – darunter der britische Finanzminister John Gilly und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde – die Frage der russischen Teilnahme专门 besprochen hätten. Seinen Worten zufolge seien sich die Europäer einig gewesen, dass der Dialogkanal aufrechterhalten werden solle, da er es ermögliche, die Position des Westens direkt an Russland zu übermitteln; der bloße Umstand der Rückkehr des russischen Ministers nach, wie er es sieht, vier G20-Treffen ohne Russland zeuge jedoch von einem Normalisierungsversuch und mache „den Widerstand noch wichtiger“.

Widersprüchliche Angaben

In den Erklärungen der Seiten gibt es Unterschiede in den Versionen über den Inhalt der Verhandlungen. Das offizielle russische Finanzministerium beschreibt die Ergebnisse des Gesprächs zwischen Siluanow und Bessent ausschließlich in der Ebene der Finanzkooperation und der Zusammenarbeit im Rahmen der G20, ohne auf Verhandlungsthemen zur Ukraine einzugehen. Amerikanische Medien berichten hingegen, dass am Rande der G20 der Friedensplan Trumps für die Ukraine besprochen wurde. Beide Versionen werden im öffentlichen Raum zitiert, und keine der Seiten dementiert die andere. Zudem gibt es in der Bewertung der Tatsache des „Rückkehrs“ Russlands eine Nuance in der Formulierung: Die russische Seite betont, dass es sich um die erste Teilnahme seit Kriegsbeginn handelt, während Klingbeil es als Rückkehr nach vier G20-Gipfeln ohne Russland zählt; im Grunde decken sich diese Formulierungen, tragen aber eine unterschiedliche politische Färbung – „Rückkehr zur Normalität“ versus „Normalisierungsversuch“.

Insgesamt wurde der Besuch Siluanows in Asheville zu einem Indikator dafür, dass die Finanzdiplomatie zwischen Moskau und Washington auch angesichts des andauernden Konflikts und der Vorbereitung neuer europäischer Sanktionen aufrechterhalten wird. Für Europa bleibt die zentrale Frage, ob die Anwesenheit Russlands auf der G20-Bühne als Anlass für eine Lockerung des Sanktionsdrucks genutzt wird, und für Washington – als Instrument des parallelen Führens von Finanz- und Verhandlungsschienen.