Im Nordosten der USA, in der Hafenstadt Eastport im Bundesstaat Maine, ist ein Konflikt um ein ambitioniertes Energieprojekt entbrannt. Die örtlichen Bewohner, die gemeinsam mit Vertretern der indigenen Indianerstämme und Umweltaktivisten auftraten, leisteten Widerstand gegen die Pläne des Unternehmens DeepGreen Western Passage, im Fundy-Bay ein unterseeisches Rechenzentrum für Aufgaben der künstlichen Intelligenz zu errichten. Das Hauptargument der Gegner war die Bedrohung des lokalen Ökosystems: Nach ihrer Einschätzung würde der Betrieb des unterseeischen Rechenzentrums zu einer lokalen Erwärmung des Bayswassers führen, was das fragile Gleichgewicht der Küsten- und Meeresbiome stören könnte. Dies berichtet die Zeitung The Maine Monitor.
Antrag bei der FERC und Architektur des Projekts
Im Februar 2026 reichte DeepGreen bei der Federal Energy Regulatory Commission (FERC) einen Antrag auf eine vorläufige Genehmigung mit einer Laufzeit von 48 Monaten ein. Ziel ist die Durchführung von Ingenieur- und Umweltstudien auf dem Meeresgebiet in der Fundy-Bay, wo das Unternehmen perspektivisch ein autonomes unterseeisches Rechenzentrum mit modularem Aufbau errichten möchte. Das entscheidende Merkmal des Konzepts ist die Möglichkeit, externe Energiequellen anzuschließen, insbesondere Gezeiten-Turbinen des Unternehmens Ocean Renewable Power Co. (ORPC), um das lokale Stromnetz zu umgehen. Dies ermöglicht es, das Objekt als unabhängigen Energieknoten zu positionieren, der die regionalen Stromleitungen nicht belastet.
Vorgeschichte: ORPC, Bundesfinanzierung und abgelaufene Fristen
Die Verbindung von DeepGreen mit der Gezeitenenergie in der Region ist nicht neu. ORPC hatte zuvor bereits eine Initiative zur Nutzung von Gezeiten-Turbinen zur Versorgung des lokalen Mikronetzes von Eastport umgesetzt. Die Absichtserklärung zwischen den Parteien galt bis 2025. Bereits 2021 erhielt das Projekt im Rahmen des Programms Energy Transitions Initiative Partnership Project (ETIPP) Bundesmittel, in das Eastport neben zehn weiteren Teilnehmerstädten aufgenommen wurde. Dabei lief die vorläufige Genehmigung von ORPC für die Nutzung des entsprechenden Meeresgebiets im Februar 2026 ab – genau in dem Monat, in dem DeepGreen ihren eigenen Antrag bei der FERC einreichte.
Vier Mängel, die der Regulierer feststellte
Bei der ersten Prüfung des Antrags identifizierte die FERC vier wesentliche Mängel. Erstens wurden im Dokument nicht alle Indianerstämme aufgeführt, deren Interessen potenziell vom Projekt berührt werden. Zweitens fehlten die genauen physischen Abmessungen und die Konfiguration des Objekts. Drittens erklärte das Unternehmen nicht, warum es einen Betriebsbereich von rund 150 Hektar beantragt, obwohl das unterseeische Objekt selbst eine deutlich kleinere Fläche einnehmen würde. Viertens wurden in den Antrag Gebiete aufgenommen, die über die tatsächlichen Grenzen der Projektumsetzung hinausgingen. Nach den Einwänden des Regulierers überarbeitete DeepGreen das Dokument: Es präziserte die Beziehungen zu den Stämmen, reduzierte die beantragte Fläche von 162 ha auf 11 ha, verkleinerte die Grundfläche, überarbeitete die verwendeten Materialien und senkte die beantragte Leistung von 51 MW auf 15 MW. Was die Turbinen betrifft, so war in der ersten Phase die Installation von 16 Meesturbinen vorgesehen, in der zweiten – die eine separate Genehmigung erfordert – weitere 34, während in der ursprünglichen Version des Konzepts die Nutzung von gleich 170 Turbinen geplant war.
Widersprüchliche Daten
In den verfügbaren Projektformulierungen und in den Mitteilungen der Parteien tauchen mehrere verschiedene Zahlen zur Fläche des beantragten Meeresgebiets auf: In einigen Teilen des Antrags ist von «rund 160 ha» die Rede, in anderen von «150 Hektar» (150 ha), während der Regulierer in der überarbeiteten Version die ursprünglichen 162 ha festhält. Der Unterschied erklärt sich dadurch, dass das Unternehmen in verschiedenen Dokumentationsstadien den Betriebsbereich und seine Grenzen unterschiedlich beschrieb, sowie dadurch, dass ein Teil der Gebiete anschließend aus dem Projekt herausgenommen wurde. Somit hat der Widerspruch keinen faktischen, sondern einen redaktionell-prozeduralen Charakter: Es geht um die Entwicklung des Antrags unter dem Druck der FERC, nicht um eine Abweichung in bestätigten Fakten. Dennoch bleibt die genaue Fläche bis zur endgültigen Genehmigung der Dokumentation ein Punkt der Klärung.
Moratorium und die Zukunft des Projekts in Alaska
Entscheidend war das Eingreifen der Bewohner von Eastport selbst. Der Stadtrat verhängte einstimmig ein 180-tägiges Moratorium für die Umsetzung jeglicher Rechenzentrumsprojekte im Radius der Stadtjurisdiktion. Verboten wurden Objekte an Land, unter Wasser, mit teilweiser oder vollständiger Tauchung sowie die damit verbundene Infrastruktur. Der Rat behielt sich das Recht vor, das Moratorium vorzeitig aufzuheben oder seine Geltung zu verlängern, wobei dem Gemeinwesen im letzteren Fall rechtliche und prozedurale Schwierigkeiten entstehen könnten. Parallel dazu erhielt ein ähnliches DeepGreen-Projekt in Alaska, das die Installation von 330–350 Turbinen vorsieht, derzeit ebenfalls keine Genehmigung der FERC, was den allgemeinen Trend zur Vorsicht des Regulierers gegenüber großangelegten unterseeischen Energie- und Rechenkomplexen unterstreicht.