Die Firma DayOne hat gemeinsam mit dem australischen Startup Cortical Labs und der Medizinischen Fakultät der National University of Singapore (NUS Medicine) den ersten Prototyp eines «biologischen» Rechenzentrums im Land in Betrieb genommen, berichtet DataCenter Dynamics. Das singapurische biologische Computersystem besteht aus 20 CL1-Modulen und ist in der aktiven Forschungsumgebung von NUS Medicine untergebracht, die von DayOne bereitgestellt wurde. Der Start ist die logische Fortsetzung eines zuvor geschlossenen Abkommens der Parteien über den Aufbau von Rechenzentren auf Basis biologischer Computertechnik in Melbourne und Singapur.

Wie die Plattform CL1 aufgebaut ist und was SBI bedeutet

Das 2025 vorgestellte System CL1 verbindet aus menschlichen Stammzellen gezüchtete Neuronen mit Silizium-Lösungen. Laut Angaben des Unternehmens zielt das Projekt auf die Schaffung einer «fortschrittlicheren und ökologisch nachhaltigeren Form der KI», die die Entwickler als neuronales Netzwerk Synthetic Biological Intelligence (SBI) bezeichnen. Die Plattform überträgt den Neuronen Informationen über ihre virtuelle Umgebung, auf die diese mit der Erzeugung von Impulsen reagieren, die Ereignisse in der Simulation beeinflussen. Das integrierte System hält die Neuronen bis zu sechs Monate am Leben und gewährleistet so eine stabile Arbeitsumgebung für Experimente.

Vom DishBrain zu kommerziellen Bio-Computern

CL1 ist eine modernisierte Version des Bio-Computers DishBrain von Cortical Labs, der einen CMOS-Chip mit 800.000 menschlichen und Mäuse-Neuronen verwendete und eigenständig lernte, Pong zu spielen – ein Computerspiel aus dem Jahr 1972, das Tischtennis-Partien nachahmte. Laut einem Vertreter von Cortical Labs hebt die Erstellung des neuen Prototyps die biologische Computertechnik in den Bereich der kommerziellen Anwendung. Die Entwickler behaupten, dass solche Systeme klassische KI in Bereichen ergänzen können, in denen für herkömmliche künstliche Intelligenz nicht genügend Daten vorliegen, da «biologische» KI mit deutlich kleineren Informationsmengen lernen und sich an veränderte Bedingungen anpassen kann.

Die Spielgeschichte: von Pong zu DOOM

In öffentlichen Materialien zu den Projekten von Cortical Labs werden verschiedene Spielszenarien genannt: Für das ursprüngliche DishBrain wird Pong erwähnt, während in späteren Berichten und Rezensionen (auch auf ixbt.com) von der Ausführung von DOOM auf menschlichen Gehirnzellen die Rede ist. Dies ist kein Widerspruch, sondern spiegelt die Evolution der Plattform wider: von der einfachsten Arcade bis zu komplexeren Spielumgebungen, die von dem neuronalen Gewebe eine komplexere Anpassung verlangen. Dennoch wird die genaue Anzahl der Neuronen im neuen CL1-Modul in öffentlichen Quellen nicht offengelegt, was eine Informationslücke zwischen den Systemgenerationen schafft.

Investoren und das Ausmaß von DayOne

Cortical Labs, 2019 in Melbourne gegründet, hat bereits 11 Millionen US-Dollar an Finanzierungsmitteln eingeworben. Zu den Investoren gehören Horizons Ventures, Blackbird Ventures, LifeX Ventures, Radar Ventures und das mit dem CIA verbundene In-Q-Tel. Der singapurische Rechenzentrumsbetreiber DayOne (früher GDS International) verfügt über ein Portfolio an Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von über 500 MW und bereitet ein IPO vor. Im Juni 2026 sicherte sich das Unternehmen eine Finanzierung in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar, was den strategischen Fokus auf neue Formen der Recheninfrastruktur unterstreicht.

Widersprüchliche Daten

In öffentlichen Quellen gibt es geringfügige Abweichungen in den Details. Erstens erwähnen verschiedene Materialien verschiedene Spieltests (Pong für DishBrain und DOOM für spätere Experimente von Cortical Labs), was den Leser über ein einheitliches System in die Irre führen kann. Zweitens sind für den ursprünglichen Bio-Computer DishBrain genau 800.000 Neuronen angegeben, während für das neue CL1-Modul in den bereitgestellten Quellen keine konkrete Neuronenzahl genannt wird. Drittens wird als Grundlage die Einwerbung von 11 Millionen US-Dollar durch Cortical Labs genannt, während in einzelnen Rezensionen die Gesamtschätzungen der Start-up-Finanzierung je nach Berücksichtigung verschiedener Runden variieren können. Diese Abweichungen ändern nichts am wesentlichen Fakt – dem Start des Prototyps in Singapur –, erfordern aber Vorsicht bei der Zitierung genauer Zahlen.