Die weltgrößte Kryptobörse Binance hat einen vorläufigen Bericht über einen massiven Cyberangriff veröffentlicht, bei dem Angreifer die Kontrolle über die internen Krypto-Wallets des Unternehmens erlangten und Gelder in Höhe von 6,3 Milliarden US-Dollar abzogen. Nach Einschätzung der Börse selbst könnte dies der größte Finanzdiebstahl der Geschichte werden. Ein Schlüsselelement des Angriffs war ein gefälschtes Vorstellungsgespräch für eine Stelle, über das Hacker in die Arbeitsumgebung eines der Ingenieure eindrangen, sowie ein kompromittiertes internes Tool auf Basis künstlicher Intelligenz.

Angriffsmechanik: Vom Fake-Interview zum Wallet-Zugriff

Dem Bericht zufolge basierte die Operation auf einer Kombination aus Social Engineering und technischem Eindringen. Ein Softwareentwickler des Krypto-Wallet-Entwicklungsteams, der auf Jobsuche war, hielt das Vorstellungsgespräch für echt und führte sogar ein virtuelles Treffen mit dem „CEO“ eines nicht existierenden Unternehmens. Dabei lud er ein Repository mit Schadcode auf seinen Computer herunter. Parallel dazu hatte zuvor im Juni ein anderer Mitarbeiter desselben Teams ein kompromittiertes KI-Tool installiert, was den Angreifern teilweisen Zugriff auf die interne Infrastruktur und Informationen über die Aufgaben der Teammitglieder verschaffte.

Chronologie: Wie sich die Operation von Juni bis Oktober entwickelte

Laut Binance entwickelte sich der Angriff in Phasen. Im Juni wurde das erste KI-Tool kompromittiert; die Börse entdeckte den Vorfall, tauschte das Gerät aus und änderte die Anmeldeinformationen, doch Informationen über die Mitarbeiterrollen waren bereits durchgesickert. Im September wurde Schadcode über ein gefälschtes Vorstellungsgespräch auf dem Computer des zweiten Entwicklers installiert. Am 20. Oktober nutzten die Angreifer den kompromittierten Computer und das interne KI-Tool, um Zugriff auf die Systeme beider Entwickler zu erhalten. Der Höhepunkt war der 29. Oktober: Hacker verwendeten zuvor vom ersten Mitarbeiter gestohlene Anmeldeinformationen auf der Maschine des zweiten und führten ein Schadskript aus, das direkt den Abzug von 6,3 Milliarden US-Dollar einleitete.

Binances Reaktion und Kundenentschädigung

Als Reaktion auf den Vorfall kündigte das Unternehmen verstärkte Investitionen in KI-basierte Bedrohungserkennungssysteme an sowie die Arbeit an der Gründung eines Sicherheitsforschungstourismusfonds und den Start gemeinsamer Initiativen mit führenden KI-Unternehmen. Binance versprach, allen Kunden, deren Gelder durch den Angriff gestohlen wurden, die Verluste zu erstatten. In dem Bericht entschuldigte sich das Unternehmen bei Benutzern, Partnern und der Branche für die Betriebsstörungen und die Unsicherheit und betonte, dass „dies nicht hätte passieren dürfen“.

Zurechnung: FBI-Vorwürfe und Haltung Nordkoreas

Zuvor hatte das US-amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) eine nordkoreanische Hackergruppe für den Angriff verantwortlich gemacht, doch Nordkorea wies diese Vorwürfe zurück. Damit bleibt die Frage nach dem genauen Täter der Operation Gegenstand widersprüchlicher Erklärungen von Behörden, während die Tatsache des Angriffs und die Höhe der gestohlenen Gelder von Binance selbst in ihrem vorläufigen Bericht bestätigt werden.